VMware und die Schweiz

11. September 2015 um 08:09
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Inside-it.ch unterhielt sich mit Jean-Pierre Brulard und Othmar Bienz darüber, wo VMware in der Schweiz derzeit steht, wie man den Markt beurteilt und wie es weiter gehen soll.

Inside-it.ch unterhielt sich mit Jean-Pierre Brulard und Othmar Bienz darüber, wo VMware in der Schweiz derzeit steht, wie man den Markt beurteilt und wie es weiter gehen soll.
VMwares Produkte und der Support scheinen bei den Partnern und den Kunden hoch im Kurs zu stehen. Bei unserer jüngsten Umfrage unter den Schweizer Channel-Partnern hat VMware sehr gut abgeschnitten. Und diese Zufriedenheit beschränkt sich nicht nur auf die Schweiz. So haben die Gartner-Analysten in ihrer aktuellen Untersuchung über die Leistungsfähigkeit von x86-Virtualisierungs-Anbietern VMware mit deutlichem Abstand an die Spitze gesetzt. Den zweiten Platz belegt Microsoft und diese beiden Unternehmen sind die einzigen im Leader-Quadranten.
Doch diese gute Resonanz im Markt verpflichtet zu einer kontinuierlichen Weiterentwicklung, oder – um es mit VMware-Chef Pat Gelsinger zu sagen: "Grösse ist heute zweitrangig – Schnelligkeit ist heute entscheidend!" Wie schnell und wohin sich VMware in der Schweiz weiter entwickeln wird, konnten wir mit zwei Gesprächspartnern diskutieren. Noch während der VMworld in San Francisco hatten wir Gelegenheit mit VMwares neuem EMEA-Chef Jean-Pierre Brulard über die IT-Situation in Europa und speziell in der Schweiz zu reden und direkt im Anschluss an die Veranstaltung sprachen wir mit Othmar Bienz, VMwares Chef für Österreich und die Schweiz.
Brulard schwärmte gleich zu Beginn von der Schweizer IT-Nutzung: "Wenn man sich den IT-Einsatz in Europa anschaut, dann sind die Schweizer Unternehmen wesentlich fortschrittlicher und innovativer", lautete seine Einschätzung. Als Grund dafür sieht er die harte internationale Konkurrenz, mit der sich Schweizer Firmen auseinander setzen müssen – vor allem im Finanzsektor. "Die großen Schweizer Unternehmen sind alle Global-Player. Schon von daher haben sie viel Erfahrung mit den unterschiedlichen IT-Nutzungen in anderen Ländern – aber natürlich auch mit der weltweiten Konkurrenz", sagt er über die Hintergründe der Schweizer IT-Landschaft. Insbesondere würden Schweizer Banken und Versicherungen neue Technologien schneller adaptieren, als es im restlichen Europa der Fall ist. Nur bei Behörden und anderen staatlichen Einrichtungen wäre die Situation ähnlich zu denen in anderen grossen europäischen Ländern.
Schnelle Schweizer KMU
Bienz bestätigt die Einschätzung von Brulard, was die führende IT-Rolle bei den Großunternehmen angeht, doch er beobachtet noch ein weitere Eigenheit. "Der Schweizer Mittelstand ist sehr schnell bei der Einführung von neuen Technologien im eigenen Rechenzentrum", sagt er über die Technologie-Aufgeschlossenheit der kleinen und mittleren Unternehmen. So kann es bei diesen Kunden vom ersten Test bis zur Einführung nur drei Monate dauern, was bei Grosskonzernen undenkbar sei.
Eine derartige Dynamik beim IT-Management zahlt sich offensichtlich aus. "Automatisierung im Rechenzentrum schafft klare Business-Vorteile. Vor einigen Jahren hat Gartner festgestellt, dass 70 Prozent eines IT-Budgets auf Maintenance und Betrieb entfallen und nur 30 Prozent für Innovationen und Neuem zur Verfügung stehen. Eine Umfrage unter unseren Kunden hat aber ergeben, dass die Nutzung der kompletten VMware-Produktpalette dieses Verhältnis deutlich verbessern kann. Viele berichten von einem Verhältnis von 60:40 und ein Drittel unsere Kunden hat sogar schon 50:50 erreicht", sagt Brulard über die Produktivitäts-Fortschritte durch die Einführung von SDDC und der Einrichtung von privaten Cloud-Diensten. Doch die Untersuchung, auf die er sich bezieht, stammt aus dem Jahr 2013, ist also nicht mehr auf dem allerneuesten Stand. Ein VMware-Sprecher meinte ergänzend dazu, dass dieser Trend weiter anhält und immer mehr Kunden durch den Aufbau von Private-Clouds in den Bereich von 50:50 gelangen.
VMware und die Container
Der Megatrend bei der RZ-Automatisierung sind Container. Hierzu hat VMware soeben zwei interessante Produkte angekündigt: vSphere Integrated Containers und die neue Photon Plattform. Beide unterstützen die Erstellung und das Managen von Containern. "Die Software-Entwickler haben die Container-Technologie im Sturm erobert, doch in der Praxis ist das noch nicht sehr verbreitet", sagt Bienz über die Situation bei seinen Kunden. Doch es gäbe bereits ein deutliches Interesse – vor allem an Photon. "Bei einigen können wir bestimmt sofort eine Probe-Installation durchführen, sobald das Produkt verfügbar ist", lautet seine Einschätzung. Interessant ist dabei auch, dass das Interesse an Containern nicht nur in den IT-Abteilungen anzutreffen ist, sondern auch in den Fachbereichen ein entsprechender Bedarf vorhanden sei.
Doch das klassische RZ-Geschäft stagniert und folglich gibt es einen erbitterten Konkurrenzkampf. Und zwar nicht nur unter den Anbietern. "Früher waren die Beschaffungs-Kompetenzen in einem Unternehmen klar strukturiert. Heute aber gibt es übergreifende Produkte und der Kampf um angestammte Erbhöfe ist voll im Gange – schließlich kann eine Verschiebung der IT-Struktur auch Entlassungen mit sich bringen", weiß Bienz aus seinen Kundenerfahrungen zu berichten.
Auch bei VMware muss man mit einem stagnierenden Infrastrukturmarkt kämpfen. Die Lösung dafür ist die Cloud, in der man über die Partner und mit der eigenen vCloud Air vertreten ist. Derzeit gibt es über 100 IaaS-Provider deren Spektrum vom kleinen Spezialanbieter bis hinauf zur Swisscom reicht. Doch der Schweizer Cloud-Markt boomt noch nicht. Laut der Experton Group wird dieser Markt im laufenden Jahr ein Volumen von 555 Millionen Franken erreichen, das sind rund 58 Millionen mehr als im Jahr zuvor. Erst die weiteren Prognosen weisen steil nach oben. So soll sich der Markt in den nächsten vier Jahr fast vervierfachen, was einer jährlichen Steigerung von knapp 30 Prozent entspricht. Im Jahr 2019 würden so voraussichtlich 20 Prozent aller Schweizer IT-Ausgaben auf die Cloud entfallen und der klassische Software-Markt wird durch den aufstrebenden SaaS-Markt überrollt sein.
Noch ist es aber nicht so weit und deshalb sind VMwares Partner entsprechend zurückhaltend. "Viele von unseren Providern operieren in Nischen, beispielsweise konzentriert sich einer auf Desktop-as-a-Service und andere sprechen gezielt die Software-Entwickler an", Sagt Bienz über die Marktsituation seiner Partner. Und auch mit der eigene Cloud ist kein großes Geschäft zu machen, was unter anderem am Ort der physischen Datenhaltung liegt, denn VMware hat in der Schweiz kein eigenes Rechenzentrum – und daran wird sich auch kurzfristig wenig ändern. Das am nächsten gelegene Rechenzentrum liegt ein paar Hundert Kilometer nördlich. "Unser Rechenzentrum in Frankfurt schafft jetzt schon eine gewisse Erleichterung", so Bienz weiter. Doch wie dünn dieses Business ist, zeigt sich unter anderem daran, dass es bislang noch keinen Schweizer Referenzkunden gibt. (Harald Weiss)

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