VMworld Cannes: Von wolkigem und virtuellem

24. Februar 2009, 16:52
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Etwas Zukunftsmusik und viel gegenwärtiges Interesse an der VMworld in Cannes.

Etwas Zukunftsmusik und viel gegenwärtiges Interesse an der VMworld in Cannes.
Draussen ist es so schön, und drinnen reden alle über Wolken. Wenigstens die, die hier an der VMworld in Cannes den Veranstalter VMware vertreten. Nicht über die Wolken am Wirtschaftshimmel – die versucht man eher ein paar Tage lang zu vergessen - sondern über "Clouds" beziehungsweise das "Cloud-Computing".
Server in der Hand, Cloud auf dem Dach
Auf Cloud Computing angesprochen, reagieren die anwesenden Kunden allerdings – verzeihen Sie das Wortspiel - wolkig. Der Reporter erntet hauptsächlich nachdenklich gerunzelte Stirnen und vage Blicke. Das Fazit der Reaktionen: Wir schauen uns das dann in ein paar Jahren an, wenn die Anbieter uns sagen können, wozu es gut ist. Auch wenn VMware-Chef Paul Maritz betont, dass Server-Konsolidierung nur ein kleiner Teil des Anreizes der Virtualisierung sei - vielen hier liegt eben genau dies noch am nächsten.
Ein kurzer Blick auf die Themen der informativen Breakout-Sessions – für die meisten der rund 4800 (!) Kunden sowieso der viel wichtigere Grund hierher zu kommen, als die grossen Worte in den Keynotes – zeigt, dass das auch den Veranstaltern klar ist. Die Qualität der Sessions wurde übrigens von den Besuchern, mit denen sich inside-it.ch unterhalten konnte, einhellig gelobt. Nur das Reservationssystem sorgte (neben dem Mittagessen unter beengten Verhältnissen im Ausstellungsareal und einigen überquellenden Abfalleimern) für leichten Unmut. Man konnte sich zwar im Internet anmelden, hat damit aber noch keinen Platz auf sicher – wer nicht absolut pünktlich zur Session erscheint, findet anscheinend oft keinen Platz mehr.
100-Prozent virtualisierte RZs
Die trockene und neuigkeitsarme, aber einleuchtende Keynote von VMware-CEO Paul Maritz heute Morgen, während der er die aktuelle Strategie von VMware zusammenfasste, erntete trotz des vollgefüllten Saals nicht mehr als höflichen Applaus. Immerhin fesselte sein Vortrag genügend, dass nur wenige vorzeitig den Saal verliessen, was man vom nachfolgenden, etwas propagandalastigen Vortrag von SAP-Mann Wolfgang Krips nicht behaupten konnte.
Maritz nannte drei Initiativen, an denen VMware in der kommenden Zeit hauptsächlich arbeiten werde: Das (voll) virtuelle Rechenzentrum, die "vCloud" und den virtuellen Client.
Maritz ist kein Polterer und blieb allgemein recht zurückhaltend, hatte aber zum Thema Rechenzentren doch eine erstaunliche Versprechung in petto: Gegen Ende dieses Jahres werde es keine technischen Gründe mehr geben, um ein Rechenzentrum nicht zu hundert Prozent zu virtualisieren. Grundlage dafür werde das "Rechenzentrums-OS" sein, das bis dann fertig gestellt werden und auf den Markt kommen soll. Es wird "vSphere" heissen und, als Nachfolger der "Infrastructure"-Produkte, die grundlegende Plattform für das zukünftige VMware-Portfolio darstellen. vSphere besteht aus sechs "Bausteinen": vCompute (Hardware-Virtualisierung, Live-Migration), vStorage (Speichermanagement, Replikation), Network, Availability, Security, Scalability (dynamische Ressourcenzuteilung). In diese Bausteine werden auch einige Produkte von VMware-Partnern "eingeklinkt" werden können.
Auf vSphere aufbauend bildet die vCenter-Suite die nächste Management-Schicht. Sie besteht aus Modulen für Provisionierung, Kapazitätsplanung, Operations, Konfiguration, Performance- und Verfügbarkeitsüberwachung sowie, auf die Userseite gerichtet, einem Self-Service-Portal, einem Service-Katalog und einem Verrechnungs-/Chargeback-Modul.
Offene versus proprietäre Wolken
vCloud, die zweite Initiative, die Maritz schilderte, scheint noch am wenigsten fassbar. Wenn man in die Zukunft blicke, so der VMware-Chef, bestehe eine gewisse Gefahr, dass das Cloud-Computing von drei oder vier "Uberprovidern" beherrscht werden werde. Diese würden jeweils proprietäre Umgebungen anbieten, in welchem die Kunden nach dem "Hotel California"-Modell – man checkt ein, aber man checkt nie mehr aus – gefangen wären. Bestehende Applikationen müssten für diese Umgebungen neu umgeschrieben werden und könnten zudem nicht ohne kostspielige Anpassungen portiert werden.
Gemäss Maritz ist dagegen der Weg über Virtualisierung der bessere, "evolutionäre" Weg in eine offene Cloud-Computing-Welt. Bestehende Applikationen würden, einmal in virtuelle Maschinen eingeschlossen, zu "Black-Boxes", die man ohne weiteres vom eigenen RZ zu einem "Cloud"-Provider verschieben kann - sofern er VMware-Infrastruktur einsetzt.
Bei letzterem liegt wohl auch die Crux. Damit der Plan gelingt, einen Quasi-Standard zu schaffen, was für Kunden durchaus nützlich sein könnte, müssten sich möglichst schnell möglichst viele Cloud-Provider dem VMware-Ökosystem anschliessen. Dabei scheint der Softwarehersteller einigen Erfolg zu haben. Bisher haben sich, so Maritz, bereits 400 Unternehmen der vor sechs Monaten gestarteten vCloud-Initiative angeschlossen.
Client-Hypervisor zusammen mit Intel
Client-Virtualisierung werden wohl viele Kunden deutlich früher ins Auge fassen, als die Einbindung von Clouds, zumindest von externen Anbietern. Und VMware möchte natürlich bei der Client-Virtualisierung kräftig mitmischen.
Heute hat VMware dazu eine Allianz mit Intel bekannt gegeben. Die beiden Unternehmen wollen die VMware-Technologie mit Intels "vPro"-Technologie integrieren. Der daraus enstehende Client-Hypervisor soll in der zweiten Hälfte des Jahres auf den Markt kommen.
Durch die Integration der vPro-Technologie soll der Client-Hypervisor umfassende Fern-Management-Funktionen bieten, zum Beispiel neuartige Security-Features oder die Möglichkeit, einen Client auch upzudaten, wenn er abgeschaltet ist (über die "Aufweck"-Funktion von vPro.)
Windows-7-Migration als Anstoss zur PC-Virtualisierung
Der Client Hypervisor wird von VMware zusammen mit der bereits existierenden Virtual Desktop Infrastructure (VDI) für Thin Clients angeboten werden. Thin Clients werden dabei wie bisher auf einen auf zentralen Servern laufenden virtuellen Desktop zugreifen. Bei etwas "fetteren" Clients wird dagegen die virtuelle Maschine auf den Clients selbst laufen (aber andauernd mit dem Serverimage synchronisiert) so dass mehr Leistung, zum Beispiel für Multimedia- oder 3-D-Anwendungen, geboten werden kann.
Maritz glaubt übrigens, dass virtuelle Desktops wohl erst nächstes Jahr in grösserem Umfang eingeführt werden. Aber viele Kunden, so Maritz, könnten schon dieses Jahr die grundsätzliche Architekturentscheidung fällen. Und er nannte gestern am Partnertag auch gleich einen konkreten Anlass: Windows 7. Viele Unternehmen, so Maritz, dürften die bevorstehende Migration als Anlass nehmen, ihr Desktop-Konzept grundlegend zu überdenken. Windows 7, glaubt Maritz, könnte so das erste Betriebssystem sein, das hauptsächlich "in der Wolke" installiert werden wird. (Hans Jörg Maron)
(Foto: Christian Mairitsch, First Impressions form Cannes & VMworld.)

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