VMworld: Jetzt wird Cloud "Software defined"

30. August 2016, 08:08
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Nach dem "Software-definierten Rechenzentrum" propagiert WMware nun die "Software-definierte" Cloud.

VMware strebt nach Höherem. Nach dem man vor Jahren mit der Architektur eines Software-definierten Rechenzentrums (SDDC) eine neue Integrationsebene schuf, kommt der Virtualisierungs-Spezialist jetzt mit einem Paket auf den Markt, mit dem sich heterogene Cloud-Landschaften Software-definiert managen lassen.
"Im Durchschnitt hat heute jedes Unternehmen acht verschiedene Cloud-Plattformen im Einsatz", sagte VMware-Chef Pat Gelsinger in seiner Eröffnungs-Keynote zu diesjährigen VMworld in Las Vegas. Dieser Durchschnittswert entstammt einer Untersuchung des Economist, bei der alle Unternehmensgrössen weltweit berücksichtigt wurden. Somit ist davon auszugehen, dass bei grossen Unternehmen diese Zahl vermutlich wesentlich höher sein wird. Genau hier setzt jetzt VMware mit einer neuen Management-Ebene an. Mit der "Cross-Cloud Architecture" können heterogene Cloud-Plattformen von Amazons AWS, Microsofts Azure, IBMs Softlayer und Googles Cloud-Services sowie interne Clouds einheitlich gemanaged und administriert werden. "Vor allem, wenn es darum geht, einheitliche Sicherheits- und Regulierungsvorgaben zu implementieren, ist diese übergeordnete Management-Ebene ganz wichtig", erläutert VMwares Cheftechnologe Guido Appenzeller den Schwerpunkt des neuen Lösungsansatzes.
Die neue Architektur besteht im Wesentlichen aus den Komponenten VMware Cloud Foundation, also der bestehenden SDDC-Plattform (SDDC steht für Software Defined Data Center) in Verbindung mit einer Cloud sowie dem VMware Cross-Cloud Services (VCCS) bei dem sich Anwendungen auf AWS, Azure und Softlayer managen lassen. Auf den ersten Blick mag es deshalb so aussehen, als ob VMware nur bestehende Produkte neu verpackt hätte. Doch der entscheidende Punkt ist, dass das bisherige Produktportfolio nur Anwendungen in verschiedenen RZ-Umgebungen vereinte, wogegen jetzt vier Public-Cloud-Systeme mit der internen Cloud unter einer Oberfläche zusammengefügt werden. So erwähnte Gelsinger mehrmals, dass man mit der neuen Lösung einfacher und schneller Anwendungen von einer externen Cloud in eine andere verschieben könne. Inwieweit das generell möglich sein wird, bleibt abzuwarten. Schliesslich basiert VCCS nur auf den allgemein zugänglichen APIs der jeweiligen Cloud-Anbieter. Folglich müssten dann auch die bestehenden Inkompatibilitäten zwischen den Anbietern erhalten bleiben. Das heisst, nur Anwendungen, die von vornherein für die Nutzung auf verschiedenen Plattformen ausgelegt wurden, lassen sich später auch problemlos verschieben.
IaaS heute - SaaS später
Dass derzeit nur Infrastructure-as-a-Service (IaaS) Provider unterstützt werden, liegt laut Appenzeller lediglich daran, dass IBM, Amazon, Google und Microsoft die am häufigsten genutzten Plattformen bei den VMware-Kunden sind. "Wir werden Ähnliches auch schon bald für die SaaS-Anbieter, wie Salesforce, Netsuite oder Successfactors anbieten", sagte Appenzeller an einer Presskonferenz über die weitere Roadmap, ohne allerdings einen Zeitplan zu nennen.
IBM ist erster grosser VCCS-Partner
Die bereits im Januar angekündigte Partnerschaft zwischen IBM und VMware im Bereich Cloud-Computing wird weiter ausgebaut. "Wir haben zusammen über 4000 gemeinsame Kunden und die Kooperation von VMwares vCloud Air mit unserer Softlayer-Plattform hat sich zu einem rasant anwachsenden Business entwickelt", schwärmte IBMs Cloud-Chef Robert LeBlanc im Gespräch mit Gelsinger. So habe man allein seit Januar 500 Kunden hinzugewinnen können, darunter so global agierende Unternehmen, wie die Hotelkette Marriott. Für Gelsinger ist die IBM-Partnerschaft aber nur der erste Schritt für weitere "ähnliche Kooperationen mit anderen Cloud-Providern". Damit dürften vor allem Amazon, Microsoft und Google gemeint sein. Das aber wird nicht so einfach werden, denn zum einen ist VMware nicht der einzige, der sich auf dem Gebiet des heterogenen Cloud-Management tummelt und zum anderen planen die grossen Drei ebenfalls Lösungen, mit denen sie ihre Plattform mit denen der Konkurrenz besser verbinden können.
Michael Dell: Handshake mit Pat Gelsinger
Zum Abschluss der Keynote sprachen Pat Gelsinger und Michael Dell ein wenig über die neue aktuelle Situation und über die Zukunft. Schliesslich wird VMware nach der EMC-Akquisition ebenfalls zum neu geschmiedeten Konglomerat von Dell Technologies gehören. Michael Dell lobte vor allem die Anstrengungen, mit denen VMware in relativ kurzer Zeit die neuen Produkte entwickelt habe. Hielt sich aber bei den weiteren Zukunftsaussichten sehr bedeckt. "Das Eco-System wird stärker werden, es wird mehr Innovationen geben, die Zahl der Endgeräte wird rasant ansteigen und Analytics werden zunehmend zum Einsatz kommen. Ich denke wir sind am Anfang einer neuen Ära der Informationsverarbeitung", war Dells oberflächliche Antwort auf Gelsingers Frage nach der Zukunft. (Harald Weiss, Las Vegas)

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