Vorbei die Zeit der Geheimnistuerei um das CKW-Rechenzentrum

18. September 2014, 10:59
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Der Luzerner Energieversorger CKW hat gestern auf dem Bauplatz des Rechenzentrums Littau eine zünftige "Aufrichte" gefeiert.

Der Luzerner Energieversorger CKW hat gestern auf dem Bauplatz des Rechenzentrums Littau eine zünftige "Aufrichte" gefeiert.
Der nun erfolgten offiziellen Einweihung des dritten Rechenzentrums des Luzerner Energieversorgers CKW in Littau – inklusive Trompeter und Bäumchen - war eine eher komische Geheimniskrämerei vorausgegangen. Diesmal aber war alles anders. In Anwesenheit zahlreicher Handwerker und dem CIO des ersten externen Kunden, Robert Koch vom Schweizer Unfallversicherer Suva, stand das im Entstehen begriffene Projekt offen und wurde ausführlich präsentiert. In Grussworten von Luzerns Stadtpräsidenten Stefan Roth und dem Direktor der Wirtschaftsförderung des Kantons, Walter Stalder (Foto links), wurde auf die Bedeutung des ersten grossen RZs für die Region hingewiesen. Es soll unter anderem Telekom-Provider und andere lokale Unternehmen anziehen. Rund ein Drittel der 1200 Quadratmetern RZ-Fläche hat bereits die Suva gebucht und 100 Quadratmeter das Mutterhaus.
Gebaut und dann auch betrieben wird es, wenn es Mitte nächsten Jahres fertiggestellt ist, von der CKW-Tochter CFS (CKW Fiber Services). Dessen Chef, Dieter Moser (Foto rechts), spricht von der aktuell grössten CKW-Investition, die hier in Littau ausserhalb des angestammten Energieversorgungsgeschäfts getätigt werde. Angesichts der geringen Margen im Kerngeschäft, drängen immer mehr Schweizer Energieversorger in den IT-Markt. Rund 20 Millionen steckt die CKW allein in den Umbau ihres 1965 erbauten ehemaligen Unterwerks. Die Stromversorgung des dreigeschossigen Baus wird von den Unterwerken in Ruopigen und Emmenbrücke sichergestellt. Während sich im Erdgeschoss und ersten Stock die eigentlichen Rechnerräume befinden, stehen in der Etage darüber die Kühlaggregate. Auf dem flachen Walmdach, das ebenfalls erneuert wurde, wird noch eine Solaranlage mit einer Leistung von 30 kW installiert. Für die Unterbringung der Notstromversorgung mit Batterien und Diesel ist direkt neben dem bestehenden Gebäude ein Neubau erstellt worden.
Das als hochsicher ausgewiesene RZ wird künftig zu 70 Prozent auf "Freecooling" setzen und ansonsten Wasser nutzen. Geplant ist zudem, die Abwärme in das in unmittelbarer Nähe befindliche Fernwärmenetz einzuspeisen: "Dazu laufen derzeit die Verhandlungen und ich hoffe, bald konkretere Angaben machen zu können", so Moser zu inside-it.ch. Sowohl bei der Kühlung als auch bei der Elektroversorgung entspreche das RZ dem Tier-4-Standard, so Moser weiter und erfülle ansonsten den Tier-3-Level. Insgesamt erreicht die CFS mit dem Umbau beim Verhältnis von Energieeinsatz zu Energieverbrauch den sehr guten PUE-Wert (Power Usage Effectiveness) von 1,2.
Grundsätzlich ist das Innere des Baus modular ausbau- und erweiterbar. Die Räume sollen ausser in ersten Stock weitgehend "leer" an die Kunden übergeben werden. Welche Form der Kühlung ihrer Racks sie dann wählen, bleibe ihnen überlassen. Auch aufgrund der Raumhöhe besteht jedenfalls kein Problem etwa Doppelböden einzubauen, wie Moser bestätigt. Im dem ersten Obergeschoss will CFS neben Freiflächen auch komplett ausgerüstete sogenannte Rack-Lounges in verschiedenen Grössen und voll ausgerüstet zur Verfügung stellen. Und die werden mit Wasser gekühlt. Informationen, ob schon weitere Kunden gefunden sind, wollte sich Moser nicht entlocken lassen: "Sie können sich aber sicher vorstellen, dass wir intensiv das Gespräch mit potentiellen RZ-Nutzern suchen". (Volker Richert)

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