Vorteile und Stolpersteine der "agilen" Softwareentwicklung

4. November 2010, 14:26
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Die Softwareingenieure von BSI wenden oft und gerne "Scrum" an - sie glauben aber auch, dass "agile" Entwicklungsmodelle nicht zu jedem Software-Projekt passen.

Die Softwareingenieure von BSI wenden oft und gerne "Scrum" an - sie glauben aber auch, dass "agile" Entwicklungsmodelle nicht zu jedem Software-Projekt passen.
"Agile" Projektmethoden zur Entwicklung von Software sind in den letzten Jahren ein grosses Thema in der Entwicklerszene, sowohl bei Softwareunternehmen als auch bei internen Entwicklungsabteilungen. Der Badener Softwarehersteller BSI Business Systems Integration hat in den letzten Jahren diverse Lösungen für Kunden mit der agilen Methodik "Scrum" entwickelt, und ist davon überzeugt. Nicht nur seien die Projekte erfolgreich abgeschossen worden, sondern man habe durch das spezielle Vorgehen bei den Kunden sogar "grosse Begeisterung" auslösen können.
Agile Methodiken zeichnen sich, so erklärt es BSI, unter anderem dadurch aus, dass nicht im voraus endgültige Spezifikationsbücher erstellt werden müssen, die bereits alle alle Funktionen im Detail abdecken. Zwar wird auch hier ein Spezifikations- und Zeitplan erstellt und die Gesamtlaufzeit des Projektes festgelegt. Die konkrete Umsetzung der Funktionen ist aber nicht "in Stein gemeisselt". Im Projektverlauf können sich diverse Faktoren ändern und der im kontinuierlichen Kontakt mit den Entwicklern stehende Kunde – beziehungsweise im Falle einer internen Entwicklung die Abteilung, welche die Software anwenden soll - soll jederzeit neue Aspekte und Wünsche einbringen dürfen. Dazu erhält er schon früh vorläufige aber funktionsfähige Softwareversionen, die er testen und anpassen lassen kann. Dadurch sollte keine Angst aufkommen, bei den ursprünglichen Spezifikationen etwas zu vergessen. Durch den Dauerkontakt sollte der Kunde gleichzeitig immer über den aktuellen Projektstand, die funktionellen Fortschritte und die genauen Kosten Bescheid wissen.
Die Kunden oder die Empfänger der Software müssen aber auch die Zeit und die Neigung haben, diese Möglichkeiten auszunützen. Und frühe Softwareversionen, bei denen noch nicht viel so funktioniert, wie man sich das vorgestellt hat, können, wie inside-it.ch aus anderen Projekten erfahren hat, einen unerfahrenen Kunden auch ziemlich verschrecken.
Drei Warnungen, fünf Stolpersteine
Die Methode sei, so Tim Hellinga, Scrum-Master und Projektleiter bei BSI, "extrem" motivierend für Projektmitarbeiter. Und Kunden gefalle es, wenn sie sozusagen "zusehen" können, wie aktuelle Anforderungen schnell und effektiv umgesetzt werden.
Wo Licht ist, ist aber auch Schatten: "Allerdings bergen Scrum-Projekte auch Risiken, die Unternehmen unbedingt bedenken sollten", warnt Hellinga. Sein Kollege Morten Pedersen meint: "Kurze, direkte Kommunikationswege und Vertrauen sind die Grundvoraussetzungen für den Erfolg eines agilen Software-Projekts. Daher sind Entwicklungsmethoden wie Scrum nach meiner Erfahrung zum Beispiel in sehr grossen Projekten, mit vielen Entscheidungsträgern, die in einer hierarchischen Beziehung zueinander stehen, mit Vorsicht zu geniessen.“
Und auch BSI-Verwaltungsratspräsident Jents Thuesen schliesst sich dem Chor an: "Aktuelle Fälle haben gezeigt, dass man bei Software-Projekten die Spezifikation nicht einfach wie in einen Automaten oben hinein stecken und das fertige Produkt unten heraus ziehen kann. Bei der Entwicklung komplexer Software spielen menschliche Beziehungen eine grosse Rolle. Unternehmen sollten sich nicht von populären Namen wie 'Agile' und 'Offshoring' und von vermeintlich günstigen Stundenpreisen blenden lassen."
Leider äussert sich Thuesen nicht darüber, welche "aktuellen Fälle" genau gemeint sind. BSI fasst seine Ansichten zu den Stolpersteinen bei Scrum-Projekten und allgemein bei agilen Software-Projekten in den folgenden fünf Punkten zusammen:
"Agile" erfordere eine sehr direkte Kommunikation und ein gutes Arbeitsklima. Die Zusammenarbeit müsse besonders eng und zeitnah sein. Das erfordere auch ein entsprechendes Zeitbudget beim Kunden.
Kultur und Sprache spielen eine grosse Rolle: Wie kommunizieren die Menschen, und welche Sprachen beherrschen die Projektmitarbeiter sicher? Werden jenseits des rein sprachlichen Verständnisses auch "Zwischentöne" verstanden? Hier komme es häufig zu Missverständnissen oder Interpretationsschwierigkeiten. Beispielsweise ist das in der Schweiz häufig benutze Wort "Pendenz" für offene Aufgaben in Deutschland gar nicht bekannt.
Agile Methoden und Hierarchien widersprechen sich laut BSI: Die Kommunikation bei Scrum und Co. finde jenseits von hierarchischen Stufen und klassischen Entscheidungswegen statt.
Software entwickeln sei eine Dienstleistung und keine (industrielle) Produktion, die man vergleichsweise komplikationsfrei ausgliedern kann. Dieser Punkt gewinne an Bedeutung, je komplexer und spezieller die Anforderungen an eine Software sind.
Agile-Projekte funktionieren daher, glaubt BSI, nur ganz selten im Offshore-Modell. (Hans Jörg Maron)

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