VRSG investiert weiterhin massiv

3. Mai 2016, 07:55
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Der St. Galler IT-Dienstleister finanziert die Modernisierung und Ausbau der Infrastruktur über einen Bankkredit.

Der St. Galler IT-Dienstleister finanziert die Modernisierung und Ausbau der Infrastruktur über einen Bankkredit.
Der St. Galler IT-Dienstleister VRSG, der sich in Besitz von Gemeinden und Kantonen befindet, hat letzte Woche den Geschäftsbericht samt ziemlich detaillierten Zahlen veröffentlicht. Auffallend ist einerseits das markante Wachstum des Umsatzes. Die VRSG setzte letztes Jahr 64,5 Millionen Franken um, über 13 Prozent mehr als 2014. Man habe die meisten Neukunden in unkämpften öffentlichen Ausschreibungsverfahren gewonnen, heisst es im Geschäftsbericht.
Der starke Umsatzwachstum führte aber nicht zu rasch wachsendem Gewinn. Der ausgewiesene Reingewinn betrug nur knapp eine halbe Million Franken, der Cash Flow ("Geldfluss aus Geschäftstätigkeit") war sogar negativ (minus eine Million Franken).
Kredit von der Bank und der Patronatsstiftung
Ausserdem fällt auf, dass sich die VRSG letztes Jahr stärker verschuldete. Der IT-Dienstleister nahm einen Bankkredit über fünf Millionen Franken auf und verschuldete sich bei der Patronatsstiftung um weitere 900'000 Franken. Wie GL-Mitglied Christian Manser, der für den Bereich Architektur und Infrastruktur verantwortlich ist, auf Anfrage sagte, finanziert die VRSG mit dem Bankkredit den Ausbau der Infrastruktur. "Wir befinden uns in einem Investitionszyklus zur technologischen Erneuerung. Wir finanzieren die Investitionen hauptsächlich aus Reserven, die wir über die letzten Jahre eigens dafür gebildet haben, aber auch mit Fremdkapital", so Manser in einem kurzen Telefongespräch mit inside-channels.ch. Zum Vergleich: Die VRSG weist in der Bilanz Debitoren von rund 15 Millionen Franken aus.
Die VRSG investiere nun und plane, die nun eingegangen Verbindlichkeiten mit den künftigen Erträgen "über die nächsten Jahre zurückzuzahlen", sagt Manser. "Wir sind gut auf Kurs und unsere aktuellen Zahlen sind sogar besser als geplant," betont der VRSG-Infrastruktur-Chef.
Auffallend ist allerdings, dass die VRSG bereits letztes Jahr
Eigenentwicklungen nicht aktiviert
Ebenfalls auffallend ist der Posten "immaterielle Anlagen". Die VRSG hat solche für 3,4 Millionen Franken als Aktiven in der Bilanz. Haben die St. Galler Eigenentwicklungen aktiviert, um die Erfolgsrechnung schöner aussehen zu lassen? Nein, so Manser. Die VRSG hat lediglich Entwicklungswerkzeuge und andere Vorinvestitionen in Lizenzen für Outsourcing-Projekte aktiviert.
Die Erklärungen von Christian Manser sind durchaus glaubwürdig. Trotzdem fällt auf, dass der St. Galler IT-Dienstleister, der sich vollständig in Besitz der öffentlichen Hand befindet, für einen IT-Dienstleister und Software-Hersteller, dessen Kunden oft auch Aktionäre sind, erstaunlich wenig Geld verdient. (hc)

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