VRSG rettet sich in die Arme von Abraxas

15. Juni 2017, 15:36
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Oder ist es umgekehrt? Abraxas und VRSG sollen fusionieren. Die Schulden von VRSG sind weiter gestiegen und es droht eine Schadenersatz-Zahlung von 5,6 Millionen Franken.

Oder ist es umgekehrt? Abraxas und VRSG sollen fusionieren. Die Schulden von VRSG sind weiter gestiegen und es droht eine Schadenersatzzahlung von 5,6 Millionen Franken.
Bei den beiden IT-Dienstleistern in staatlichen Händen, Abraxas und VRSG, ist zur Zeit niemand zu erreichen. Grund: Ausserordentliche Informationen für die Mitarbeiter. Den über 800 Mitarbeitern wird gesagt, dass die Verwaltungsräte der beiden Firmen eine Fusion vorschlagen. Abraxas und VRSG sollen in eine Holding eingebracht werden, wie inside-channels.ch weiss.
Die Genehmigung durch die Aktionäre, bei der VRSG sind es viele Ostchweizer Gemeinden, bei Abraxas die Kantone St. Gallen und Zürich, dürfte eine Formsache sein. Denn die gemeinsame Holding wird im Schweizer E-Gov-Markt ein Powerhouse sein. Und vielleicht wird der ziemlich strategielos herumrudernde Kanton Zürich seine Abraxas-Aktien ja doch noch los.
VRSG macht Rückstellung wegen verspätetem Projekt und erhöht Schulden
Die St. Galler VRSG hat dieses Jahr, anders als in allen Jahren zuvor, den Geschäftsbericht nicht veröffentlicht. Unsere Anfrage an VRSG-CEO Peter Baumberger vor einigen Tagen wurde bisher noch nicht beantwortet.
Ein Blick in den Jahresbericht, der inside-channels.ch dennoch vorliegt, lässt einige Fragen aufkommen. So hat VRSG 2016 eine Rückstellung von 5,6 Millionen Franken gebildet, um "intern zusätzlich anfallende Aufwände zu kompensieren und die erwartete Schadenssumme für Drittleistungen" eines Kunden abzudecken. Offenbar hat VRSG bei einem Projekt für das Steueramt des Kanton Zürich nicht geliefert. Im Geschäftsbericht ist von "Komplexität und Verzögerung" die Rede.
Ausserdem hat VRSG die "immateriellen Anlagen", also die gefährliche Aktivierung von Software, von 3,4 auf 12,7 Millionen Franken erhöht. Die Bankschulden von VRSG stiegen von sieben auf 9,7 Millionen Franken. Der ausgewiesene Gewinn sank trotz Aktivierung von Software von 500'000 Franken auf noch knapp 10'000.
Ausserdem ist VRSG in einen lang anhaltenden und teuren Rechtsstreit mit dem Konkurrenten Abacus verwickelt.
Oder ist alles umgekehrt und Abraxas rettet sich in die Arme von VRSG?
Doch auch der andere Fusionspartner, Abraxas, hat in den letzten Jahren nicht geglänzt. Der Geschäftsbericht 2016 liegt noch nicht vor. 2015 zeigte sich, dass Abraxas nur noch knapp schwarze Zahlen schrieb
Ob die beiden fusionierten Player gemeinsam aus ihren Schwierigkeiten heraus finden, muss man sich fragen. Reine Grösse hilft in sich wandelnden Märkten bekanntlich nicht immer.
Abraxas und VRSG werden die geplante Fusion demnächst kommunizieren. Wir werden danach versuchen, Stellungnahmen der Spitzen der beiden Firmen zu erhalten. (Christoph Hugenschmidt)

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