Waadtländer Polizei lässt Handy-Trojaner entwickeln

3. November 2011, 16:12
  • security
  • android
  • iphone
  • ios
image

"Projekt Argos" soll Zugriff auf Handys von Verdächtigen ermöglichen.

"Projekt Argos" soll Zugriff auf Handys von Verdächtigen ermöglichen.
Die Waadtländer Kantonspolizei hat gemäss einem Bericht von 'Le Matin' einen Auftrag an die Fachhochschule für Ingenieurwesen und Handel des Kantons Waadt (HEIG-VD) erteilt, Trojaner für Smartphones zu entwickeln. Auf der Anforderungsliste für den Trojaner soll das Ausspionieren von Anrufen und SMS sowie die Übermittlung von Standortdaten stehen.
Während die Schule nicht sagen wollte, wer hinter dem Auftrag steckt, bestätigt die Waadtländer Kapo eine Partnerschaft mit der Fachhochschule. Man habe Partnerschaften mit verschiedenen Hochschulen im Kanton, "um unseren Bedarf im Bereich Technologie zu decken und auf neue Entwicklungen zu reagieren", sagte Jean-Christophe Sauterel, Sprecher der Kantonspolizei Waadt. Zur Zeit arbeite man aber nur an Forschungsprojekten, die nicht in Ermittlungen eingesetzt würden. Allerdings will Sauterel nicht ausschliessen, dass die Trojaner später angewendet würden. Erste Resultate liegen gemäss '20 Minuten' bereits vor. So sei während einer Diplomarbeit ein Prototyp entwickelt worden, mit welchem Mobiltelefone mit Symbian-Betriebssystem ausspioniert werden können. Ein Trojaner für Android wird in einer weiteren Arbeit erwähnt. Ausserdem plane die Schule, auch einen Trojaner für das iPhone zu entwickeln.
In einer weiteren Forschungsarbeit beschäftigt man sich an der HEIG-VD mit einem "IMSI-Catcher", mit welchem nicht nur die International Mobile Subscriber Identity (IMSI)-Nummer ausgelesen und der Standort des Handys ausgelesen werden kann, sondern auch das Mithören von Telefonaten ermöglicht wird.
Ob Handy-Trojaner gesetzlich eingesetzt werden dürfen, ist umstritten. Während etwa das EJPD davon ausgeht, dass ein Einsatz durch Artikel 280 der eidgenössischen Strafprozessordnung abgedeckt sind, sehen dies diverse Rechtsanwälte und Politiker, wie auch beim Einsatz des Staatstrojaners, anders. (bt)

Loading

Mehr zum Thema

image

Cyberkriminelle erbeuten Kundendaten der Online-Apotheke DocMorris

Bei dem Cyberangriff haben unbekannte Täter 20'000 Kundenkonten kompromittiert. Die Online-Apotheke gehört zur Schweizer "Zur Rose"-Gruppe.

publiziert am 27.1.2023
image

Schwerer Schlag gegen eine der erfolgreichsten Ransomware-Banden

Die Gruppe Hive hatte unter anderen Emil Frey und Media Markt attackiert. Jetzt haben das FBI, Europol und weitere Behörden die Hive-Infrastruktur ausgeschaltet.

publiziert am 27.1.2023
image

Angeblicher Datendiebstahl: Unispital Lausanne gibt Entwarnung

Ein Hacker behauptete, im Besitz von 2 Millionen Datensätzen des Spitals zu sein. Doch das Datenpaket stammt offenbar aus Frankreich.

publiziert am 27.1.2023
image

Zwei Wochen nach der Cyberattacke: Britische Post verschickt wieder Päckli

Eine Ransomware-Bande hatte den internationalen Versand der Royal Mail lahmgelegt.

publiziert am 27.1.2023