Wahlen 07: Hochrechnungen, Serverprobleme und ein Retter in der Not

22. Oktober 2007, 14:26
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Wie schon vor vier Jahren gab es gestern bei der Auszählung der Stimmen in St. Gallen Serverprobleme. Dabei kam es zu Verzögerungen in St. Gallen, Thurgau und Zürich. In Frauenfeld sprang ein Mathematiklehrer ein.

Wie schon vor vier Jahren gab es gestern bei der Auszählung der Stimmen in St. Gallen Serverprobleme. Dabei kam es zu Verzögerungen in St. Gallen, Thurgau und Zürich. In Frauenfeld sprang ein Mathematiklehrer ein.
Fast die ganze Schweiz sass gestern Nachmittag gebannt vor dem Fernseher und liess sich von den Moderatoren und Kommentatoren des Schweizer Fernsehens über die aktuellsten Hochrechnungsergebnisse informieren. Doch aus der Ostschweiz waren am frühen Nachmittag plötzlich keine Informationen mehr zu erhalten. Was war geschehen? Es war von Serverproblemen in der Verwaltungsrechenzentrum AG St. Gallen (VRSG) die Rede. Dadurch verzögerte sich die Auszählung in den Kantonen St. Gallen, Thurgau und Zürich. Diese drei Kantone zählen ihre Wahlergebnisse über das zentrale Rechenzentrum aus. "Es liegen offensichtlich noch alle Server brach", sagte Moderatorin Cornelia Boesch kurz nach 15 Uhr.
Markus Freuler von der VRSG konnte heute gegenüber inside-it.ch noch nicht sagen, welcher Fehler dazu geführt hatte, dass die Server ihren Dienst quittierten. Dies sei noch Gegenstand von Untersuchungen. "Kurz nach 12 Uhr haben wir gemerkt, dass die Systeme langsamer wurden, weil wir das Problem nicht auf Anhieb erkennen konnten, wichen wir auf unser Backup-Rechenzentrum aus", sagt Freuler. Dies hatte aber leider zur Folge, dass sich alle Beteiligten neu einloggen mussten, was wiederum zu Verzögerung geführt habe. Erst nach 14 Uhr konnten die Gemeinden wieder Daten eingeben. Freuler betont, dass keine Daten verloren gegangen seien.
Kanti-Lehrer sprang in Frauenfeld ein
Während sich die Beobachter in Zürich die Beine in den Bauch standen, wollte man im Thurgau nicht auf das Erwachen der Maschinen warten. SF-Moderator Reto Brennwald sagte mehrmals, dass dort ein Kantonsschullehrer eingesprungen sei und nun für die Hochrechnungen sorge. Ein Kantonsschullehrer? Tatsächlich: Die 'Thurgauer Zeitung' schreibt heute, dass der Lehrer Martin Gubler die Thurgauer Ergebnisse jeweils selber hochgerechnet habe. Das tat der Mathematiklehrer der Kantonsschule Frauenfeld wohl nicht zum ersten Mal. Zumindest ist ein Fall aus dem Jahr 2004 dokumentiert, als der Lehrer zusammen mit seinem Sohn Wahlergebnisse von Kantonsratswahlen hochrechnete.
Vielleicht glaubte Gubler, dass es wie schon bei den eidgenössischen Wahlen vor vier Jahren zu einem gröberen Ausfall kommen würde. Damals führten Kapazitätsprobleme dazu, dass die Endergebnisse erst nach 22 Uhr vorlagen. Gestern kam es zwar zu einem eineinhalbstündigen Ausfall, doch kurz vor 18 Uhr stand das Ergebnis fest.
Gemäss Freuler wurden die Kapazitäten nach der Panne vor vier Jahren versechsfacht. Das sei also nicht das Problem gewesen. Auch sei das kantonale Wahlen- und Abstimmungssystem "Wabsti" stabil gewesen. Der 'Tages-Anzeiger' berichtete allerdings heute, dass die Wabsti-Software, die Daten der Kantone Zürich, St. Gallen und Thurgau verarbeitet, überlastet gewesen sei. Laut Giampiero Beroggi, Chef des Statistischen Amts des Kantons Zürich, haben drei Server funktioniert, während drei den Dienst verweigerten.
Was auch immer geschehen ist, die 'Neue Luzerner Zeitung' hat es heute auf den Punkt gebracht. Sie schreibt: "Ein klarer Verlierer stand am Wahlsonntag schon früh fest: die Server." (Maurizio Minetti)

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