Wahres Gerücht, falsches Gerücht

5. September 2008, 16:07
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Und hier noch unsere Freitagabend-Nachricht

Und hier noch unsere Freitagabend-Nachricht
Es gibt Leute, die bezeichnen alle unsere Nachrichten pauschal als "Gerüchte". Das ist nicht nett, denn ein Gerücht "wurzelt in einer stark subjektiv gefärbten Wahrnehmung" oder sogar "in einer boshaften Absicht", wie es auf Wikipedia heisst. Es wird "über Klatsch und Tratsch" verbreitet - "gegebenenfalls auch in den Medien". Wääk!
"Un train peut en cacher un autre"
Deshalb, liebe LeserInnen, publizieren wir aus Prinzip keine Gerüchte. Nie! Und wenn, dann ausschliesslich solche, die zu 100 Prozent stimmen. Also gar keine Gerüchte sind.
Dabei sind wir auf Gerüchte, Behauptungen und Vermutungen angewiesen. Nicht weil wir es als unsere Aufgabe ansehen würden, solche zu verbreiten, sondern weil sie oft der Ausgangspunkt zu einer "Geschichte" sind. Denn ein Gerücht kann noch so bösartig falsch sein, dahinter steckt immer eine Story. Zumindest diejenige der Person, die das Gerücht verbreitet. Welche Interessenlage bewog die Personen, das Gerücht zu glauben? Glauben sie es selbst? Warum streuen sie es? Warum wird es überhaupt gestreut? Hat jemand Angst, ist da eine Belegschaft kollektiv sauer? Manche Leute erzählen uns übrigens Gerüchte ganz ohne Arglist, sondern weil sie selbst herausfinden wollen, was dahinter steckt. Das lesen sie dann bei uns nach.
Und oft sind Gerüchte verstümmelte aber eigentlich wahre Insider-Infos. Weil ein Fakt fehlt oder hinzugefügt wurde, werden die Informationen falsch interpretiert und können dann ganz falsche Dimensionen annehmen. So rief uns neulich ein lieber Bekannter an und erzählte uns, er habe gehört, der aufstrebende IT-Dienstleister und Abacus-Spezialist Axept werde RedIT übernehmen. Die Quelle sei gut. Wir schauten kurz nach: RedIT würde zum aktuellen Börsenkurs etwa 20 Millionen Franken kosten. Axept geht es zwar offensichtlich gut und die Firma hat einen reichen (aber nicht superreichen) Verwaltungsrat, aber grad 20 Millionen Franken? Für eine RedIT mitten in der Umstrukturierung? Die Sache schien uns sehr seltsam. Und tatsächlich: Axept übernahm (ein Team von) RedIT. Das Gerücht stimmte, es fehlten nur drei Worte.
Dito die Info, bei Cisco Schweiz sei etwas im Busch, der Chef werde demnächst gefeuert. Wieder war alles richtig, nur die Richtung stimmte nicht. Pierre-Alain Graf geht tatsächlich von Cisco weg, doch sein Weg weist nach oben, nicht unten.
Giga-Super-Mega-Jahrhundert-Deal
Genug der Theorie. Hier noch zwei schöne Gerüchte. Wie immer (bei uns), sind sie wahr.
So ist zur Zeit der grösste PC-Deal, von dem wir je gehört haben, ausgeschrieben. Der Nahrungsmittelmulti Nestlé will 150'000 PCs und Notebooks posten und lässt nun die Hersteller gegeneinander antreten. Im Spiel für den Jahrhundert-Deal sind noch drei Anbieter, nämlich HP, Dell und Lenovo. Der Zuschlag soll in den nächsten Wochen erfolgen - gewinnen HP (Dübendorf) oder Lenovo (Schlieren) werden wir die Korken wohl noch bis in den Kreis 4 knallen hören.
Schon entschieden ist hingegen ein weiterer grosser Deal, nämlich die Beschaffung von neuen PCs und Notebooks für Roche. Gewonnen hat, so haben unsere langen Ohren gehört, HP. Immerhin: Roche hat 78'000 Angestellte, so um die 50'000 Stück, die HP da liefern darf, dürften es schon sein... (Christoph Hugenschmidt)
("Un train peut en cacher un autre": Warnschild an jedem französischen Bahnübergang. Ein vorbeibrausender Zug kann einen anderen verdecken. So ist es mit Gerüchten: Eine richtige Information kann sich hinter oder in einer falschen verstecken.)

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