Wann platzt die Cloud-Blase?

24. September 2014, 13:25
  • cloud
  • strategie
  • reseller
  • canalys
  • channel
image

"Cloud will not kill the channel." Optimistische Töne am Canalys Channels Forum. Wifi, Windows-Server, Flash-Memory, 3D-Druck und sogar Drohnen sind die Business-Chancen für den europäischen Channel. Doch im Public-Cloud-Geschäft könnte sich eine Blase aufbauen.

"Cloud will not kill the channel." Optimistische Töne am Canalys Channels Forum. Wifi, Windows-Server, Flash-Memory, 3D-Druck und sogar Drohnen sind die Business-Chancen für den europäischen Channel. Doch im Public-Cloud-Geschäft könnte sich eine Blase aufbauen.
Es macht immer Spass, Canalys-Gründer und CEO Steve Brazier (Foto) zuzuhören. Das Vergnügen hatten heute Morgen die Gäste des Canalys Channels Forums in Cannes, das Brazier mit einer fulminanten Key-Note eröffnete. Der britische Channel-Spezialist blickt wesentlich optimistischer in die Zukunft des europäischen IT-Channels als noch vor einem Jahr. Europa ist wirtschaftlich wieder in besserer Form und sogar der PC-Markt hat sich erholt, so Brazier.
Über ganz Europa gesehen, wächst das Channel-Business um acht bis 10 Prozent und Brazier sieht eine ganze Reihe von Business-Chancen am Horizont. "Stop writing so many bad stories. The cloud will not kill the channel" so Brazier an die anwesende Channel-Presse aus ganz Europa gerichtet. Kunden brauchen weiterhin mehr und bessere drahtlose Netzwerke, die Abkündigung von Windows Server 2003 nächstes Jahr wird mehr Business bringen als der (nicht stattgefundene) Ersatz von XP-PCs und im Consumer-PC-Geschäft hat mit dem Ausstieg von Sony (und Samsung) eine Konsolidierung stattgefunden. Auch der Siegeszug von Flash-basierten Speichersystemen treibt die Geschäfte, so Brazier.
Zudem wollen Dell, Apple und EMC mehr Business über Distributoren machen und es gibt wieder Innovationen, die dem Channel helfen. Brazier nannte IBMs Watson, HPs "the machine" und den künftigen Übersetzungsdienst von Skype. Ab Ende Jahr wird man Sprache in Telefonkonferenzen mit Microsofts Skype live übersetzen können. HP-Chefin Meg Whitman war übrigens in ihre Rede heute sehr vorsichtig mit Aussagen zu HPs "the machine".
Gibt es eine Cloud-Blase?
Dass grosse Anbieter wie IBM, HP und Cisco unterdessen eine konsistente Cloud-Strategie erarbeitet hätten, sieht Brazier als positives Zeichen für den Channel. Die Kunden brauchten angesichts des Mixes verschiedener Informatik-Modelle die Beratung seitens des Channels, was Chancen für Consulting aber auch für Managed Services eröffne.
Doch das Geschäft der Anbieter der grossen, öffentlichen Clouds (Amazon, Google, Microsoft, ...) hat ein grundsätzliches Problem. Amazon zum Beispiel hat gemäss Brazier in den letzten vier Quartalen etwa zwei Milliarden Dollar im Cloud-Business verbrannt. Die anhaltenden Preissenkungs-Runden im Cloud-Business führten dazu, dass Amazons Kapitalkosten schneller wachsen als der Umsatz mit AWS. Wie es bei Microsoft und Google aussehe, wisse man nicht, da diese beiden Anbieter keine detaillierten Zahlen nennen. Und der SaaS-Star Salesforce hat in den letzten 13 Quartalen durchs Band Geld verloren. Brazier sagte, er halte eine Krise im Public-Cloud-Markt durchaus für möglich und fragte polemisch, ob ein untergehender Cloud-Provider als "too big to fail" gerettet werden müsste.
Alles als Service
Nicht nur Software wird mehr und mehr "als Service" abonniert statt gekauft, sondern künftig auch Drucker, PCs und Security. "IT as Service hat Einfluss auf alles," so Brazier plakativ. Die Herausforderung liege in der Finanzierung, da künftig Erträge in kleinen Portionen und monatlich anfallen. "Ihr Finanzchef wird sehr wichtig sein." Ausserdem gibt es die Herausforderung, dass Cloud-Anbieter (wie Microsoft) ihre Services direkt verkaufen. Brazier kurz und bündig: "Es ist besser, Managed Services zu verkaufen als Cloud-Dienste wiederzuverkaufen"
Drohnen, Roboter, 3D-Drucker - und Branchenspezialisierung
Grundsätzlich aber ist der Canalys-Chef optimistisch. Die IT-Welt werde zunehmend komplexer und die Herausforderungen durch mangelnde Sicherheit und neue Technologien immer grösser. Mehr Komplexität bedeute aber mehr Bedarf nach Beratung und deshalb mehr Ertrag für Channel-Player.
Brazier nannte einige Beispiele: Das Business mit 3D-Druckern gewinnt an Schwung und die Hersteller brauchen dringend Channel-Partner. Drohnen werden immer öfter nicht nur als Spielzeuge eingesetzt. Braziers Lieblingsbeispiel: Eine italienische Kleinstadt soll Drohnen zum Erfassen von Parksündern einsetzen. Brazier glaubt, dass vor allem IT-Dienstleister, die sich auf bestimmte Branchen spezialisieren und in diesen die Bedürfnisse der Kunden verstehen, von neuen Technologien profitieren werden.
Und dann ist da noch das "Internet der Dinge": Es wird nicht nur riesige Datenmengen produzieren, sondern setzt vor allem auch wesentlich performantere Netzwerke voraus. Das wiederum werde neue Geschäfte auslösen. (Christoph Hugenschmidt, Cannes)

Loading

Mehr zum Thema

image

Zürcher Datenschützerin zum Cloudeinsatz: "Der Regierungsratsbeschluss ändert gar nichts"

Bei Dominika Blonski häufen sich seit dem Frühling Anfragen von Behörden zur Cloudnutzung. Im Gespräch sagt die Datenschützerin: "Ich weiss nicht, was die Absicht der Zürcher Regierung war."

publiziert am 30.9.2022 7
image

Atos lehnt Übernahmeangebot des Konkurrenten Onepoint ab

Der kriselnde Konzern sollte für seine Cybersecurity-Sparte 4,2 Milliarden Euro erhalten. "Nicht im Interesse der Stakeholder", sagt der Verwaltungsrat.

publiziert am 30.9.2022
image

All for One legt Schweizer Töchter zusammen

Die beiden SAP-Dienstleister Process-Partner und ASC werden zu All for One Switzerland.

publiziert am 29.9.2022
image

Geopolitische Lage dämpft Erwartungen der Schweizer ICT-Branche

Der Swico-Index zur Stimmung in der ICT-Branche ist erneut rückläufig. Die Anbieter glauben aber, dass sich die Auftragslage positiv entwickelt.

publiziert am 28.9.2022