Warum das VBS einen App-Prototypen freihändig vergibt

11. März 2021, 13:02
  • schweiz
  • verwaltung
  • beschaffung
  • channel
image

Das neue BöB erlaubt unter vielen Umständen einen Freihänder. Wir wollten es in einem Fall genauer wissen.

Er hat es in sich: Artikel 21 Abs. 2 BöB im Bundesgesetz über das öffentliche Beschaffungswesen (BöB). Dieser legt fest, unter welchen Bedingungen ein Freihänder zulässig ist.
Der Artikel macht es möglich, dass die Verwaltung unter sehr vielen Umständen einen Auftrag freihändig vergeben darf, beispielsweise, weil es aus wirtschaftlichen Gründen nicht sinnvoll wäre, den Partner zu wechseln, wenn "substanzielle Mehrkosten" drohen. Oder bei einem Prototypen.
Das VBS nutzte diesen Passus für einen "Prototyp App für Angehörige der Armee" für die "Entwicklung von Transaktionsverarbeitungssoftware und kundenspezifischer Software", wie es auf Simap hiess. Der App-Prototyp soll 1,1 Millionen Franken kosten können.
Aber könnte man gerade einen Prototypen nicht im offenen, oder allenfalls selektiven Verfahren ausschreiben, um Leistungen, Know-how und Preise vergleichen zu können? Wîr fragten bei Armasuisse nach.
Was ist für Armasuisse der konkrete Vorteil des Freihänders für einen Prototypen, der eine Million kosten soll, im Vergleich zu einem offenen oder selektiven Verfahren? "Es handelt sich um eine Erweiterung eines bestehenden Systems mit neuen Funktionalitäten, deren Ursprung auf einer WTO-Ausschreibung von 2019 basiert. Der Vorteil ist somit wirtschaftlicher Natur", so eine VBS-Sprecherin auf Anfrage.
Den Zuschlag erhielt die Berner Firma Nexplore für eine Million Franken zusammen mit Lupina, welche für 100'000 Franken die Koordination der Anspruchsgruppen übernimmt.
2019 erhielten die beiden jetzigen Gewinner in einer WTO-Ausschreibung den Zuschlag für MIL Office 5, eine Lösung mit welcher die Truppe während des Dienstes diverse Verwaltungsaufgaben erledigt, wie Simap und Intelliprocure zu entnehmen ist.
Nun ist eine Million Franken für einen Prototypen einer App keine Kleinigkeit. Auf die Frage, was spezifisch die Kosten begründet, antwortet das VBS: "Die Kostentreiber sind die Komplexität und die Softwareentwicklung innerhalb der Schweiz, sowie die Authentifizierung und die aufzubauende Architektur."
Die App werde an bestehende Systeme angebunden, welche mit der Verwaltung der Angehörigen der Armeen sowie der Zwei-Faktor-Authentifizierung zu tun haben.
Nun kann man von einem Prototypen auch enttäuscht werden. Was ist der konkrete Schritt des VBS, nachdem der Prototyp entweder brauchbar oder unbrauchbar ist? "Die erarbeiteten logischen Prozesse sowie die Schnittstellen zu den Umsystemen können in jedem Fall genutzt werden. Diese machen auch zwei Drittel der entstehenden Kosten aus", so die Antwort.

Loading

Mehr zum Thema

image

Atos lehnt Übernahmeangebot des Konkurrenten Onepoint ab

Der kriselnde Konzern sollte für seine Cybersecurity-Sparte 4,2 Milliarden Euro erhalten. "Nicht im Interesse der Stakeholder", sagt der Verwaltungsrat.

publiziert am 30.9.2022
image

Softwareone erhält an einem Tag 2 Freihänder für fast 14 Millionen Franken

Der Stanser IT-Dienstleister ist bei Swissgrid Reseller für Standardsoftware und kann fürs Stadtzürcher OIZ die Lizenzen für die Microsoft-EDR-Lösung liefern. Dafür kassiert Softwareone Millionen.

publiziert am 30.9.2022
image

ALV braucht IT-Know-how für bis zu 55 Millionen Franken

In 8 Arbeitsgebieten sucht das Seco Digitalisierungs-Knowhow für die RAVs und die Arbeitslosenversicherung.

publiziert am 30.9.2022
image

Urs Truttmann wird Digitalchef der Stadt Luzern

Nachdem Truttman seit April schon interimistisch als CDO im Einsatz stand, übernimmt er die Leitung der Dienstabteilung Digital jetzt definitiv.

publiziert am 29.9.2022