Warum der "Tagi" an search.ch keine Freude haben wird

3. Oktober 2008, 18:02
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Und hier noch unsere Freitagabend-Nachricht.

Und hier noch unsere Freitagabend-Nachricht.
In einem kleinen Startup zu arbeiten ist schön. Wir tun und lassen ganz wie es uns gefällt, mögen uns gegenseitig sehr und wissen haargenau, was mit den Gewinnen passiert (die Verluste bezahlen wir eh selbst). Manchmal aber ist eine Kleinfirma auch die Hölle. Zum Beispiel wenn alle gleichzeitig ausfallen und nur noch einer übrig bleibt. Aber seien Sie nicht traurig! Denn obwohl heute 80 (achtzig) Prozent der Belegschaft, von bösartigen Viren angefallen oder von Hexen geschossen, ausgefallen sind, werden wir nächsten Donnerstag unsere bereits jetzt schon sagenumwobene 4-Jahres-Party steigen lassen.
Nichts zu feiern hatten diese Woche die Leute von search.ch, der Schweizer Suchmaschine, die vom tamedia-Konzern geschluckt wurde. Die stolze Belegschaft von RIM (Räber Information Management) hatte nämlich der Konzernleitung des Zürcher Medienriesen einen Katalog mit 10 Forderungen, die bei einer Übernahme der Suchmaschine doch bitte zu beachten seien, überreicht. Schliesslich, so das Argument der search-Leute, wissen sie, wie die Sache mit der Online-Werbung geht, während es tamedia nicht weiss. Die 10 Forderungen wurden am Mittwoch an einer Mitarbeiterversammlung von der tamedia-Konzernleitung in Bausch und Bogen abgelehnt, ja nicht einmal erwähnt.
Und auch sonst scheinen die hohen Verlagsherren den Ton nicht wirklich getroffenen zu haben, wie ein search-Mitarbeiter in seinem Blog beschreibt. Dabei hat der Autor des Beitrags sich sehr zurückgehalten, wie uns ein anderer search-Mitarbeiter erzählte.
Der Spezialist, das flüchtige Wesen
Die search.ch-Leute haben im wesentlichen ein gutes Stück Autonomie innerhalb des Medienkonzerns verlangt. Schliesslich wissen sie ziemlich genau, welche Profite ihre Firma angehäuft hat, und welche die vergleichbaren Operationen von tamedia. Autonomie? Mit "Der Shareholder sagt, was Sache ist", sollen die Vertreter der tamedia-GL das Thema abgehakt haben.
Damit aber wird tamedia den Shareholdern langfristig keine Freude machen. Denn der Erfolg von search.ch ist nicht kaufbar. Er resultiert aus den Erfahrungen der Mitarbeitenden, aus deren Beziehungen im Werbemarkt und aus einem sehr spezifischen Fachwissen in der Software-Entwicklung, das sie sich in langen Jahren erarbeitet haben.
Sind die Mitarbeitenden weg, so ist der Erfolg auch ganz schnell passé. Denn nichts ist flüchtiger als als ein Internet-User. Im Print-Markt kann man einen Abonnenten-Stamm kaufen, der über lange Jahre noch Erträge bringen wird. Im Online-Geschäft hingegen, muss ein Angebot jeden Tag gut sein. Google oder local.ch sind gleich um die Ecke.
"Wir könnten morgen schon überall anfangen", sagt unser Gewährsmann von search.ch. Und: "Nicht einer von uns will bei tamedia arbeiten". Falls es tatsächlich so kommt, wie der search.ch-Mitarbeiter sagt, dann hat tamedia 20 Millionen Franken (nicht 31, wie wir glaubten) für eine leere Hülle ausgegeben. Es wäre nicht das erste Mal. (Christoph Hugenschmidt)

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