Warum E-Government in der Schweiz nicht vorwärts kommt

15. Februar 2005, 14:25
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Offene Worte von Informatik-Stratege Jürg Römer im Newsletter der Standardisierungs-Organisation eCH

Offene Worte von Informatik-Stratege Jürg Römer im Newsletter der Standardisierungs-Organisation eCH
Im Newsletter von eCH, der Standardisierungs-Organisation von Schweizer Behörden und Firmen, finden sich einige interessante Bemerkungen von Jürg Römer. Römer ist Delegierter für Informatikstrategie des Bundes und Projektleiter des IT-Integrationsprojektes Nove-IT wie auch Präsident von eCH.
Anstatt sich auf die üblichen Erklärungen, warum E-Government in der Schweiz nicht vorankommt (Föderalismus), zurückzuziehen, übt Römer Selbstkritik. "Ein Hindernis für die rasche, durchgehende, umfassende und kostengünstige Ausbreitung elektronisch ausgetauschter Daten und elektronisch vermittelter Dienstleistungen sind fehlende Standards", schreibt er im eCH-Newsletter. Die Liste der verabschiedeten Standards simme "nicht allzu froh". Es gebe zwar positive Beispiele, doch dauerten die Arbeiten "meist länger als geplant", da die Koordination innerhalb der Behörden und den Fachgruppen "extrem aufwändig" sei.
"Wenn wir unbesehen und ohne Schwerpunkte laufend neue Standards in Angriff nehmen und begonnene Arbeiten aus Ressourcenmangel nicht abschliessen, werden wir nicht nur nicht alles, sondern im schlimmsten Falle gar nichts erreichen", so Römers Fazit. Der erfahrene IT-Stratege fleht die Behörden geradezu an, "Fachkompetenz in den Dienst der Geschwindigkeit" zu stellen. "Folgen Sie der Einsicht, dass ein mittelmässiger Standard immer noch besser ist als gar keiner", so Römers Plädoyer wider den helvetischen Perfektionismus. (Christoph Hugenschmidt)

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