Warum Hurd gehen musste

20. August 2010, 09:40
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Bei der Präsentation der Geschäftszahlen des letzten Quartals betonte HPs Interim-Chefin Cathie Lesjak, der Konzern werde auch unter einer neuen Führung an der bekannten Strategie festhalten.

Bei der Präsentation der Geschäftszahlen des letzten Quartals betonte HPs Interim-Chefin Cathie Lesjak, der Konzern werde auch unter einer neuen Führung an der bekannten Strategie festhalten. Umso mehr wundert man sich über die plötzliche und völlig unerwartete Entlassung des erfolgreichen Ex-HP-Bosses Mark Hurd vor zwei Wochen.
Das über die Vorgänge im HP-Verwaltungsrat oft gut informierte 'Wall Street Journal' hat diese Woche einige Hintergründe über den seltsamen Vorgang am kalifornischen HP-Hauptsitz enthüllt. Offenbar stolperte Hurd weniger über die konkreten Vorgänge rund um die freie Mitarbeiterin Jodie Fisher, eine gut aussehende Ex-Schauspielerin, als darüber, wie er damit umging.
Fisher, die als "Greeter" (eine Art Begrüsserin) bei HP-Veranstaltungen gearbeitet hatte, beschuldigte Hurd im Juni in einem Schreiben, er habe ihr keine weiteren Jobs mehr verschafft, weil sie nicht mit ihm ins Bett gegangen sei. Hurd bestritt den Vorwurf und Fisher selbst nahm in später zurück. Auch Hewlett-Packard liess verlauten, Hurd habe Frau Fisher nicht belästigt. Doch tauchten danach Spesenabrechnungen auf, die Hurd angeblich nicht richtig deklariert hatte.
Dies alles hätte aber - so die New Yorker Zeitung - nicht zur Entlassung des CEOs geführt. Denn der Verwaltungsrat verlor das Vertrauen in Hurd erst, als dieser sich privat mit Fisher auf eine Entschädigung einigte und damit eine firmeninterne Untersuchung der Vorfälle und ein geplantes Einigungsgespräch mit ihm, Fisher und Firmenvertretern (sowie - of course - Anwälten) unterlief. Zwei Tage nachdem sich Hurd mit Fisher auf eine Entschädigung geeinigt hatte, verlief eine Abstimmung im HP "Board" gegen den CEO, worauf er dann seien Hut nahm.
Remember Schnüffelaffäre
Eine Erklärung für die extreme Empfindlichkeit des HP-Verwaltungsrats könnte in der Vergangenheit der Firma zu finden sein. Denn vor gut vier Jahren flog nämlich auf, dass HP geheimdienstliche Schnüffelmethoden gegen eine Journalistin anwenden liess, um ein Leck in eben diesem Verwaltungsrat aufzudecken.
Der Skandal sorgte für grosses Medienecho, Hurd musste sich damals im Namen der Firma entschuldigen und die damalige Präsidentin des Verwaltungsrats musste zurücktreten. (Christoph Hugenschmidt)

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