Was Firmen beim KI-Einsatz in der Schweiz bedenken müssen

16. Dezember 2019, 15:40
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Der grosse Bericht "Künstliche Intelligenz" zuhanden des Bundesrats zeigt auch Herausforderungen für Firmen auf. Und wer sie bewältigen soll.

Der grosse Bericht "Künstliche Intelligenz" zuhanden des Bundesrats zeigt auch Herausforderungen für Firmen auf. Und wer sie bewältigen soll.
Haftung, "Überregulierung", Datenverfügbarkeit und 21 weitere Herausforderungen muss ein Unternehmen im Griff haben, will es KI sinnvoll, legal und profitabel einsetzen. Dies hat die Schweizerische Akademie der Technischen Wissenschaften (SATW) in einer Studie zuhanden des Bundes analysiert, der in einen departementsübergreifenden Bericht "Künstliche Intelligenz" für den Bundesrat eingeflossen ist. Dieser wurde soeben publiziert und gibt hilfreiche Einblicke, die in SWOT-Analysen, Standortanalysen und KI-Strategien von Firmen einfliessen können.
Verantwortlichkeit und Haftung sehen die je nach Kapitel unterschiedlichen Autoren vor allem bei autonomen Systemen als Thema. Allerdings stehe aktuell ein Unternehmen zivil- oder strafrechtlich nicht vor unbeantworteten Haftungsfragen als Investitionshindernis. "Aufgrund des aktuellen Stands der Technologie erachtet der Bundesrat die bestehenden Regelungen derzeit für genügend. Dass deren Anwendung auf Roboter Verantwortlichkeitslücken ergäben, hat sich bislang nicht gezeigt", ist im Bericht festgehalten.
Das heisst konkret: Haftbar gemacht werden kann beim KI-Einsatz stets nur eine natürliche oder juristische Person und nicht die Maschine, selbst wenn diese lernfähig sei.
Die Rechtslage sei aber nicht in Stein gemeisselt, heisst es gleichzeitig. Bei technologischen Neuentwicklungen könnte der Gesetzgeber nötigenfalls eine "Gefährdungshaftung" formulieren. Diese dürfte dem bekannten Prinzip folgen "wer von der neuen Technologie profitiert, soll auch deren Risiken übernehmen".
Monopol-Gefahr und Hochschul-Hausaufgaben im Fokus
Überhaupt sei zusätzliche Regulierung beim KI-Einsatz in der Schweiz grundsätzlich nicht notwendig. Die möglicherweise fehlende Transparenz und Nachvollziehbarkeit von automatisierten Entscheiden sind aber speziell zu beachten, sei es bei personenbezogenen Daten oder der Frage, wie ein von Algorithmen kreiertes Medikament beurteilt werden soll.
Auch falsch oder schlecht trainierte Systeme werfen Fragen auf, denn es könnten enorme Gefahren resultieren, als Beispiel werden medizinische Diagnostik oder sicherheitskritische Bereiche genannt.
Speziell beim Einsatz in Industrie und Dienstleistungen zeigt sich laut den von SATW-Autoren befragten Experten, dass neben gesellschaftlicher Akzeptanz und der Bewältigung technischer Fragen auch ganz andere Herausforderungen zu bedenken sind. Die meisten können und sollen die Firmen selbst bewältigen.
Im Fokus stehen KI-Fachleute, beziehungsweise der Mangel an solchen. Gegen den Mangel könne helfen, dass die Rahmenbedingungen für die Anstellung von in der Schweiz ausgebildeten ausländischen Fachkräften verbessert werde. Eine Motion von Nationalrat Marcel Dobler (FDP/SG) verfolge dieses Ziel.
Die SATW-Autoren halten im separaten Bericht fest, dass die befragten Experten auch interdisziplinäre Ausbildungsangebote an Hochschulen empfehlen. Ausserdem bemängeln die mehrheitlich aus dem Hochschul-Umfeld stammenden Experten den ungenügenden Zugang zu Daten im Allgemeinen und zu Medizindaten im Speziellen. Dies sei zu klären, inbesondere auch die Data-Ownership.
Diese ist nicht nur allein für Forschungszwecke relevant, sondern auch, um neue Monopole für Google oder Amazon zu verhindern. "Als konkrete Gegenmassnahmen dazu sind eine effektive Datenkontrolle durch Bürgerinnen und Bürger sowie der freie Zugang zu öffentlichen Daten zu fördern", hält der SATW-Bericht hält (PDF) fest.
Handlungsbedarf für die Wirtschaft gebe es aus der Sicht des Bundes grundsätzlich keinen, heisst es im wirtschaftsbezogenen Kapitel zuhanden des Bundesrats, aber das Seco solle das Thema aktiv beobachten. Der Grund: "Die Anwendung von KI hat das Potenzial zu erheblicher Effizienzsteigerungen in Produktion und Service und ermöglicht eine stärkere Individualisierung in Richtung massgeschneiderte Kundenlösungen." (mag)
Anmerkung: Unterschiedliche Mitglieder der SATW publizieren regelmässig Kolumnen unter dem Titel "SATW Insights" bei inside-it.ch.

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