Was geht noch, was geht nicht mehr - "Interessante Zeiten" im Schweizer IT-Markt

10. März 2009, 16:00
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Unternehmen drücken immer härter auf die IT-Ausgabenbremse, so Marktforscher Philipp Ziegler. Aber immerhin: Der Markt wächst noch (ein bisschen) und es gibt auch florierende Produktbereiche.

Unternehmen drücken immer härter auf die IT-Ausgabenbremse, so Marktforscher Philipp Ziegler. Aber immerhin: Der Markt wächst noch (ein bisschen) und es gibt auch florierende Produktbereiche.
Kennen sie den angeblichen chinesischen Fluch "Mögest Du in interessanten Zeiten leben"? Interessant sind die Zeiten in der Wirtschaft momentan zweifellos. Immerhin: Während die Schweizer Gesamtwirtschaft von einer Rezession erfasst worden ist, prognostiziert Marktforscher MSM Research für den IT-Markt hierzulande aufgrund seiner neusten Umfrageergebnisse für dieses Jahr immer noch ein (kleines) Wachstum von 0,8 Prozent auf ein Gesamtvolumen von 16,3 Milliarden Franken. Das ist allerdings deutlich weniger, als noch vor kurzem erwartet wurde: Im letzten November sagte MSM für 2009 noch 1,3 Prozent Wachstum voraus, im letzten Juni, als die IT-Welt noch in Ordnung schien, sogar 3,6 Prozent. Für 2010 glaubt MSM an ein wieder etwas anziehendes IT-Marktwachstum von 2,7 Prozent.
Und es gibt noch ein grosses "aber": Die Prognose beruht auf Umfrageresultaten, die bis Ende Januar bei MSM eintrafen. Die "Entwicklungen und Negativschlagzeilen der letzten Wochen" deuten gemäss MSM darauf hin, dass die nächsten Prognosen, die Mitte Jahr herauskommen, noch weiter nach unten angepasst werden könnten.
Nun senkt auch der Handel IT-Budgets
Der Kommentar von MSM-Chef Philipp A. Ziegler beschäftigt sich denn auch hauptsächlich mit den Auswirkunen der Krise. Diese zeige "nun deutlich negative Spuren bei den geplanten Ausrüstungsinvestitionen der Wirtschaft. Dies hat direkten Einfluss auch auf die Investitionen und Ausgaben für IT und Telekommunikationstechnologie (ICT). Zunehmend werden Projekte verschoben und laufende Verträge überprüft und allenfalls neu verhandelt. Unternehmen aus dem Bereich Financial Services und Industrie haben ihre ICT-Budgets bereits markant nach unten korrigiert, als nächste Branche dürfte auch der Handel folgen."
Da fliegt mir doch das Blech weg
Die Ausgabenbremse der Kunden trifft aber, wie immer, nicht alle ICT-Bereiche gleichmässig. Gegenwärtig halten sich "Gewinner und Verlierer" unter den verschiedenen Produktebereichen insgesamt ungefähr die Waage.
Für Software soll in der Schweiz 2009 rund 1,4 Prozent mehr ausgegeben werden, als 2008. Höhere Investitionen sind vor allem für Lösungen in den Segmenten Business Intelligence (BI), Enterprise Content Management (ECM) sowie Workflow und Security zu erwarten.
Viele der Produktebereiche, bei denen gemäss der MSM-Prognose die Umsätze am stärksten sinken werden, stammen dagegen aus dem Bereich "Blech", bzw. Hardware: Desktops (-9,3 %), Direct Attached Storage (-5,2 %), Drucker (-4%) und Server (-4%). Kleine Lichtblicke im Hardwaregeschäft sind Notebooks und Storagesysteme, insbesondere NAS-Hardware (+7%). Insgesamt sollen die Hardwareumsätze um 1,7 Prozent sinken.
Im Bereich Telekommunikation scheint sich vor allem die Ablösung von traditionellen Infrastrukturen durch IP-basierte Kommunikation weiter auszuwirken: Für traditionelle Telekommunikations-Hardware und –Software sagt MSM ein Umsatzminus von 18,4 Prozent voraus, für "Unified Communications"- und IP-Telefonieprodukte dagegen ein Plus von 13 Prozent.
Druck auch aufs traditionelle Servicegeschäft
Für das Dienstleistungsgeschäft prognostiziert Ziegler noch ein Wachstum von 1,5 Prozent. Trotzdem gibt es auch im Servicegeschäft Schwund: Unter Druck werde vor allem das standardisierte Projektgeschäft geraten, so Ziegler, das heisst Kunden dürften ihre Ausgaben für paketisierte Integrationsleistungen, Beratung, Support und Schulung senken. Mehr Geld ausgegeben werde dagegen dieses Jahr für Implementierungsleistungen für neue Lösungen sowie Outsourcing in den Bereich Anwendungen, Workplace und Security. (Hans Jörg Maron)

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