Was Internet-Sicherheit mit Autogaragen zu tun hat

11. September 2014, 11:58
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Banken, Provider, Hoster und der Bund: Schweizer Akteure wollen künftig Informationen austauschen und die Sicherheit im Internet zur Priorität erklären.

Banken, Provider, Hoster und der Bund: Schweizer Akteure wollen künftig Informationen austauschen und die Sicherheit im Internet zur Priorität erklären.
Eine neue Allianz bestehend aus Vertretern von Banken, Internet-Providern und des Bundes hat ein ambitioniertes Ziel: Die Schweiz soll malwarefrei werden. Hierfür wurde am 3. September die Swiss Internet Security Alliance (SISA) gegründet. Philipp Rütsche (Foto), Chef der Schweizer Niederlassung des deutschen Security-Dienstleisters Cyscon und SISA-Präsident, erklärte das Ziel des Vereins heute Morgen an einer Medienkonferenz in Zürich so: "Schweizer Internet-User sollen möglichst sicher bleiben. Mit Tools wollen wir die Nutzer dabei unterstützen, Bedrohungen abzuwehren." Die Idee eines solchen Vereins ist bereits einige Jahre alt, doch erst Anfang dieses Jahres kam der Impuls von den grossen Providern.
So selbstverständlich wie der Auto-Service
Eine ähnliche Allianz gab es schon einmal. Bereits Ende der Neunzigerjahre entstand der Verein InfoSurance, den es heute so nicht mehr gibt. Mit dabei waren ebenfalls Bund, Banken und Telcos. Rütsche sagt, dass der Ansatz von SISA aber ein anderer sei: "Während InfoSurance vom Bund aus getrieben wurde und vor allem Informationen vermitteln wollte, sind bei uns die Provider und die Banken die Treiber. Wir konzentrieren uns darauf, den Anwendern auch konkrete Tools in die Hand zu geben, um sicher im Internet unterwegs zu sein." Die Provider und Hoster erhoffen sich dadurch natürlich, dass sie ihren Support-Aufwand verringern können, denn jeder von Malware geplagte User belastet die Hotline. Betont wird auch, dass der Verein international vernetzt sei und mit den üblichen Akteuren im Security-Business kooperiere.
Neu ist auch, dass die verschiedenen Firmen Informationen über Bedrohungen untereinander austauschen - also auch Konkurrenten untereinander. Man stelle das Wissen, die Erfahrung und die technische Kompetenz der Mitglieder ins Zentrum. Dies soll letztlich den Internet-Usern zugutekommen. Geplant ist nicht nur, dass Betroffene die SISA-Tools nach einer Infektion anwenden, sondern sie sollen auch vorgängig sensibilisiert werden. Denkbar wären regelmässige Erinnerungen seitens der Provider, dass jetzt wieder ein Security-Check oder eine Passwortänderung nötig sei. Rütsche verglich es mit dem Auto-Service in der Garage: "Es sollte so selbstverständlich sein, regelmässig die Sicherheit der Internetgeräte zu prüfen, wie das Auto in den Service zu bringen." Der Gang in die Garage sei für alle Autofahrer ein üblicher Vorgang, für Internet-User müsse die regelmässige Überprüfung der Sicherheit genauso wichtig werden.
Gratis-Tools von G-Data und SurfRight
Kernprodukt des neuen Vereins ist der Sicherheits-Check für Endgeräte, der von Cyscon angeboten wird. Wenn der Verdacht auf eine Malware-Infektion besteht, unterstützt ein Malware-Cleaner bei der Diagnose und Beseitigung der Probleme. Es handelt sich dabei um einen sogenannten Second-Opinion-Malwarescanner, der bestehende Antivirenlösungen ergänzt. Das Produkt heisst "HitmanPro" und wird vom niederländischen Unternehmen SurfRight angeboten. Zum kostenlosen Security-Paket gehört auch eine Version der Antiviren-Software des deutschen Herstellers G-Data.
Im Fokus stehen anfänglich vor allem Windows-Geräte, weil diese immer noch am meisten bedroht sind. Künftig dürften aber auch Tools für mobile Geräte mit Android-Betriebssystem hinzukommen. Anzunehmen ist, dass Provider betroffene Kunden per Brief auf die Tools aufmerksam machen.
Die Mitglieder
Bei SISA mit dabei sind Swisscom, Sunrise, UPC Cablecom, Hostpoint, der Telekomverband Asut, Credit Suisse, UBS, PostFinance, Migros Bank, Raiffeisen, Centralway, Cyscon Schweiz, die Hochschule Luzern, Swisscard, Switch und Viseca. Die beiden Bundesstellen Melani und Kobik machen zwar auch mit, sind aber formell noch nicht Mitglied des Vereins. Die SISA ist offen für weitere Mitglieder, so laufen zurzeit Gespräche mit diversen Kantonalbanken. Aktiv-Mitglieder bezahlen einen Jahresbeitrag von 10'000 Franken, haben ein Stimmrecht und profitieren von allen Diensten. Passivmitglieder bezahlen 1'000 Franken, haben aber kein Stimmrecht. Ebenfalls möglich sind Gönnerbeiträge. (Maurizio Minetti)

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