Was ist ein "algenatives Rechenzentrum"?

9. Juli 2013, 13:05
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Ein bisschen Science Fiction: Das Rechenzentrum als symbiotisches Gebäude.

Ein bisschen Science Fiction: Das Rechenzentrum als symbiotisches Gebäude.
Korallen machen es. Symbiosen, bei denen Algen einer der Partner sind, sind in der Natur häufig. Die anderen Lebewesen geben dabei den meist einzelligen Algen einen geschützten Lebensraum, und diese geben wiederum einen Teil der von ihnen durch Photosynthese eingefangenen Energie an den Gastgeber ab. Der deutsche Rechenzentrumsbauer Prior1 hat das Prinzip nun auf Rechenzentren übertragen und ein Konzeptdesign für ein RZ entworfen, dessen Energie aus Algen stammt, die es selbst züchtet. Dies könnte laut Prior1 nicht nur in sonnenreichen Ländern funktionieren, sondern auch auch in Ländern mit gemässigtem Klima wie der Schweiz.
Prior1 ist Partner des RZ-Infrastrukturlieferanten Schneider Electric und wurde von diesem für seine Idee kürzlich mit einem Innovationspreis bedacht. Prior1 hat auch beim Deutschen Rechenzentrumspreis in der Kategorie "visionäre RZ-Architektur" den zweiten Platz belegt und war Sieger bei den Datacenter and Cloud Awards in London.
Prior1 hat sich für seine Idee den Namen "algenatives Rechenzentrum" ausgedacht. Das Konzept sieht vor, dass an den sonnenbeschienenen Aussenwänden eines RZs grosse Paneele angebracht werden. Die Paneele enthalten Flüssigkeit, in der Algen gezüchtet werden. Diese Algen ernähren sich von Sonnenlicht und CO2 und sollen ihrerseits zur Erzeugung von Methan verwendet werden. (Die uns zugänglichen Informationen lassen allerdings offen, ob sie dafür in Biogasreaktoren vergärt würden oder ob das Methan auch direkt bei der Photosynthese erzeugt werden könnte.)
Das aus den Algen stammende Methan wird als Kraftstoff für zwei Blockkraftwerke verwendet. Da die Fläche der Paneele allerdings nicht ganz ausreicht, um genügend Algen für die im Konzept vorhesehenen zwei Megawatt an Leistung zu liefern, müssten sie durch Algenzuchttanks im Keller ergänzt werden.
Um die Effizienz des Gesamtsystems zu erhöhen, sieht das Konzept zudem einige geschlossene Kreisläufe vor. So soll die Abwärme der Blockkraftwerke zur Beheizung der Algentanks dienen. Überschüssige Abwärme würde zudem vor allem im Sommer Zusatzenergie für Kühlagregate liefern. Abfallbiomasse aus den Reaktoren könnte zu Kunststoffen weiterverarbeitet werden. Zudem soll die vom RZ belegte Grundfläche einem Gemeinwesen sozusagen "zurückgegeben" werden, indem in den oberen Stockwerken "vertical Farming" betrieben wird, um Nahrung zu erzeugen.
Prior1 scheint übrigens generell produktiv zu sein, wenn es um die Entwicklung ungewöhnlicher Ideen für den RZ-Bau geht. So hat das Unternehmen auch ein Konzept für pyramidenförmige RZs entwickelt, in denen Sonnenlicht als Energiequelle und Fallwinde zur Kühlung dienen. (Hans Jörg Maron)

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