Was ist heiss in der Java-Welt 08?

5. Mai 2008, 11:34
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Trends in der Java-Szene aus der Sicht von Joachim Hagger, CTO von Netcetera und Leiter des Programmkommitees des Java-Kongresses Jazoon - und seine persönliche "Hitliste" der Jazoon.

Trends in der Java-Szene aus der Sicht von Joachim Hagger, CTO von Netcetera und Leiter des Programmkommitees des Java-Kongresses Jazoon - und seine persönliche "Hitliste" der Jazoon.
Joachim Hagger, seines Zeichens Cheftechnologe von Netcetera und Leiter des Programmkommitees des internationalen Java-Kongresses Jazoon, ist einer der profiliertesten "Java-Köpfe" in der Schweiz. Inside-it.ch unterhielt sich mit Hagger über die Themen, welche die Java-Szene heute bewegen, und seine persönliche Sicht auf diese Trends.
Inside-it.ch: Zuerst eine Frage im Voraus: Wie sehr haben sich die Eingaben für Vorträge an der Jazoon mit Ihrer persönlichen Sicht der aktuell wichtigen Themen in der Java-Welt gedeckt?
Joachim Hagger: Die Übereinstimmung der Eingaben mit meinem persönlichen Eindruck war recht gut. Aber es gilt natürlich festzuhalten, dass die 'heissen' Technologien nicht unbedingt identisch mit den Technologien sind, die aktuell für die tägliche Arbeit am wichtigsten sind. Meist handelt sich meist um Entwicklungen, die ihre Wirkung erst in den nächsten Jahren entfalten werden.
Und welche Technologien sind es nun, welche in der Java-Szene und damit auch an der Jazoon 08 am intensivsten diskutiert werden?
Eines der Hauptthemen sind sicher die "Rich Internet Applications", abgekürzt RIAs. Dies sind Internet-Applikationen, für deren Benutzerinterfaces Technologien wie AJAX, dynamisches HTML, Javascript, aber auch Java-Applets oder Adobes Flash bzw. Flex verwendet werden. Sie lassen sich schneller und 'flüssiger' als die klassischen Webclients bedienen, da unter anderem Daten dynamisch nachgeladen werden. Zudem können sie mit ähnlichen Funktionen klassische PC-Applikationen ausgestattet werden, zum Beispiel Drag & Drop mit der Maus oder Steuerung über Tastenkürzel.
Bisher hielt man RIAs vielleicht eher für eine Spielerei für trendige Websites oder die Domäne von Internetriesen wie Google und Co. Aber heutzutage werden RIAs auch für die Leute immer wichtiger, welche weniger spektakuläre Anwendungen für Unternehmen schreiben. Einerseits steigt die Kundennachfrage nach besser bedienbaren, 'schöneren' Oberflächen. Andererseits musste man bisher für manche Applikationen zwei Clients schreiben und unterhalten, einen Webclient und einen 'fetten' PC-Client, was die Kosten uned Komplikationen erhöht. Mit RIAs kann man sozusagen beide Fliegen mit einem Schlag erledigen.
Im Bereich der RIAs engagieren sich ja auch die Softwareriesen Adobe und Microsoft in letzter Zeit sehr stark.
Ja, Flash und Flex von Adobe sind beim Thema RIA natürlich wichtig, und auch Microsofts Silverlight dürfte an Bedeutung gewinnen.
Aber aus meiner persönlichen Sicht glaube ich, dass der Fortschritt im klassischen HTML-/AJAX-Bereich in letzter Zeit eher grösser war als im Flash-Bereich. Zu den verbesserten Möglichkeiten im HTML-Bereich haben zum Beispiel auch schnellere Javascript-Interpreter und Entwicklungen im Browserbereich beigetragen. Diese orientieren sich wieder stärker an Standards. Zudem hat, als Folge der heute automatisch verbreiteten Updates, auch die Variabilität der bei den Usern vorhandenen Browser- und Plugin-Versionen abgenommen. Dies erleichtert die Entwicklung von RIAs.
Andererseits ist klar festzuhalten, dass der Aufwand für die RIA-Entwicklung deutlich höher ist, als für klassischen Webclients. Man muss Entwickler speziell schulen, andere Tools und Frameworks einsetzen und Testmethoden ändern - all dies sind Themen der Jazoon 08.
SOA in der Java-Welt und dynamische Frameworks
Joachim Hagger: Ein weiteres, inzwischen nicht mehr sehr neues aber weiterhin sehr wichtiges Thema ist SOA, die serviceorientierte Architektur. SOA ist für mich, um es ein bisschen überspitzt auszudrücken, eines der wenigen Drei-Buchstaben-Kürzel, die eine tatsächliche Bedeutung im IT-Alltag haben.
Konkrete SOA-bezogene Thematiken für Java-Entwickler, die an der Jazoon diskutiert werden, sind zum Beipiel der sichere Datenaustausch zwischen Applikationen oder mit welchem Framework man am besten arbeitet.
Frameworks sind auch generell ein wichtiges Java-Thema, nicht nur im Zusammenhang mit SOA.
Ja, aber hier muss man unterscheiden. Es gibt generelle Frameworks oder Framework-Familien wie "Spring" und es gibt spezifischere Frameworks. Zu SOA wären hier Frameworks zu SOAP oder solche mit REST-Schnittstelle zu nennen. Ein aktuelles Thema im Frameworkbereich sind heute zudem Methoden, durch die Frameworks für Applikationen dynamisch per Konfiguration angebunden werden können, statt dass fix ein bestimmtes Framework benützt wird.
Ruby's Schatten oder: Die Reduktion der Komplexität in der Java-Welt
Ein grosses Thema in der Web-Entwicklerwelt allgemein ist momentan die Programmiersprache Ruby. Ist Ruby auch für die Java-Welt relevant?
Ruby sorgt sicher für viel Gesprächsstoff. Bekannt wurde Ruby eigentlich mit dem Erscheinen des Frameworks "Ruby on Rails". Ruby verspricht unter Schlagwörtern wie "Don't repeat yourself" oder "Convention over Configuration" mit der zunehmenden Komplexität in der Softwareentwicklung aufzuräumen, so dass Web-Applikationen viel schneller entwickelt werden können.
Ruby hat die Java-Welt dazu angeregt, diese Themen ebenfalls verstärkt anzugehen und die Komplexität, die durch das Hinzufügen von immer mehr Funktionalitäten in JSPs, Enterprise Java Beans (EJB) usw. entstand, wieder zu reduzieren. So fliessen auch etliche Grundideen aus Ruby in Java-Technologien wie EJB 3 oder das Spring-Framework ein. Dazu gehört unter anderem der schon genannte Grundsatz "Convention over Configuration", Er basiert auf der Idee, dass viel Entwicklungsarbeit eingespart werden könnte, wenn immer wiederkehrende Normalfälle bei Applikationen von Konventionen in der Programmiersprache abgedeckt werden. So erspart man sich die immer wiederkehrende, detaillierte Konfiguration dieser Normalfälle.
Das alles macht Ruby indirekt zum wichtigen Thema für Java-Entwickler und an der Jazoon08. (Interview: Hans Jörg Maron)
Jazoon'08: Personal Highlights von Joachim Hagger
David Nüscheler, Bertrand Delacrétaz: The Revenge of the "Weblog in 15 minutes"
Die Wiederentdeckung von einfachen Ansätzen und Standards, ohne Kompromisse bei der Architektur zu machen. Zudem: Exzellente Speaker.
Jean-Francois Poilpret: JSR-296 (Swing AppFramework) from the trenches
Überspitzt gefragt: Kann das Application Framework das Swing UI noch retten?
Adrian Buerki: Google Web Toolkit
Hier finde ich vor allem spannend, wie viel Interesse GWT generiert, da wir selber auch stark auf GWT setzen.
Joe Walker: Highly Interactive Websites: Implementing Comet
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