Was SAP mit dem Schweizer Milchpreis zu tun hat

19. November 2012, 13:00
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Emmi migriert von Oracle auf SAP. Der 'Schweizer Bauer' fragt nun, wie viele Rappen pro Kilogramm Milchpreis eine solche Einführung kosten könnte. Doch die wichtigere Frage ist, wer das SAP-System hosten wird.

Emmi migriert von Oracle auf SAP. Der 'Schweizer Bauer' fragt nun, wie viele Rappen pro Kilogramm Milchpreis eine solche Einführung kosten könnte. Doch die wichtigere Frage ist, wer das SAP-System hosten wird.
Der Schweizer Milchverarbeiter Emmi habe "grosse Informatikprobleme", titelte am vergangenen Samstag der 'Schweizer Bauer'. Im Artikel wird Informatikchef Heinz Hodel zitiert, der bereits im April dem 'Swiss IT Magazine' gesagt habe: "Die IT hat die Komplexität nicht mehr richtig beherrscht und konzentrierte sich in der Folge ausschliesslich auf den Betrieb der Infrastrukturen." In dem Interview hatte er auch gesagt, man werde in den kommenden drei bis vier Jahren mit der Implementierung von SAP ERP im Emmi-Kerngeschäft eine rigorose Reduktion des bisher vorhandenen "Zoos" von ERP- und Expertensystemen einleiten. Kurz- und mittelfristig würden die IT-Kosten steigen, damit diese langfristig sinken, so der IT-Chef.
0,5 bis 1,5 Rappen weniger
Für den 'Schweizer Bauer' ist das Thema deshalb interessant, weil bäuerliche Organisationen wie die Zentralschweizer Milchproduzenten einen Grossteil der Aktien halten. Allfällige Gewinneinbrüche wegen unvorhergesehenen Kosten könnten auf den Milchpreis wie auch auf die Dividende des bäuerlichen Aktionariats drücken, so die Befürchtung.
So hat der 'Schweizer Bauer' genau wissen wollen, wie viele Rappen pro Kilogramm Milchpreis die Bauern die SAP-Migration kostet. Emmi konnte diese Frage nicht so recht beantworten: Das SAP-Projekt koste nicht zusätzlich, "vielmehr budgetieren wir unsere IT-Kosten jährlich, respektive machen wir Rückstellungen für grössere Investitionen", so eine Sprecherin. Die IT-Kosten würden gut ein Prozent des Umsatzes betragen, fügte sie an. Das sind knapp 30 Millionen Franken. Die Milchbüchleinrechnung (der Ausdruck ist hier mehr als berechtigt) geht also so: Bei einer Milchmenge von knapp 1 Milliarde Kilo pro Jahr machen alleine die Informatikkosten 3 Rappen pro Kilo Milch aus. Wenn grob geschätzt die Einführung von SAP 5 bis 15 Millionen zusätzlich kosten sollte, was gemäss 'Schweizer Bauer' etwa der Preis sein dürfte, erhalten die Bauern also pro Kilo Milch 0,5 bis 1,5 Rappen weniger.
Wer wird das SAP hosten?
Abgesehen von den Gedankenspielen zum Milchpreis gibt es aber auch realere Probleme: Die Einführung von SAP kommt nämlich offenbar nicht vom Fleck. So ist die Frage nach dem Hostingpartner noch immer offen. Ende März hatte Swisscom mitgeteilt, dass Emmi beim Housing der Server und Storagesysteme auf Swisscom setzt. Zusätzlich hatte Swisscom IT Services das SAP-Hosting offeriert, doch Emmi habe "aus unbekannten Gründen" die Offerte abgelehnt, schreibt der 'Schweizer Bauer'. Diese Rückweise habe offenbar die Einführung von SAP verzögert.
Gemäss Informationen von inside-it.ch ist zurzeit noch offen, wer beim SAP-Hosting von Emmi zum Zug kommen wird. Emmi bestätigte, dass sich das Unternehmen noch nicht für einen Hosting-Partner entschieden habe. Man befinde sich aktuell in der Grobprojektphase, so Sibylle Umiker, Leiterin Media Relations bei Emmi Schweiz, auf Anfrage. Die nächste Stufe werde die Ausschreibung sein, die im Verlauf des ersten Halbjahres 2013 stattfinden werde.
Rolls-Royce vs. Mittelklassewagen
Wie der 'Schweizer Bauer' im Übrigen bei Emmi in Erfahrung gebracht hat, arbeitet das Unternehmen momentan nicht nur mit SAP sondern auch mit Oracles ERP-System JD Edwards: SAP, das weltweit am meisten eingesetzte ERP-System, gelte als "Rolls-Royce", während Oracle, die Nummer 2, eher eine gute und günstigere "Mittelklasse-Lösung" sei. (Maurizio Minetti)

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