Was Schweizer Privatbanken für ihre IT bezahlen

14. Mai 2013, 12:47
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Standard-Kernbankensysteme bringen im Schnitt höhere Betriebskosten mit sich als Eigenentwicklungen. IT-Leute verdienen ein Drittel weniger, als die übrigen Banker.

Standard-Kernbankensysteme bringen im Schnitt höhere Betriebskosten mit sich als Eigenentwicklungen. IT-Leute verdienen ein Drittel weniger, als die übrigen Banker.
Das Beratungsunternehmen Ernst & Young hat eine Studie zum Thema IT bei Schweizer Privatbanken durchgeführt. Die Studie hat zwar eine relativ dünne Datenbasis - untersucht wurden 24 Banken - beinhaltet aber trotzdem einige aussagekräftige Ergebnisse. Beispielsweise zeigte sich, dass die IT-Mitarbeitenden im Schnitt der untersuchten Banken 9 Prozent des Personalbestands ausmachen. Sie erhalten aber deutlich weniger Gehalt, als ihre Kollegen. Im Schnitt beträgt der Lohn der IT-Leute nur 65 Prozent des in diesen Banken bezahlten Durchschnittssalärs.
Andreas Toggwyler, Partner im Bereich IT Advisory Financial Services bei Ernst & Young Schweiz, findet dies keineswegs selbstverständlich: "Die Diskrepanz bei den Löhnen ist erstaunlich, insbesondere angesichts der wachsenden Bedeutung, welche der IT im Private Banking zukommt. Institute, die sich mit ihrer IT im Markt differenzieren wollen, sollten sich deshalb überlegen, ob die Lohnunterschiede noch gerechtfertigt sind."
Standardsoftware, Eigenentwicklungen und Best-of-Breed
Zwei Drittel der befragten Banken haben ein Standardsoftwarepaket als Kernbankensystem im Einsatz. Je 17 Prozent arbeiten mit selbst entwickelten Lösungen oder einer "Best-of-Breed"-Lösung, also mit Softwarekomponenten aus verschiedenen Quellen, die den betriebseigenen Anforderungen angepasst wurden.
Obwohl sie bei der grossen Mehrheit der Privatbanken im Einsatz steht, scheint Standardsoftware im Betrieb aber nicht etwa billiger zu sein, als Eigenentwicklungen. Im Gegenteil: Bei Banken, die selbst entwickelte Kernbankensysteme verwenden, beträgt der IT-Kostenanteil rund 11 Prozent der gesamten operativen Kosten. Bei Standardsoftware sind es dagegen 15 Prozent. Am teuersten ist in diesem Vergleich mit 19 Prozent der operativen Gesamtkosten der Betrieb von "Best-of-Breed"-Lösungen.
Die Gleichung "Eigenentwcklung = günstiger" greift allerdings aus mehreren Gründen zu kurz. So dürften beispielsweise die Einführungskosten für Eigentwicklungen meist höher sein, als für Standardsoftware - insbesondere wenn man die Kosten und Risiken einer späteren Abkehr von einer "Legacy"-Lösung mit einrechnet. Zudem scheint der Unterschied bei den Betriebskosten der verschiedenen Softwarevarianten bei kleinen Banken am Grössten zu sein. Dort reicht die Spanne von 11 Prozent (Eigenentwicklung) über 15 Prozent (Standardsopftware) bis zu 23 Prozent (Best-of-Breed) der Gesamtbetriebskosten. Bei den untersuchten Grossbanken macht die Softwarevariante dagegen kaum einen Unterschied aus. Der Anteil der IT an den Gesamtkosten liegt bei allen Varianten bei etwas über 15 Prozent.
Nicht zuletzt bedingt der Einsatz einer Eigenentwicklung auch eine grössere IT-Abteilung. "Kleinere Banken haben meist keine andere Wahl als Standardlösungen einzusetzen", meint daher Robert Rümmler, Senior Manager im Bereich Financial Services Advisory von Ernst & Young Schweiz. "Der Aufwand für eine Eigenentwicklung ist mit dem verfügbaren IT-Personal nicht zu bewältigen. Doch scheuen auch viele mittelgrosse und grosse Banken den erheblichen Initialaufwand, um eigene Lösungen zu entwickeln." Auch die Reduktion der Komplexität der IT durch Standardsoftware spiele eine Rolle: "Wer auf Eigenentwicklungen verzichtet, bindet weniger personelle Kapazitäten und kann sich auf andere Dinge konzentrieren".
Eigenbertrieb versus Outsourcing, Compliancekosten und andere Zahlen
61 Prozent der befragten Banken verwalten ihr Kernbankensystem selbst. 11 Prozent lagern ihre IT, 28 Prozent der Banken ganze Geschäftsprozesse an Drittanbieter aus. 73 Prozent der gesamten IT-Kosten werden für das Tagesgeschäft und nur 27 Prozent für Systemanpassungen beziehungsweise Weiterentwicklungen ausgegeben. Bei künftigen IT-Investitionen stehen gegenwärtig Anpassungen an regulatorische Vorgaben im Vordergrund. 96 Prozent der befragten IT-Verantwortlichen plant eine überwiegende Mehrheit des IT-Budgets für 2013 dafür einzusetzen. 87 Prozent nennen zudem die Verbesserung der Datensicherheit als weiteren Schwerpunkt. (Hans Jörg Maron)

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