WEF: Schweizer Firmen reagieren auf die Krise mit Automatisierung

23. Oktober 2020, 09:23
image

Ein Report sieht bis 2025 mehr Jobs durch Technologien entstehen, als verschwinden. Der Optimismus hat sich aber etwas eingetrübt.

Das World Economic Forum (WEF) sagt den Arbeitenden eine doppelte "Disruption" voraus: Neben der durch die Pandemie ausgelösten Rezession werde auch der technologische Wandel Arbeitsplätze kosten. Ohne "proaktive Bemühungen" würde die Ungleichheit vergrössert, so das WEF. Der im Oktober publizierte "The Future of Jobs Report" malt aber ein recht farbenfrohes Bild.
41% der vom WEF befragten Manager weltweit gaben an, dass sie ihre Angestelltenzahl aufgrund von Technologieintegration reduzieren wollten. Rund ein Drittel plant die Belegschaft zu erweitern. Dennoch sollen mehr Jobs entstehen, als wegfallen.
Bis 2025 würden rund 85 Millionen Jobs vernichtet, während 97 Millionen neue geschaffen würden, so das WEF. Das ist allerdings eine deutliche Korrektur gegenüber der WEF-Vorhersage von 2018. Damals hatten die Forschenden noch mit 133 Millionen neuen Jobs gerechnet, die die 75 Millionen verschwindenden Stellen überkompensieren sollten.

Cyber-Security gilt in der Schweiz als besonders wichtig

Die Forschenden erwarten, dass das Tempo der Einführung der Automatisierung und anderen neuen Technologien ungebremst anhält. 84% der befragten Firmenlenker wollen als Reaktion auf die Pandemie ihre Arbeitsprozesse stärker digitalisieren. Die Hälfte will die Automation vorantreiben. In der Schweiz sind die Zahlen sogar noch deutlich höher: 91% wollen digitalisieren und 72% automatisieren.
Die meistgenannten Technologien sind: Cloud, Analytics und IoT. An vierter Stelle findet sich die Cyber-Security, auf die mittlerweile über 80% der Firmen ein Augenmerk legen. Das sind 29% mehr als noch in der letzten Umfrage von 2018. Hierzulande wird dem Thema offenbar besondere Aufmerksamkeit geschenkt: 95% der Befragten aus der Schweiz wollen mehr Cyber-Security einführen.
Für den wichtigsten Bremsfaktor bei der Einführung neuer Technologien halten die Studienautoren die Qualifikationslücke, da die neuen Berufe andere Fähigkeiten benötigten als viele althergebrachte. Über 90% der befragten Manager erwarten, dass Angestellte neue Fähigkeiten erwerben müssten. 2018 hatten dies erst zwei Drittel geglaubt.
Die Schweiz schneidet hierbei aber eher gut ab und platziert sich bei der Business-relevanten Grund-Ausbildung im obersten Viertel sowie bei den digitalen Skills im obersten Drittel der Nationen. Dennoch sagten 88% der Befragten aus der Schweiz, dass Angestellte weitergebildet werden müssten. Dazu setzen sie zu über einem Drittel auf interne Ansätze, ein Viertel will Angestellte in externe Online-Trainings schicken. Es sind hierzulande 22%, die laut der Studie über ein Jahr Ausbildung benötigen, um die erforderlichen Skills zu erlangen. Deutlich über die Hälfte erreicht dieses Ziel aber in sechs Monaten oder weniger.
In der digitalen Kommunikation und der IT sind laut dem Report 17,5% der Arbeitenden davon  bedroht, ersetzt zu werden. Nicht so aber jene mit Jobs in den aufstrebenden Bereichen. Data-Analysten, KI-Spezialisten, Big-Data-Experten sind dabei weltweit zuoberst angesiedelt. In der Schweiz hat sich der Spezialist für Digitale Transformation auf Platz drei der wichtigsten Profile positioniert. Der Angestellte, der Daten eingibt sowie die Administration und Buchhaltung sind derweil am meisten gefährdet. 
Für den Future of Jobs Report 2020 wurden Manager aus Firmen mit über 100 Angestellten befragt. Studienpartner in der Schweiz war die Universität St. Gallen. Die Antworten repräsentierten 15 Industrien in 26 Ländern, die rund 80% des globalen BIP erzielten, so das WEF. Dennoch müsse man bei der Verallgemeinerungen der Befunde Vorsicht walten lassen.

Loading

Mehr zum Thema

image

Deutsche Telekom wird T-Systems nicht los

Die Verhandlungen zum Verkauf der IT-Dienstleistungssparte sind laut einem Medienbericht gescheitert.

publiziert am 22.9.2022
image

Drohnenschwarm erledigt Bauarbeiten und Reparaturen

In Zukunft sollen Drohnen wie Bienen zusammenarbeiten können, um Bauten zu errichten. Wie ihre tierischen Vorbilder würden sich die Fluggeräte die Arbeit teilen.

publiziert am 22.9.2022
image

RZ-Ausfälle kosten schnell mal mehr als 1 Million Dollar

Eine internationale Studie zeigt, dass die Betreiber auch im nachhaltigen Umgang mit Strom und Wasser noch Verbesserungs­potenzial aufweisen.

publiziert am 22.9.2022
image

Nach Angriff warnt Revolut vor Phishing-Kampagne

Bei einem Cyberangriff auf das Fintech-Unternehmen sollen sich Hacker Zugang zu zehntausenden Kundendaten verschafft haben. Revolut bestätigt den Abfluss von Daten.

publiziert am 22.9.2022