"Weiterbilden, weiterbilden, weiterbilden"

5. November 2014, 14:40
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Das Swiss ICT Symposium im Luzerner KKL, das gestern Abend und heute im Vorfeld der Verleihung des Swiss ICT Awards über die Bühne geht, bietet die Gelegenheit, über den Tellerrand (der Branche) hinauszuschauen.

Das Swiss ICT Symposium im Luzerner KKL, das gestern Abend und heute im Vorfeld der Verleihung des Swiss ICT Awards über die Bühne geht, bietet die Gelegenheit, über den Tellerrand (der Branche) hinauszuschauen. Wer hat schon die Möglichkeit, am gleichen Abend Economiesuisse-Präsident Heinz Karrer und der (wesentlich charmanteren) Walliser Sängerin Sina zuzuhören? Wussten Sie, dass Herr und Frau DurchschnittsschweizerIn 2010 noch 21 Franken pro Kopf und Jahr für Musik ausgaben, 2013 aber nur noch läppische 13.40 Franken?
Ebenfalls hörenswert war der kurze Vortrag von Netcetera-Gründer Andrej Vckovski heute Vormittag. Der erfolgreiche Software-Ingenieur beschäftigte sich für einmal nicht mit der branchenüblichen Warnung vor dem Fachkräftemangel. Sondern er fragte, ob man bis zur Pensionierung in der IT-Branche bleiben könne. Er fragte nicht nur, sondern schaute die Fakten an. So beschäftigt Netcetera in der Schweiz weniger über 50-Jährige als der Schweizer Durchschnitt. Und diese sind unterdurchschnittlich oft in den technischen Bereichen der Firma tätig. Es scheint also, dass Netcetera trotz einer bewusst diskriminierungsfreien Anstellungspolitik ältere Arbeitnehmer diskriminiert.
Interessant ist Vckovskis durchaus ketzerische Überlegung zum Thema Fachkräftemangel. Es gibt zwar Indikatoren, die heute einen klaren Mangel an InformatikerInnen belegen. Doch der Bedarf an IT-Spezialisten wird in gewissen Segmenten abnehmen: So werden bestimmte Kenntnisse, zum Beispiel veraltete Programmiermethoden, obsolet. Dann werden ganze Arbeitsfelder, zum Beispiel die Wartung von Datenbanken, wegrationalisiert. Und drittens werden Stellen wegglobalisiert - also in Länder mit tieferen Löhnen ausgelagert. So wird die Wartung von Servern immer häufiger ausgelagert. Vckovski: "Ältere Informatiker, die ihr Wissen in einem dieser Bereiche haben, haben ein Problem. Wenn eine Firma Systeme abschaltet, ist es klar, wen man gehen lässt."
Keine Silos
Vckovski versprach zu Beginn seines Vortrags, eine geheime Wunderformel zu enthüllen. Als er die Folie mit der Geheimformel projizierte, erntete er Gelächter: "Weiterbilden, weiterbilden, weiterbilden."
Die Weiterbildung von IT-Mitarbeitenden sei nicht nur für diese wichtig, sondern auch für ihre Arbeitgeber. Sie soll ausserhalb des Job-Alltags geschehen. Ausserdem müssten Arbeitgeber und ihre Mitarbeitenden dafür sorgen, dass niemand in einem einzelnen Wissen-Silo stecken bleibe. Vckovski: "Wissenssilos schaden".
Und drittens müssten sich IT-Spezialisten de-spezialisieren. Dies ist auch für Firmen vorteilhaft, denn der Bedarf nach gewissen SpezialistInnen ist je nach Projekten schwankend.
Hoffentlich haben die anwesenden Player der Schweizer IT-Branche heute Morgen im Luzerner KKL gut zugehört. (Christoph Hugenschmidt)

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