Weitere Urteile in der Comparex-Bison-Affäre

15. November 2016, 16:24
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Geldstrafen gegen vier ehemalige Kader von Comparex Schweiz.

Geldstrafen gegen vier ehemalige Kader von Comparex Schweiz. Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig.
Wie die 'Luzerner Zeitung' heute berichtet, hat das Kriminalgericht Luzern vier ehemalige Kader des untergegangenen IT-Dienstleisters Comparex Schweiz verurteilt. Sie wurden wegen ungetreuer Geschäftsführung zu Geldstrafen zwischen 48'000 und 81'200 verurteilt. Zu den Geldstrafen kommen Verfahrenskosten sowie Bussen. Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig.
Der Luzerner Strafprozess ist die juristische Aufarbeitung der Comparex-Bison-Affäre. Im April 2010 kündigte praktisch die ganze Belegschaft des Surseer IT-Dienstleisters Comparex auf einen Schlag und wechselte zur neu gegründeten Bison IT Services AG.
Man hatte den Mitarbeitenden von Comparex Schweiz nach einer denkwürdigen Versammlung am 13. April 2010 vorbereitete Kündigungsschreiben sowie eine schriftliche "Vereinbarung Anstellungsverhältnis" vorgelegt. In der Folge kündigten rund 150 Mitarbeitende der Comparex Schweiz und gingen kurz darauf zur Bison IT Services. Der Surseer IT-Dienstleister Comparex Schweiz überlebte den Massenexodus nicht.
Auslöser für den schweizweit wohl bisher einmaligen Vorgang war aus Sicht der Mitarbeitenden die Furcht vor Restrukturierungen und das verlorene Vertrauen in das Management des Konzerns.
Härtere Urteile gegen Verwaltungsrat und Geschäftsführer
In der gleichen Sache standen bereits der ehemalige Verwaltungsrat von Comparex und langjährige CEO der Bison Gruppe, Rudolf Fehlmann Auch diese Urteile sind nicht rechtskräftig, beide werden Berufung einlegen.
Man kann annehmen, dass auch die nun verurteilten Kadermitarbeiter Berufung einlegen werden.
Fenaco bezahlte fünf Millionen Franken
Das Management der damaligen Comparex-Besitzerin, PC-Ware, sprach nach dem durch die Chefabteilung inszenierten "Massenexodus" von Diebstahl und reichten Strafanzeigen wegen unlauterem Wettbewerb an.
Diese wurden allerdings zurückgezogen, nachdem der Fenaco-Konzern sich mit der österreichischen Mutterfirma von Comparex Ende März aussergerichtlich geeinigt hat. Fenaco bezahlte fünf Millionen Franken.
Dass der grosse Bauern-Konzern Fenaco bereit war, sich aus der Verantwortung für die Comparex-Bison-Affäre freizukaufen, ist erstaunlich. Denn Fenaco war zuerst nur indirekt am Surseer IT-Dienstleister beteiligt. 2002 verkaufte die Bison Group die Mehrheit seines Systemhausgeschäfts (Bison Systems) an PC-Ware. Fenaco besass damals einen Anteil von 45 Prozent an der Bison Group. Fenaco war somit nur indirekt an dem Deal beteiligt. 2010 war der Bauernkonzern dann gar nicht mehr an der neu entstandenen Bison IT Services beteiligt. (Christoph Hugenschmidt)

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