Weko ermittelt wegen Swisscom Standleitungspreisen

13. März 2005, 19:52
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Swisscom Enterprise Solutions gewährt der Migros unüblich tiefe Preise für Standleitungen. Dies hat nun andere Swisscom-Kunden und die Weko auf den Plan gerufen.

Swisscom Enterprise Solutions gewährt der Migros unüblich tiefe Preise für Standleitungen (IPSS). Dies hat nun andere Swisscom-Kunden und die Weko auf den Plan gerufen.
Die 'SonntagsZeitung' berichtet heute, dass die Wettbewerbskommission (Weko) gegen Swisscom eine Untersuchung eingeleitet habe. Es geht um einen Rahmenvertrag zwischen Swisscom Enterprise Solutions und dem Migros-Genossenschafts-Bund bezüglich der Standleitungen ("LAN-Interconnect Service over IPSS"). Swisscom Enterprise Solution gewährt der Migros in diesem Vertrag unüblich tiefe Preise. Man spricht von um den Faktor 10 bis 20 tieferen Preisen, als diejenigen, die andere Grosskunden, beispielsweise Wiederverkäufer zu bezahlen haben.
Der stellvertretende Bakom-Chef, Peter Fischer, sagt in der 'SonntagsZeitung' der Swisscom-Migros-Vertrag sei eindeutig ein Fall für die Weko. Es sei aufgrund von Bundesgerichtsentscheiden "nicht möglich, ein kostenorientiertes Grosskunden-Angebot für Mietleitungen durchzusetzen", so Fischer.
Grosskunden verlangen Neuverhandlung der Standleitungspreise
Wie die Zürcher IT-Zeitung 'Computerworld' berichtete, sind nun andere Grosskunden bei Swisscom Enterprise Solutions vorstellig geworden und verlangen eine Neuverhandlung auch ihrer Standleitungspreise. Unter diesen sollen sich gemäss 'Computerworld' die Credit Suisse, Telekurs und pikanterweise auch Swisscom IT Services befinden.
Swisscom und Migros auf der Jagd nach dem "Verräter"
Der Vertrag zwischen Swisscom Enterprise Service und Migros ist als PDF-File auf dem Web für jedermann einsehbar und über Google leicht zu finden. Nun scheint bei Swisscom und Migros eine hektische Suche nach dem Übeltäter, der den geheimen Vertrag ins Netz gestellt hat, eingesetzt zu haben. Die Migros hat gemäss Berichten von 'Sonntagszeitung' und 'Computerworld' sogar ihre Provider angefragt, Daten über den Mailverkehr von Angestellten auszuliefern. Was diese aus rechtlichen Gründen (hoffentlich alle) ablehnten. (Christoph Hugenschmidt)
Kurzkommentar
Am Donnerstag veröffentlichte Swisscom die Zahlen zum Geschäftsjahr 2004. Bei einem Umsatz von 10 Milliarden Franken sollen 2,9 Milliarden an die Aktionäre (Mehrheitsbesitzer ist der Bund) verteilt werden.
Die Gewinne der Swisscom, die zu einem gewissen Teil auch aus dem Geschäft mit Standleitungen stammen, können angesichts dieser Zahlen nur als versteckte Steuer betrachtet werden.
Der nun veröffentlichte Vertrag zwischen Swisscom und dem Migros-Bund dürfte den Druck, diese Steuern abzuschaffen, wesentlich erhöhen. (hc)

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