Weko will Millionenbusse für Swisscom

23. Juli 2015, 15:13
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Der Swisscom droht eine Riesenbusse der Wettbewerbskommission (Weko), weil der Konzern ein Foul an seinen Konkurrenten bei der Übertragung von Live-Fussball- und -Eishockeyspielen im Bezahl-TV begangen haben soll.

Der Swisscom droht eine Riesenbusse der Wettbewerbskommission (Weko), weil der Konzern ein Foul an seinen Konkurrenten bei der Übertragung von Live-Fussball- und -Eishockeyspielen im Bezahl-TV begangen haben soll. Insgesamt soll der "blaue Riese" 143 Millionen Franken berappen. Diese Strafzahlung beantragt das Weko-Sekretariat.
Swisscom sei mit ihrer Tochter Teleclub marktbeherrschend bei der Übertragung von Schweizer Fussball- und Eishockeyspielen. Deshalb müsse der Konzern allen TV-Plattformen in der Schweiz ein gleichwertiges Teleclub-Sportangebot zu nicht diskriminierenden Bedingungen anbieten. Dies tut die Swisscom heute nicht. Konkurrenten wie Cablecom oder Sunrise schauen in die Röhre. So sind auf ihren Netzen zum Beispiel nur wenige Eishockeyspiele live zu sehen und dies erst noch zu höheren Preisen als für die Kunden von Swisscom-TV, das sämtliche Spiele überträgt. Deshalb hatten Kabelnetzbetreiber bei der Weko geklagt.
Die Swisscom weist die Vorwürfe zurück. Sie sei überzeugt, sich rechtmässig verhalten zu haben, und halte die Sanktion für ungerechtfertigt, schreib der grösste Schweizer Telekomkonzern in einem Communiqué. Swisscom hält seit 2012 über ihre Tochter Cinetrade die Übertraguns- und Vermarktungsrechte an der obersten Eishockey- und den beiden höchsten Fussball-Ligen. Die Verträge laufen noch bis 2017. Diese hohen Investitionen - die Fussball-Rechte kosteten 140 Millionen Franken - würden ein erweitertes Sportangebot bei der Verbreitung über Swisscom-TV rechtfertigen. "Nur dadurch können die Investitionen genügend geschützt werden", schrieb die Swisscom.
Beim jetzigen Schritt des Weko-Sekretariats handelt es sich erst um einen Verfügungsentwurf. Zu diesem muss die Swisscom Stellung nehmen. Dafür hat sie bis Mitte September Zeit. Danach wird die Weko Verfügung erarbeiten. Erst diese kann angefochten werden. Es sei noch zu früh zu sagen, ob die Swisscom das tue, teilt das Unternehmen mit.
Freude bei Cablecom und Sunrise
Cablecom begrüsste das Weko-Verdikt: "Nachdem Swisscom nunmehr bereits seit Jahren ihre Monopolstellung zum gravierenden Nachteil des Wettbewerbs ausnutzt, bleibt zu hoffen, dass das Verfahren nicht noch über viele Jahre vor den Gerichten fortgesetzt wird", schrieb der Kabelnetzbetreiber in einem Communiqué. Auch Sunrise zeigt sich zufrieden: "Sunrise erwartet, dass Swisscom ihr Verhalten nun ändern und uns die entsprechenden Angebote für die Übertragung von Sportveranstaltungen unterbreiten wird." (sda/mik)

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