Weltgrösster Elektronikfertiger zieht ins chinesische Hinterland

20. September 2010, 11:24
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In den USA plant der weltgrösste Elektronikauftragsfertiger Foxconn Electronics (Hon Hai Precision Industry), Produktionspartner von Apple, Nokia, Dell, Sony und HP, vollautomatische Werke ohne Fabrikarbeiter.

In den USA plant der weltgrösste Elektronikauftragsfertiger Foxconn Electronics (Hon Hai Precision Industry), Produktionspartner von Apple, Nokia, Dell, Sony und HP, vollautomatische Werke ohne Fabrikarbeiter. Das wird die mehr als 920'000 Beschäftigten des global grössten Arbeitgebers, die meisten davon in China, wenig trösten. Zwölf chinesische Mitarbeiter haben sich allein dieses Jahr schon das Leben genommen. Nach dem elften Fall hat das Unternehmen aus Taiwan im Juni 2010 unter anderem Gehaltserhöhungen angekündigt.
Die Arbeitnehmer in Wuhan können dem Vernehmen nach mit mindestens 400 Yuan Renminbi (59,44 Dollar) mehr rechnen, womit sie dann voraussichtlich zwischen 2'200 und 2'800 Yuan (326,62-415,70 Dollar) im Monat verdienen werden. Möglich gemacht werden die Lohnerhöhungen offenbar auch durch gute Geschäftszahlen. Im August hat das Unternehmen weltweit 214,81 Milliarden NT Dollar, umgerechnet 6,77 Milliarden US-Dollar, umgesetzt, ein Plus von 98,4 Prozent gegenüber August des Vorjahres. In den ersten acht Monaten des Jahres kam Foxconn auf einen Umsatz von umgerechnet 42,31 Milliarden US-Dollar, 61,77 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.
Die Millionenstadt Wuhan am Yangtse (Chang Jiang), etwas weiter weg vom Speckgürtel am Pazifik, wird für Foxconn immer wichtiger. Gerade erst ist bekannt geworden, dass das Unternehmen die Desktop-Produktion von Shenzhen nahe Hongkong dorthin verlegt. Allein im ersten Halbjahr soll Foxconn in Wuhan 9'244 Milliarden Computerzubehörteile und 880'000 komplette Computer produziert haben. In einem Interview mit dem 'Wall Street Journal' hat Hon-Hai-Chairman Terry Gou (Guo Tai-Ming, 60) angekündigt, Milliarden von US-Dollar im chinesischen Hinterland investieren zu wollen. Wie Gou andeutete, wolle Hon Hai alias Foxconn auch wegkommen von der Rolle einer "Danwei" (staatlichen Kommune) mit der Verpflichtung, Arbeiterwohnheime zu betreiben und für alle Sozialleistungen aufzukommen, vielmehr wolle man dies den lokalen Behörden überlassen.
"Business ist Business. Fabriken sind Fabriken. Wir zahlen Steuern. Die Regierung löst die Probleme für mich", wird Gou in dem 'WSJ'-Interview zitiert. Dabei sieht er sich durchaus sozial denkend. Die Selbstmordfälle in den Foxconn-Industrieparks hätten ihn tief bewegt und in den letzten vier Monaten rund um die Uhr beschäftigt. (Klaus Hauptfleisch)

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