"Weltneuheit": Post lanciert einfach zu handhabende digitale Zertifikate

30. April 2009, 13:46
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Die Post versucht in einem zweiten Anlauf, den Gebrauch von rechtsgültigen, digitalen Zertifkaten zu popularisieren. Zertifikat und Apps auf einem USB-Stick.

Die Post versucht in einem zweiten Anlauf, den Gebrauch von rechtsgültigen, digitalen Zertifkaten zu popularisieren. Zertifikat und Apps auf einem USB-Stick.
Der erste Anlauf der Post im April 2007, digitale Zertifikate breit zu lancieren, war ein Flop. Die Ausstellung der gesetzeskonformen "digitalen Identitäten" scheint zwar funktioniert zu haben, doch war die Installation der benötigten Software viel zu kompliziert. Es habe vor zwei Jahren eine ganze Woche gebraucht, bis er seine erste digitale Unterschrift leisten konnte, sagte SwissSign-Chef Adrian Humbel heute an einer Medienveranstaltung. Das damalige Ziel der Post, noch 2007 "mehrere Tausend" digitale Zertifikate auszustellen, wurde weit verfehlt.
USB-Stick mit Zertifikat und Applikationen
Nun unternimmt die Post einen zweiten Anlauf. Ab heute kann man den "SwissStick PostZertifikat Edition" online bestellen. Auf dem USB-Stick gibt es einerseits einen Slot, in den man einen Chip im SIM-Kartenformat, auf dem das digitale Zertifikat gespeichert ist, einschieben kann. Zudem enthält der USB-Stick eine "gehärtete" Version des Firefox-Browsers und Software, mit der man Dokumente signieren (rechtsgültig unterschreiben) und als PDF speichern kann. Ebenfalls auf dem Stick findet sich ein IncaMail-Client, mit dem E-Mails sowohl verschlüsselt wie auch rechtsgültig eingeschrieben versenden kann.
Entscheidend ist, dass die Programme - weitere können von Partnern dazugefügt werden - ab dem USB-Stick gestartet werden und der Vorgang keinerlei Spuren auf einem PC oder Mac hinterlässt. Damit kann man die digitale Signatur wie auch die E-Mail-Funktionen der Post von einem beliebigen, auch einem unsicheren, PC aus benützen. Um ein Dokument rechtsgültig zu unterschreiben, braucht es eine Internet-Verbindung, da die Gültigkeit des Zertifikats sowie ein Zeitstempel abgeholt werden müssen.
Nicht ganz billig - aber viel billiger als die Konkurrenz
Der USB-Stick kostet 199 Franken für ein Jahr und 249 Franken für zwei Jahre. Während der Benützer selbst den Inhalt des Flash-Speichers nicht verändern kann, ist die Post für den regelmässigen Update der enthaltenen Software besorgt. Was der Softwareunterhalt nach Ablauf der zwei Jahre kosten wird, ist noch nicht festgelegt.
Dazu kommen die Kosten für das digitale Zertifikat der Post, das in der einfachsten Version (für Einzelpersonen) im ersten Jahr 99 Franken kostet, sowie der Preis für den Versand von "eingeschriebenen" E-Mails (ab 75 Rappen pro Mail).
Gemäss Humbel, der den "SwissStick PostZertifikat Edition" heute Morgen im Zürcher Technopark vorstellte, kostet alleine schon vergleichbare Software, zum Beispiel Adobes Acrobat Professionell, mit der man ebenfalls Dokumente digital signieren kann, wesentlich mehr. Zudem kennt er (wir auch nicht) weltweit keine ähnliche Lösung, wo die nötige Software zusammen mit dem digitalen Zertifikat auf einen USB-Stick gepackt ist und auch ab dort gestartet wird.
Wer braucht's?
Noch ist nicht zu erwarten, dass sich die "digitale Identität" der Post in der Schweiz rasch in der Bevölkerung durchsetzen wird. Doch es gibt bestimmte Berufsgruppen, zum Beispiel Anwälte, die leicht zu benützende rechtsgültige digitale Zertifikate bereits heute im Arbeitsalltag einsetzen können.
Der interessanteste Markt für die Zertifikats-, Signatur- und E-Mail-Lösung der Post sind aber Dritthersteller wie Abacus. Der St. Galler Business-Software-Hersteller setzt den 'SwissStick' als "Abacus Edition" für die sichere Authentifikation der Benützer seiner Online-Lösung "AbaWeb" ein. Zudem eröffnen sich den Anwendern von Finanzsoftware mit dem konsequenten Einsatz von rechtsgültiger elektronischer Archivierung gewaltige Einsparpotentiale.
Ein riesiges Potential hat schliesslich die Verknüpfung von digitalen Zertifikaten mit E-Banking-Lösungen. So plant die Posttochter SwissSign eine Anwendung für das Login beim E-Banking von Postfinance. Für die massenhafte Verbreitung wäre die Lösung aber (noch?) zu teuer, wie Humbel sagte. Zu guter Letzt könnten die Zertifikate auch für Online-Transaktionen mit Behörden genützt werden. (Christoph Hugenschmidt)

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