Weltneuheit: Swisscom bringt LAN "als Service"

6. September 2012, 14:31
image

Ab November 2012 sollen Unternehmen ihr gesamtes Netzwerk bis zum Anschluss eines Endgerätes gemanagt aus einer Hand beziehen können.

Ab November 2012 sollen Unternehmen ihr gesamtes Netzwerk bis zum Anschluss eines Endgerätes gemanagt aus einer Hand beziehen können.
Wenn es nach Swisscom geht, werden Unternehmen künftig auch ihre internen Netze (LAN) nicht mehr selber unterhalten. Als Ersatz sollen hierfür künftig – dem Cloud-Gedanken folgend - gemanagte Services im Pay-for-use-Modell zum Einsatz kommen. Ab November soll ein Angebot namens "LAN Management flex" je nach SLA zu Preisen zwischen sechs und knapp neun Franken pro Port und Monat betriebsbereit sein und ab Januar 2013 von den ersten Kunden genutzt werden. Sie sollen sich künftig nicht mehr um Switches, Firewall und Router kümmern müssen - das übernehmen dann die Profis von Swisscom. Lediglich die Verkabelung in den Unternehmen habe mindestens auf der Basis von Cat.5 zur Verfügung zu stehen, wie Erich Gebhardt, Leiter der Produktentwicklung der Swisscom-Grosskundensparte, erklärte.
Beim neuen Bezugsmodell rechnet der Kunde nur die real in einem Monat genutzten Ports ab. Werden Endgeräte während einer längeren Abwesenheit nicht genutzt, fallen auch keine Gebühren an. Allerdings reicht es, einen Port nur einmal in einem Monat kurz zu nutzen, um bezahlen zu müssen. Ansonsten werden je nach SLA für Ausfallzeiten von maximal acht Stunden pro Monat sechs Franken pro Port fällig. Der Preis differiert dann, wenn die Verfügbarkeit höher ausfallen soll. So ist bei maximal einer Down-Stunde pro Monat ein bis zu 40 Prozent höherer Preis pro Port fällig. Swisscom geht davon aus, dass pro Mitarbeiter durchschnittlich drei Ports verwendet werden (zum Beispiel Telefon, PC und Drucker), aber der Service ist nicht an eine bestimmte Firmengrösse gebunden. Um "LAN Management flex" einzusetzen, erhält man die nötigen HP-Switches kostenlos von der Swisscom, was den Unternehmen eigene Investitionen erspart.
Weltneuheit
Am Pressegespräch während dem heute zum fünften Mal durchgeführten Kundenanlass "Swisscom dialogue Arena" im Zürcher Hallenstadion strich Urs Schaeppi, Chef des Grosskundenbereichs bei der Swisscom, heraus, dass damit eine Weltneuheit lanciert werde. Zur Realisierung hat Swisscom HP als Switch-Lieferanten ins Boot geholt. HP-intern wird davon gesprochen, dass die Entscheidung für diese Zusammenarbeit auf höchster Ebene in Palo Alto gefällt wurde. Dass es sich für HP um ein Prestigeprojekt handle, betonte im Hallenstadion denn auch Nick Watson, Vice President HP Networking EMEA: "Wir sehen Swisscom hier weltweit als Innovationstreiber", lobte er die nun weiter ausgebaute Zusammenarbeit mit dem Schweizer Ex-Monopolisten.
Zu reden gab in diesem Projekt offensichtlich bei HP und Swisscom die Preisgestaltung. Insbesondere HP dürfte sich überlegt haben, ob man noch Geld verdienen kann, wenn beispielsweise in einem Unternehmen nur wenige Ports eines Switches genutzt werden. Hier dürfte auch der Grund liegen, warum die HP-Führung mitreden wollte. Urs Schaeppi führte jedenfalls aus, dass es schwierig gewesen sei, einen "kompetitiven" Preis zu ermitteln. In einer Musterrechnung skizziert er ein Einsatz-Szenarium mit 250 Mitarbeitern, was 750 Ports entspricht, und pro Monat mit 7500 Franken zu Buche schlägt.
Was kostet ein Netzwerk?
Ob das Angebot angenommen wird, muss sich erst noch zeigen. Denn, so Schaeppi weiter, vielfach fehle eine Vollkostenrechnung für das Netzwerk in den Unternehmen. Das mache dem Verkauf die Argumentation schwierig, weshalb man für "LAN Management flex" auch ein Consulting-Angebot mit Beratern und entsprechenden Tools zur Verfügung stellen werde.
Gleichgeblieben ist unterdessen das seit Jahren bekannte Credo von Schaeppi, der ICT-Bezug der Zukunft werde sich grundlegenden von dem unterscheiden, was derzeit Alltag sei. "Verglichen mit der Autoindustrie befindet sich die ICT-Branche noch in den 1940er Jahren", charakterisierte er diesmal die aktuelle Situation. Die Zukunft gehöre Plattformen, über die dann Unternehmen jede Art von Applikation abrufen können, stellte er klar. Hierfür sei das Netzwerk zentral und deshalb sei "LAN Management flex" keineswegs nur irgendein weiterer Service.
Dass Swisscom sich mit diesem Dienst, der gleichsam die Verlängerung des ohnehin national von Swisscom beherrschten WAN bis an den Arbeitsplatz darstellt, ein neues Monopol schafft, mochte Schaeppi nicht gelten lassen. Trotz der derzeitigen Pionierrolle und obwohl Swisscom als Vollservice-Provider auftritt, spiele der Markt auch unter den Netzwerkanbietern, betonte er, und die Wettbewerbskommission werde keinen Anlass haben, einzuschreiten. (Volker Richert)

Loading

Mehr zum Thema

image

Zürcher Datenschützerin zum Cloudeinsatz: "Der Regierungsratsbeschluss ändert gar nichts"

Bei Dominika Blonski häufen sich seit dem Frühling Anfragen von Behörden zur Cloudnutzung. Im Gespräch sagt die Datenschützerin: "Ich weiss nicht, was die Absicht der Zürcher Regierung war."

publiziert am 30.9.2022 7
image

Geopolitische Lage dämpft Erwartungen der Schweizer ICT-Branche

Der Swico-Index zur Stimmung in der ICT-Branche ist erneut rückläufig. Die Anbieter glauben aber, dass sich die Auftragslage positiv entwickelt.

publiziert am 28.9.2022
image

Edöb: "Vertrauen Behörden nur auf private Gutachten, können sie sich eine blutige Nase holen"

Der Eidgenössische Datenschützer kritisiert Anwaltskanzleien, die Behörden beim Einsatz von US-Cloud-Diensten Sicherheit versprechen. Im Interview schildert Adrian Lobsiger seine Sicht.

publiziert am 28.9.2022 3
image

Public Cloud: Der Bund hat Verträge mit Hyperscalern unterzeichnet

Da noch ein Gerichtsverfahren hängig ist, können die Ämter noch keine Cloud Services im Rahmen der 110 Millionen Franken schweren WTO-Beschaffung beziehen.

publiziert am 27.9.2022 1