Wenig Neues an der Disti-Front

10. Februar 2010, 14:52
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Microsoft verspricht mehr Chancen, HP mehr Marketing-Push, Acer Wachstum in ungesättigten Märkten und Lenovo mehr Marge. Hersteller umwerben ihre Distributoren in Monte Carlo.

Microsoft verspricht mehr Chancen, HP mehr Marketing-Push, Acer Wachstum in ungesättigten Märkten und Lenovo mehr Marge. Hersteller umwerben ihre Distributoren in Monte Carlo.
Manager von 325 Distributoren aus 65 (!) Ländern versammeln sich in diesen Tagen in einem Luxushotel in Monte Carlos und lassen sich anlässlich der Distree XXL 2010 von den Herstellern umwerben. Die über 129 Anbieter (kennen Sie den chinesichen PC-Hersteller Hedy, dessen Name für "Happy Every Day" steht?) essen allerdings ein hartes Brot, denn das strahlende Wetter und der berühmte Yachthafen von Monte Carlo dürfte so manchen Distributions-Manager aus Polen, der Ukraine oder Russland nach draussen ziehen.
In einer originellen Veranstaltung gestern Abend wurde den mehr oder weniger unbekannten Herstellern, die meisten aus Asien, die Gelegenheit gegeben, ihre revolutionären Produkte während je gerade Mal 60 Sekunden dem Publikum vorzustellen, das dann über über den Innovationsgrad abstimmte. Die Versuche, das vorwiegend männliche Publikum mit kurzberockten Präsentatorinnen zu verwirren, scheiterten. Es gewann ein Anbieter, der ein ultraflaches HDMI-Kabel entwickelt hat, das man übermalen oder mit Tapete überkleben kann. Zweiter wurde einer der wenigen europäischen Hersteller, der sich auf die Bühne wagte. Er stellte eine Art Yoyo vor, mit dem man jegliche mobile Geräte im Notfall mit Strom versorgen kann. Ebenfalls imponiert hat uns jener Hersteller, der eine rollbare Notstrom-Versorgung für den gepflegten multimedialen Haushalt in Ländern mit wackliger Stromversorgung auf die Bühne schleppte.
Die schönen Worte der Grossen
Während der gestrige Gadget-Hersteller-Shootout eher zur Kategorie Unterhaltung gezählt werden kann, traten heute morgen die trockenen Marktforscher und die Disti-Manager der grossen Anbieter auf den Plan. Fazit des Vortrags von IDC-Frau Eszter Morvay: Im vierten Quartal 2009 hat sich der PC-Markt im EMEA-Raum bereits recht gut erholt, in der ersten Hälfte 2010 wird der Markt für Consumer-PCs wachsen, während KMU und Grossfirmen die Kaufblockade erst in der zweiten Häflte des Jahres aufheben werden.
Wie wichtig die "emerging markets" in Osteuropa, Afrika und dem Mittleren Osten sind, zeigt sich daran, dass Microsoft Dana Manciagli, die weltweit für die OEM-Distribution zuständig ist, einflog. Sie und ihr Kollege Wolfgang Ebermann sagte voraus, dass Windows 7, Virtualisierung mit Hyper-V, Office 2010 und der Launch von Exchange 2010 dem Channel und damit der Distribution in EMEA die Chance auf Zusatzumsätze von mindestens 1 Milliarde Dollar eröffnen würden.
Auch Antoine Barre, der bei HP für den PC-Channel im EMEA-Raum verantwortlich ist, hatte wenig revolutionäres zu berichten. Immerhin dies: Hewlett-Packard wird gemäss Barre dieses Jahr massiv mehr Geld in Werbung sowohl für das Consumer- wie für das Business-Segment in die Hand nehmen. Zwei Drittel der HP-Umsätze in EMEA gehen über die Distribution.
Schliesslich erzählte Semmy Levit, EMEA Disti-Chef von Acer, dass seine Firma im Jahr 2014 weltweit die Nummer 1 werden wolle. Acer wird sich, so Levit, weiterhin auf den KMU- und Heimanwender-Markt konzentrieren und keine Anstalten unternehmen, bei Grossfirmen Fuss zu fassen. Während sich Acer und HP zum Thema "Marge" auf der Bühne ausschwiegen, versprach Lenovo-Vertreter Vincent Fauquenot der Distribution mehr Gewinn: "Wir werden viel mehr Geld in den Channel pumpen". Und dieses Geld, so Fauquenot, erst noch schneller auszahlen.
Die Telcos kommen,
Nichts neues an der Disti-Front also? Nicht ganz neu aber doch interessant scheint uns die Erkenntnis, dass Telcos in ganz Europa eine immer grössere Rolle im PC-Handel spielen. Und zwar geht es um Angebote, bei denen die Telefonieanbieter Notebooks oder Netbooks zusammen mit Datenabos verkaufen und über ihre eigenen Kanäle vertreiben.
Die Telcos hätten sich letztes Jahr ein blutige Nase, respektive übervolle Läger, geholt, da sie das Consumerverhalten noch nicht kannten, so IDC-Frau Morvay. Nun aber hätten sie dazugelernt und würden die Distribution vermehrt einspannen. Die gute Nachricht für VARs: Telcos würden mit ihren Angeboten vor allem Retailer und E-Tailer konkurrenzieren.
Frau Morvay hatte noch eine gute Nachricht für den (Distributions-)Channel: Das Aufkommen von "neuen" Anbietern wie Asus und MSI im PC-Markt werde die Abhängigkeit von den zwei Dominatoren, HP und Acer, verringern und damit den Margenzerfall verlangsamen. (Christoph Hugenschmidt, Monte Carlo)
(Foto: Wolfiewolf)

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