Weniger Outsourcing-Grossaufträge in der Schweiz

17. Oktober 2006 um 13:31
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Noch 13 Grossdeals für 636 Millionen Franken in den letzten 12 Monaten: Schrumpft der Schweizer Markt für grössere IT-Outsourcing-Deals? Zweifel sind angebracht.

Noch 13 Grossdeals für 636 Millionen Franken in den letzten 12 Monaten: Schrumpft der Schweizer Markt für grössere IT-Outsourcing-Deals? Zweifel sind angebracht.
Das Zürcher Beratungsunternehmen Active Sourcing führt seit dem letzten Juli eine Statistik aller IT-Outsourcing-Veträge in der Schweiz, die ein Vertragsvolumen von mehr als 10 Millionen Franken über die gesamte Laufzeit. Wie Active Sourcing nun berichtet, sind in den 12 Monaten zwischen Oktober 2005 und September dieses Jahres 13 IT-Outsourcing-Veträge dieser Grössenordnung mit einem Gesamtvolumen von 636 Millionen Franken abgeschlossen worden.
Im dritten Quartal dieses Jahres wurden sechs neue Verträge abgeschlossen, die höchste Zahl seit dem dritten Quartal des letzten Jahres. Ihr Gesamtvolumen lag aber mit 182 Millionen Franken deutlich tiefer als im zweiten Quartal (Vier Deals, 368 Millionen Franken) und noch viel weiter unter den 667 Millionen Franken, die in den neuen Abschlüssen des gleichen Quartals im letzten Jahr zusammenkamen. Und noch eine Zahl: In den 12 Monaten von Juli 2005 bis Juni 2006 wurden 14 Deals für insgesamt 1,13 Milliarden Franken ausgehandelt.
Keine neuen Megadeals in Sicht
Ist der Schweizer IT-Outsourcing-Markt also rückläufig, und der Markt von kleineren Deals geprägt, wie Active Sourcing in einer kurzen Zusammenfassung der Ergebnisse schreibt? Die geringe Zahl der Grossdeals in der Schweiz und die riesige Spannweite ihrer Auftragsvolumen führt naturgemäss zu sehr hohen Schwankungen von Quartal zu Quartal, sowohl bei der Anzahl als auch beim Gesamtvolumen der abgeschlossenen Verträge (siehe Grafik). "Megadeals" (für Schweizer Verhältnisse) wie der 300-Millionen Auftrag von Winterthur an IBM (273 Millionen Franken verteilt auf drei Einzelaufträge) oder der 200 Millionen Euro-Deal zwischen Novartis und Getronics, ebenfalls aus dem letzten September, fallen dabei sehr stark ins Gewicht.
Insgesamt macht es dies unserer Ansicht nach sehr schwierig, gestützt auf die Active Sourcing-Statistik eine Trendaussage zu machen, da mögliche Trends von den Schwankungen verdeckt werden. Wie Active Sourcing-Sprecher Cyrill Hauser auf unsere Anfrage hin auch einräumte, ist der Satz "IT-Outsourcing-Markt ist rückläufig" etwas missverständlich. Die Aussage, so Hauser, sei als "reine Vergangenheitsbetrachtung" und nicht als Prognose gemeint. Ein zukünftiger Megadeal könnte die Quartalsbilanz wieder ganz anders aussehen lassen. Allerdings, so Hauser, sei seines Wissens nach für die nächsten Monate kein solcher Megadeal in Sicht.
Keine Grossaufträge aus der Industrie
Einer der auffallenden Befunde von Active Sourcing ist, dass in den letzten 12 Monaten keiner der Outsourcing-Aufträge mit über 10 Millionen Franken Volumen aus der Industrie kam. Die klar vorherrschende Branche ist die Finanzindustrie, deren Outsourcing-Aufträge 84 Prozent des Gesamtvolumens ausmachten.
Bei den Aufträgen selbst sieht Active Sourcing einen Trend zu kürzeren Vertragslaufzeiten und selektivem Outsourcing, ein Trend, den übrigens auch das internationale Beratungshaus TPI in Bezug auf den gesamteuropäischen Markt konstatiert. Als Beispiele aus dem letzten Quartal nennt Active Sourcing die St. Galler und die Thurgauer Kantonalbank, die ihr Applikations-Management sowie Kuoni und Mobiliar, die den Mainframe-Betrieb auslagerten. Die Laufzeiten der im letzten Quartal abgeschlossenen Verträge bewegten sich hauptsächlich zwischen drei und fünf Jahren.
Fünf Neuaufträge, Drei Dienstleisterwechsel
Immerhin fünf der grossen Abschlüsse der letzten 12 Monate waren Neuaufträge. Bei den zehn Verträgen, die erneuert wurden, blieben sieben in den Händen der früheren anbieter, währenmd drei Unternehmen ihren dsienstleister wechselten. (Zwei Unternehmen teilten in den letzten 12 Monaten für ihre Outsourcing-Projekte auf je zwei verschiedene IT-Dienstleister auf, darum steigt die Gesamtzahl der Verträge für diese Betrachtung auf 15.) (Hans Jörg Maron)
(Grafik: Inside-it.ch, Quelle: Active Sourcing)

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