Wer alles an Wikipedia herumflickt

20. August 2007, 10:07
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    Nützliches Werkzeug findet anonyme Änderungen an Wikipedia-Einträgen nach IP-Adressbereichen.

    Nützliches Werkzeug findet anonyme Änderungen an Wikipedia-Einträgen nach IP-Adressbereichen.
    Die kostenlose Online-Enzyklopädie Wikipedia, deren Einträge auf der Arbeit von Abertausenden von Freiwilligen beruht, bietet enorm viel Transparenz. Man kann die Änderungsgeschichte eines Artikels verfolgen und sieht bis aufs letzte Komma, wer wann welchen Artikel ergänzt, korrigiert oder verändert hat. Die meisten Beitragenden werden in einem Portrait vorgestellt und man sieht auch, welche Artikel sie geschrieben oder verändert haben.
    Man kann allerdings auch anonyme Beiträge schreiben oder Korrekturen und Löschungen anbringen. In diesem Fall zeigt Wikipedia nur die Internet-Adresse des oder der Autorin an. Bei Wikipedia selbst, kann man nach den Veränderungen, die von einer einzelnen IP-Adresse ausgegangen sind, suchen. Nicht aber nach den Veränderungen, die von einem ganzen Adressbereich (IP-Range) ausgehen. Will man beispielsweise "von Hand" herausfinden, welche Veränderungen von einer grossen Organisation oder Firma aus angebracht wurden, wird die Sache mühsam bis unmöglich.
    Dazu bietet der US-Amerikaner Virgil Griffith (Foto) dem "Wikiscanner" ein nützliches Werkzeug. Allerdings erst für die englische Wikipedia-Version. Griffith ist 24-jährig, Student der Neurobiologie und Gaststudent ('Visiting Researcher') am Santa Fe Institute.
    1'476 Wikipedia-Änderungen aus Walldorf
    Eine kleine Abfrage des Wikiscanners nach dem IP-Range des deutschen ERP-Riesen SAP in Walldorf ergab immerhin 1'476 Veränderungen an englischsprachigen Wikipedia-Einträgen. Viele der Korrekturen betreffen logischerweise Einträge, die in Zusammenhang mit SAP- und anderen Informatik-Themen stehen. Doch die Interessen der SAP-Mitarbeitenden reichen weit: vom 1. FC Kaiserslauten über den Islam in Malaisia bis hin zur Suezkrise.
    Doch der Griffiths Wikiscanner deckt auch systematische Schönschreibungen, Zensur-Versuche und Manipulationen auf. Auf dem Blog der US Zeitschrift 'Wired' gibt es eine interessante Liste von "Wikipedia Spin Jobs" ("Spin" steht für die Manipulation der öffentlichen Meinung): Aus dem türkischen Schatzamt wurden Beiträge über den Genozid an der armenischen Bevölkerung in der Türkei gelöscht, aus dem IP-Range des US-Fastfood-Riesen McDonalds wurden Links auf kritische Bücher entfernt und von Computern von BBC aus, wurden ein Beitrag über die Tendenz zu Selbstzensur beim staatlichen britischen Medienkonzern arg verkürzt. Der Kommentar im 'Wired Blog': "There may be some irony here." (Christoph Hugenschmidt)

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