Wer IoT sagt, muss auch 5G sagen

6. März 2015, 18:37
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Der Mobilfunk muss leistungsfähiger werden, wenn das Internet der Dinge wirklich Realität werden soll. Die Welt braucht "5G". Darüber waren sich Topshots vom EU-Kommissar bis zum Huawei-Chef am Mobile World Congress in Barcelona einig. Doch noch gibt es viele offene Fragen.

Der Mobilfunk muss leistungsfähiger werden, wenn das Internet der Dinge wirklich Realität werden soll. Die Welt braucht "5G". Darüber waren sich Topshots vom EU-Kommissar bis zum Huawei-Chef am Mobile World Congress in Barcelona einig. Doch noch gibt es viele offene Fragen.
Autonome, selbstfahrende Autos waren eines der am meisten erwähnten Dinge am Mobile Word Forum diese Woche in Barcelona. Fast jeder Speaker und fast jede GesprächspartnerIn an der Riesenmesse kam früher oder später auf fahrerlose Autos zu sprechen. Mit ein Grund dafür, dürfte der Hype sein, der von Gerüchten um das "Apple Auto" entfacht worden ist. Aber es gibt einen weiteren Grund dafür, dass alle das Thema so sehr lieben: Autonome Fahrzeuge sind ein für jedermann verständliches Beispiel für das "Internet der Dinge" oder "IoT" (Internet of Things).
Kein geringerer als Ken Hu, "Rotating CEO" des chinesischen Telekomausrüsters Huawei, belegte in einer überaus konzisen Keynote, warum IoT ohne einen neuen, technisch mächtigeren Mobilfunkstandard (5G) nicht denkbar ist. Hu nannte drei Gründe, die zwingend für die Einführung von 5G sprechen. Erstens die Latenz. Die Verzögerung in der Signalübertragung in 4G-Netzen würde dazu führen, dass ein Auto, das sich mit 100 kmh bewegt, 1,4 Meter weit fährt, bis ein Signal es erreicht. Das ist viel zu lange und wäre für autonom gesteuerte Autos (oder Drohnen oder was auch immer) nicht akzeptal. 5G-Netze haben eine viel geringere Latenz, Hus Auto würde nur noch 28 Zentimeter weit fahren, bis das Signal es erreicht.
Zweitens, so der Huawei-Chef, reicht die Zahl der möglichen Verbindungen in einer 4G-Funkzelle niemals für IoT aus. In 5G-Netzen seien bis zu einer Millionen Verbindungen in einer Zelle möglich, sagte Hu. Und drittens geht es um Übertragungsgeschwindigkeit. Er erwartet eine Übertragungsgeschwindigkeit von bis zu 10 GBs in 5G-Netzen.
EU-Kommissar Günther Oettinger: Standards und Koordination bei der Verteilung von Frequenzen
Wie wichtig der Mobile World Congress geworden ist, zeigt das "Line Up" einer Art "Elefantenrunde" zum Thema "The Road to 5G" am MWC. Vor und nach Hu sprachen EU-Kommissar Günther Oettinger, der charismatische Chef von Korea Telcom, Chang-Gyu Hwang, Stéphane Richard von Orange, Steve Mollenkopf von Qualcomm und Rajeev Suri von Nokia.
Oettinger betonte, dass die EU die Einführung von 5G als "Grundstein der digitalen Wirtschaft" ansieht. Die EU strebe Partnerschaften mit Korea, Japan, China und den USA an und habe ein Public-Private-Partnership-Programm zur Entwicklung von 5G-Technologien aufgezogen. Oettinger war durchaus auch selbstkritisch. Wer ein 5G-Leader sein wolle, müsse führend bei der Einführung von 4G-Technologie sein. Europa hinke hintennach.
Es gelte, die Verteilung von Frequenzen besser zu koordinieren. Europa müsse in dieser Frage mit einer Stimme sprechen. Noch dieses Jahr sind Beschlüsse an einer internationalen Konferenz zu erwarten. Ausserdem sei die Entwicklung von weltweit gültigen Standards für den Erfolg oder Misserfolg von 5G entscheidend.
Enthusiasmus aus Korea, Skepsis aus Frankreich
Als "Leader" sieht sich Chang-Gyu Hwang von Korea Telecom schon heute. In der Tat: Die Abdeckung mit LTE beträgt in Korea gemäss Hwang 100 Prozent. Und KT bietet bereits neue, noch schnellere Versionen von LTE an. Schon 2018 will KT die Winterolympiade als Demonstration und Testfeld für 5G-Funknetze benützen.
Ganz anders der Tonfall von Stéphane Richard. Auch er sprach natürlich von autonomen Autos, die selbst Parkplätze reservieren und von "smart homes". Doch er sagte auch: "Wir sollten 5G nicht zu schnell einführen." Man dürfe nicht den gleichen Fehler machen wie bei der Einführung von 3G (UMTS) und man müsse erst 4G ganz einführen und die Investitionen schützen. (Christoph Hugenschmidt)
(Foto: Eine 4G-Antenne. Foto von Michael Coghlan)

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