Wer ist hier der Troll, Sun oder NetApp?

25. Oktober 2007, 09:48
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Testfall für "Abschreckungspatente".

Testfall für "Abschreckungspatente".
Suns CEO Jonathan Schwartz hat auf seinem Blog eine Patentklage gegen Network Appliance angekündigt, als Reaktion auf eine ähnliche Klage gegen Sun, die NetApp vor rund einem Monat eingereicht hat. NetApps Klage richtet sich gegen das von Sun entwickelte und unter einer Open Source-Lizenz veröffentlichte Filesystem ZFS. NetApp erklärt, dass dieses zu viele technische Übereinstimmungen mit seinem eigenen WAFL-Filesystem aufweise. Der Storagespezialist verlangt daher, dass Sun die Veröffentlichung als Open Source-Software zurücknehmen und das ZFS nur für Server, nicht aber in Storage-Systemen verwendet solle.
Bei einem Troll ernten
In den USA hat sich das Schimpfwort "Patent Troll" für Firmen eingebürgert, die versuchen, absurde Patentrechte durchzusetzen. Jonathan Schwartz bezeichnet NetApp indirekt als einen solchen "Patent Troll": Sun habe schon immer versucht, seine Märkte vor "Trollen" zu schützen, erklärt er, und stellt seinen ganzen Blogeintrag mit der Ankündigung der Klage – allerdings versteckt in der URL – und den Titel "Harvesting from a Troll".
Gemäss der Version von Schwartz sehe sich Sun nur wegen der Uneinsichtigkeit von NetApp zu diesem Schritt gezwungen. Sun habe in der Vergangenheit nie Patentrechte gegen NetApp eingeklagt und eigentlich auch weiterhin keinerlei Interesse daran. Nun aber habe man angesichts der unvernünftigen Forderungen von NetApp keine andere Wahl mehr.
NetApp allerdings sieht die Dinge ganz anders. In einem früheren Blogeintrag, in dem unmissverständlich 36,5 Millionen Dollar für eine gegenseitige Lizenzierung gefordert werden. Da sei es schon erstaunlich, so Hitz, dass Schwartz andeute, NetApp sei hier der "Patent Troll".
Funktioniert die Abschreckung?
Sun will mit seiner Gegenklage auf jeden Fall schweres Geschütz auffahren, wie Schwartz ankündigt. Man werde neben einer finanziellen Entschädigung nichts weniger als einen Verkaufsstopp für alle "Filer" fordern, den Hauptharst von NetApps Produkten, und ausserdem prüfen lassen, ob NetApp das grundlegende "NFS"-Filesystem jemals rechtmässig benutzt habe. Falls für Sun eine Entschädigung herausspringt verspricht Schwartz, mindestens die Hälfte davon der Open Source Community zu schenken.
Für die Klage gegen NetApp will Sun eine Teil seines "Verteidigungsarsenals" von rund 14'000 zugesprochenen oder zumindest angemeldeten Patenten verwenden. Dieses Abschreckungsarsenal an Patenten, die fast alle Aspekte der Informationstechnologie abdecken würden, so Schwartz, habe man angehäuft, um sich selbst, seine Kunden und die Open Source Community gegen Patentansprüche anderer zu verteidigen. Verwendet werde es nur im Falle eines „Angriffs“. Dieses Konzept wird auch von anderen Unternehmen verwendet. IBM hat zum Beispiel vor zwei Jahren zusammen mit anderen Unternehmen eine Patenteinkaufsgesellschaft gegründet, um so die Open Source-Szene zu verteidigen.
NetApp scheint das Abschreckungsarsenal von Sun allerdings zumindest vorerst nicht beeindruckt zu haben. Der Gerichtsstreit zwischen den beiden Unternehmen ist daher auch ein für die Open Source-Community wichtiger Testfall, ob das Abschreckungskonzept in Zukunft funktionieren kann. (Hans Jörg Maron)
(Bild: Auch Trolle sind nur Menschen)

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