Wer ist Kapitän auf dem sinkenden PC-Schiff?

11. Oktober 2012, 12:03
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IDC sagt, dass HP Marktführer bleibt, Gartner sagt, dass Lenovo HP überholt hat. Der PC-Markt, um den gestritten wird, ist derweil kräftig geschrumpft.

IDC sagt, dass HP Marktführer bleibt, Gartner sagt, dass Lenovo HP überholt hat. Der PC-Markt, um den gestritten wird, ist derweil kräftig geschrumpft.
Gerade haben die beiden grossen Marktforschungsinstitute Gartner und IDC ihre neusten Zahlen zum globalen PC-Markt veröffentlicht. Dieser ist demnach, nach bereits sehr geringen Wachstumszahlen im ersten Quartal im dritten Quartal dieses Jahres kräftig ins Minus gerutscht. Beide Marktforscher errechnen einen Rückgang der Anzahl der von den Herstellern augelieferten Geräte und mehr als 8 Prozent verglichen mit dem gleichen Quartal des Vorjahrs. Angesichts der sinkenden Verkaufpreise dürften die Umsätze der Hersteller insgesamt noch deutlich stärker gelitten haben.
Auch bei den Gründen für den Absturz sind sich die beiden Marktforscher im Prinzip einig: Tablets - die beide Marktforscher nicht zum PC-Markt hinzuzählen - sowie wirtschaftliche Unsicherheiten und der bevorstehende Launch von Windows 8.
Die wirtschaftliche Unsicherheit in vielen Ländern hat die Konsumlust der Heimanwender gesenkt und wohl auch PC-Upgradezyklen mancher Unternehmen verlängert.
Laut beiden Marktforschern haben sich sowohl Hersteller als auch der Channel im abgelaufenen Quartal darauf konzentriert ihre Lagerbestände abzubauen, bevor die neuen Windows 8-Geräte auf den Markt kommen. Insbesondere der Retail, so Gartner, sei bei Neubestellungen sehr vorsichtig gewesen.
Die Flaute vor dem – lauen Lüftchen?
Das grundsätzliche Problem ist aber, dass andere Geräte, inbesondere Tablets à la iPad, mittlerweile zur klaren Konkurrenz für PCs geworden sind, während gleichzeitig eine zündende Idee, um PCs wieder attraktiver zu machen, zu fehlen scheint. IDC redet von einem sinkenden "Mindshare" der PCs bei den Anwendern. "Die harte Frage, was denn das 'Das brauche ich!"'-Produkt bei PCs sein könnte, bleibt unbeantwortet", meint IDC-Analyst Jay Chou. Sein Kollege Ranjit Atwal von Gartner sieht dies ähnlich: "Die fehlende Attraktivität sowie mangelnde Innovation bei PCs, zusammen mit der wirtschaftlichen Unsicherheit, führt dazu, dass sich Anwender anderen Geräten zuwenden."
Nun hoffen Hersteller und Channel, dass Windows 8 dem Geschäft wieder Leben einhauchen möge. Viele Marktbeobachter sind aber skeptisch, da Microsoft Windows 8 vor allem dazu konzipiert hat, den Tablet-Markt zu erobern, während die Neuerungen für Benützer von klassischen Desktops und Laptops wenig attraktiv scheinen. Mit mehr als einer leichten Belebung des PC-Geschäfts wird kaum gerechnet. Der Marktforscher iSuppli hat darum bereits prognostiziert, dass die PC-Verkäufe auch über das ganze Jahr gesehen im Vergleich zum Vorjahr fallen werden, zum ersten Mal seit 11 Jahren.
Andererseits stellt sich auch die Frage, wie lange die Aufteilung in PC- und Tablet-Markt noch Sinn macht, vor allem auch da beispielsweise Microsoft die kommenden Windows-8-Tablets vorwiegend als PCs tituliert.
HP und Lenovo Kopf an Kopf
Unter den grossen PC-Herstellern sind laut beiden Marktforschern HP vor Dell und Acer die grossen Verlierer, mit Absatzrückgängen im jeweils zweistelligen Prozentbereich. Um je rund 10 Prozent gestiegen sind dagegen die verkauften Stückzahlen von Lenovo und Asus.
HP ist allerdings gemäss IDC trotzdem noch ganz knapp Weltmarktführer vor Lenovo. Gartner dagegen führt erstmals überhaupt Lenovo an der Spitze. HP hat sich deshalb zu dem ungewöhnlichen Schritt bemüssigt gefühlt, die Zahlen der beiden Marktforscher zu kommentieren. IDC, so HP, zähle im Gegensatz zu Gartner auch Workstations zu den PCs, und präsentiere damit die umfassenderen Zahlen.
Wenn der Trend der letzten Quartale so weitergeht, wird HP allerdings wohl schon im laufenden Quartal bei beiden Marktforschern die Spitzenposition an Lenovo abgeben müssen. (Hans Jörg Maron)

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