Wer kann Big Data zu Gold verwandeln?

3. Juli 2014, 08:16
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Daten sammeln ist nicht schwer, sie zu nutzen dagegen sehr, finden Schweizer Top-Manager.

Daten sammeln ist nicht schwer, sie zu nutzen dagegen sehr, finden Schweizer Top-Manager.
Daten werden zunehmend zu einer neuen Wettbewerbsdimension für Unternehmen. Vielversprechende Lösungsansätze wie Big Data, mit deren Hilfe aus dem wachsenden Datenberg Kapital geschlagen werden kann, stecken jedoch noch in den Kinderschuhen. Erst mit einer klar definierten Strategie zur geschickten Nutzung von Daten kann die Wertschöpfung positiv und nachhaltig beeinflusst werden, darüber sind sich viele Unternehmenslenker und IT-Strategen einig. Dies ist aber leichter gesagt als getan. Genau dieses Thema wurde mit Unterstützung von Tata Consultancy Services und Boydak Strategy Consulting auf dem vergangenen C-Level-Roundtable unter 59 teilnehmenden Top-Managern (vor allem CEOs, COOs, CFOs, CIOs und Chef-Strategen) intensiv diskutiert.
Daten sind gemäss 45 Prozent der Teilnehmer ein signifikanter Erfolgsfaktor für den Geschäftserfolg, weitere 43 Prozent halten sie sogar für absolut unabdingbar. Insbesondere "Big Data" erachten die Top-Executives als zentral. Fast drei Viertel der C-Level-Community erklärte, dass das Thema in ihren Unternehmen intern heiss diskutiert werde und spürt bereits grosse Auswirkungen von Big Data. Und 37 Prozent glauben entsprechend, dass Big Data für ihre Kunden bereits einen signifikanten Mehrwert generiert.
Datenverwertung noch mangelhaft, auch bei strukturierten Daten
Häufig mangelt es jedoch am Wissen, sich die neuen Ressourcen tatsächlich zunutze zu machen. Viele Unternehmen haben schon Schwierigkeiten, das Potential strukturierter Daten zu nutzen. So können 74 Prozent der am Roundtable befragten Topkader die Flut strukturierter Daten noch nicht oder nur teilweise verwerten. Immerhin sind das schon etwas weniger als vor einem Jahr, als es noch 89 Prozent waren. Die immer noch unzureichende Ausschöpfung verwundert nicht, denn 86 Prozent gaben ebenfalls an, über kein oder nur ungenügendes Wissen dafür im eigenen Haus zu verfügen. Bei der Verwertung von unstrukturierten Daten sind die Probleme tendenziell noch grösser.
Am Ufer des Flusses
Deepak Kumar von Tata Consultancy Services verglich die Situation mit der Erdölförderung vor einem halben Jahrhundert. Damals gab es noch grosse Verluste bei der Gewinnung des schwarzen Goldes, weil die Technologie zur effizienten Förderung fehlte. Heute fliesse der Grossteil der gewonnenen Daten wie Wasser in einem Fluss ungenützt an uns vorbei, weil wir nicht in der Lage sind, die Informationen richtig einzufangen.
Tatsächlich bewirkt nämlich die Datenflut einen Paradigmenwechsel. "In der Vergangenheit prüften wir Hypothesen durch Datenanalysen. Mit Big Data ist es genau umgekehrt", so ein Panelteilnehmer. Heute geht es demnach darum, Korrelationen zu finden und bisher nicht bekannte Kausalitäten zu verstehen. Statt wie früher bis auf die letzte Nachkommastelle zahlengläubig zu sein, sind die Erkenntnisse durch Big Data zwar unschärfer, dafür aber zahlreicher und ganzheitlicher.
Tatsächlich ist es ein schwieriger Weg, aus Daten Kapital zu schlagen. Dass es trotzdem geht, zeigen nicht zuletzt reine Internetplayer wie Amazon oder Google, die seit jeher einen strategischen Ansatz beim Management von Kundendaten verfolgen. Bloss 34 Prozent der C-Level-Executives verfolgen ebenfalls solch einen Ansatz, bei dem alle Produkte, Services und Prozesse von vorneherein konsequent auf die Erfassung und Nutzung von Daten ausgerichtet werden. Bei der Hälfte findet Data Mining und Data Extraction nur selektiv statt und ohne die Systematik des Unternehmens grundlegend zu verändern.
Die Umfrage unter den Roundtable-Teilnehmenden zeigte zudem, dass nur wenige Firmen tatsächlich Daten zu barer Münze machen können. Zwar sehen 31 Prozent der Befragten im Schlagwort Big Data nicht mehr einen kommerziellen Hype (vor einem Jahr waren dies erst 8 Prozent), sondern ausschliesslich ein zukunftsträchtiges Geschäft. Aber nur 20 Prozent der Firmen ist es bisher gelungen, substanziellen ökonomischen Wert damit zu schaffen. Hoffnung macht diesbezüglich zumindest, dass die Unternehmens-IT mehrheitlich als gut funktionierender Enabler bei der Ausschöpfung des Datenpotentials angesehen wird. (hjm)
Über C-Level
C-Level ist eine Community, die aus der Mitte der Schweizer Manager entstanden ist. Im Rahmen ihrer Aktivitäten werden regelmässige C-Level-Roundtables veranstaltet und das C-Level Magazin publiziert. Über 500 der wichtigsten 3'000 Schweizer Top-Executives bringen sich bereits aktiv in der Community ein. C-Level befragt regelmässig Mitglieder zu aktuellen Themen und veröffentlicht die Resultate auf inside-it.ch.

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