Widmer-Schlumpf: "eCH ist eine Erfolgsgeschichte"

3. September 2013, 07:38
  • e-government
image

Seit zehn Jahren gibt es den Verein eCH, der sich um Standardisierung im Bereich E-Government kümmert. Es bleibt viel zu tun.

Seit zehn Jahren gibt es den Verein eCH, der sich um Standardisierung im Bereich E-Government kümmert. Es bleibt viel zu tun.
Es war Herbst und auf dem Berner Hausberg geschah Historisches. Rund vierzig Männer und Frauen trafen sich gegen Ende des Jahres 2002 auf dem Gurten, um die Gründung des Vereins eCH in die Wege zu leiten. Daran erinnerte am Montagabend Peter Fischer, Chef des Informatiksteuerungsorgans des Bundes (ISB) und Präsident von eCH. Der Verein eCH feierte am Montagabend im Bernerhof sein 10-jähriges Jubiläum. Ohne eCH, sagte Fischer, seien viele erfolgreiche E-Government-Projekte wie etwa die registerbasierte Volkszählung oder der elektronische Umzug undenkbar. Erst eCH habe den Weg geebnet zu einer nationalen E-Government-Strategie, die Anfang 2007 verabschiedet wurde.
"Wir dürfen uns gratulieren, aber wir dürfen uns nicht auf den Lorbeeren ausruhen", mahnte Fischer. Mit dem Erfolg steige auch der Anspruch. Die alten Standards seien zu pflegen und es gelte, neue zu definieren.
Idealisten und Pionieren
Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf (Foto), die den Steuerungsausschuss E-Government Schweiz präsidiert und aufgrund einer Kommissionssitzung etwas später als vorgesehen auftrat, stiess ins gleiche Horn: "eCH ist eine Erfolgsgeschichte." Sie lobte die damaligen Idealisten, während Fischer davor von Pionieren gesprochen hatte. Heute werde man international beneidet dank dem damaligen Entscheid, einen Verein zu gründen, der sich um die Definition von E-Government-Standards kümmere.
eCH sei eine der erfolgreichsten, wenn nicht die erfolgreichste Public Private Partnership (PPP), sagten gleich mehrere Redner. Doch der Start war nicht einfach. Anfänglich gab es Widerstand seitens der Schweizerischen Normen-Vereinigung (SNV), die ein kommerzielles Angebot bevorzugt hätte. In den letzten zehn Jahren gab es auch Misserfolge und in einigen Sitzungen wurde auch schon hitzig debattiert, wie Widmer-Schlumpf sagte.
In den letzten zehn Jahren hat eCH über hundert Standards definiert. Dieses Jahr, sagte Fischer, dürften 49 hinzukommen. Damit wird deutlich: Die Zahl der Standards wächst stark und mit ihr auch die Arbeitslast für den Verein. Und es dürfte noch einiges auf eCH zukommen. Sowohl Fischer als auch Widmer-Schlumpf und Christian Keller, IBM-Schweiz-Chef und Vertreter der Wirtschaft bei eCH, erwähnten neue Bereiche, die standardisiert werden sollen, zum Beispiel Mobility, Energie, Polizeiwesen, Cloud oder Open Government Data. "ich denke, es braucht Sie alle noch mindestens weitere zehn Jahre", sagte die Magistratin vor dem Publikum.
Braucht es wirklich Standards?
Doch sind Standards wirklich nötig, um E-Gov vorwärts zu bringen? Professor Reinhard Riedl von der Fachhochschule Bern zeigte auf, was aus Sicht der Forschung dafür und was dagegen spricht. Argumente dagegen: Standardisierung blockiert Innovation und widerspricht dem Subsidiaritätsprinzip, wonach möglichst viel Intelligenz in der Peripherie angesiedelt werden soll.
Vieles spreche aber für Standards, so Riedl. Wer globale Flexibilität anstrebe, müsse lokal eben auf etwas Flexibilität verzichten. Letztlich gehe es aber nicht um ein Entweder-oder sondern darum, eine gute Balance zu schaffen. Wichtig seien der Nutzen und die Verständlichkeit dieses Nutzens sowie die einfache Anwendbarkeit der Standards. Aus seiner Sicht müsse eCH das Marketing verbessern, denn die Standards müssten in der Praxis noch stärker umgesetzt werden.
Am Horizont steht nun ein Regelbetrieb aller E-Gov-Aktivitäten, denn heute sei noch vieles in projektartigen Strukturen definiert, sagte Fischer. Die Finanzierung und die Professionalisierung stünden in den nächsten ein bis zwei Jahren im Vordergrund. "Wir müssen uns heute überlegen, wie E-Government künftig organisiert wird. Zu dieser Weiterentwicklung gehört möglicherweise das Geschäftsmodell." Der Verein als solcher habe sich bewährt. Die Organisationsform sorge für eine breite Akzeptanz. "Diese Mitbestimmung ist einer der Erfolgsfaktoren von eCH", so Fischer. Die Position von eCH müsse nun weiterentwickelt werden. (Maurizio Minetti)

Loading

Mehr zum Thema

image

Verwaltungsverfahren beim Bund werden vereinfacht

Für digital eröffnete Verfügungen ist neu keine qualifizierte elektronische Signatur mehr notwendig. Eine komplizierte Geschichte, die aber vieles leichter macht.

publiziert am 19.5.2022
image

Berns Microsoft-365-Zug rollt

Die Stadt Bern zementiert den Microsoft-Kurs. Jetzt sind der Dienstleister für die MS-365-Einführung gewählt und die MS-365-Lizenzen für die Schulen gekauft worden.

publiziert am 18.5.2022
image

Bund will die Landwirtschaft digitalisieren

Es geht nicht um VR für Kühe oder digitale Milch, sondern um den Aufbau eines Kompetenzzentrums für digitale Transformation im Agrar- und Ernährungssektor.

publiziert am 18.5.2022
image

Der Bundesrat macht das NCSC zum Bundesamt

Bis Ende Jahr soll klar sein, wie das Bundesamt für Cybersicherheit ausgestaltet und in welchem Departement es angesiedelt sein soll.

publiziert am 18.5.2022