Wie CA-Mann Sturzenegger den Schweizer Markt sieht

25. November 2015, 10:44
  • international
  • schweiz
  • strategie
image

Mark Sturzenegger sieht sowohl die Schweizer Kunden als auch CA in vielen Punkten in einer Sonderstellung.

Mark Sturzenegger sieht sowohl die Schweizer Kunden als auch CA in vielen Punkten in einer Sonderstellung.
"Gegenüber Deutschland sind die Schweizer Unternehmen deutlich Technologie-offener. Das stimmt nur in einem Bereich nicht, und das ist das Cloud-Computing, da sind die Deutschen weiter vorne", sagt Mark Sturzenegger, Country Manager von CA Schweiz und Partners and Channel Director der Central Region. Einzig bei der Pharma-Industrie sei es anders. In allen anderen Branchen sei man sehr vorsichtig mit der Cloud-Nutzung. Als Erklärung sieht er zwei Gründe: Zum einen ist man vor allem in der Finanzwelt besonders konservativ und sicherheitsbetont. Zum anderen gäbe es aber auch eine Reihe von Vorschriften, die eine Cloud-Nutzung gerade bei Banken und Versicherungen behindern würde. So dürfen deren Kundendaten nicht im Ausland abgespeichert werden – und das betrifft auch die Backup-Rechenzentren.
"Bei den Banken ist es ja sogar so, dass auch die Mitarbeiterdaten praktisch nicht im Ausland abgelegt werden dürfen – denn alle Mitarbeiter sind ja gleichzeitig auch Kunden", erläutert Sturzenegger die Bedenken seiner Kunden. Doch es gibt auch noch technologische Barrieren. "Der richtige Push wird erst dann kommen, wenn sich starke Wertschöpfungsnetzwerke mit klarem Mehrwert rund um die Plattformen gebildet haben. Hier gibt es zwar bereits die ersten Erfolgsmodelle, aber der große Durchbruch steht noch aus. Auch das Grundgerüst der API-Konformität ist noch nicht stark genug entwickelt, um die ersten Silos abzulösen", heisst es in einer Studie der Experton-Group über den Schweizer Cloud-Markt. Im Vergleich der deutschsprachigen Region mit anderen Ländern gibt es laut Sturzenegger aber ebenfalls deutliche Unterschiede beim Kundenverhalten. So wollen seine Kunden immer alles ganz genau bis ins letzte Detail wissen, wogegen man in den angelsächsischen und nordischen Ländern immer nur so viel wissen will, wie gerade zum Verständnis erforderlich sei. "Wenn man ein Auto kauft, muss man ja auch nicht genau wissen, wie der Motor funktioniert", lautet sein Vergleich.
Insgesamt stuft Sturzenegger die Schweiz als einen besonders attraktiven Markt für das Produkt-Portfolio von CA ein. Vor allem der Mainframe-Sektor sei weiterhin ein bedeutendes Standbein. Zwar würde es nur noch wenige Mainframes geben, doch diese würden ständig in der Leistung erweitert. "Gemessen an der Performance steigt der Mainframe-Bereich kontinuierlich an", sagt er über diesen klassischen IT-Markt. Auch die weiteren Aussichten seien für die Grosscomputer immer noch blendend. "Bei vielen Unternehmen sind Mainframes das Rückgrat der IT-Infrastruktur. Gerade wenn es um Verfügbarkeit, Sicherheit und Transaktions-Geschwindigkeit für eine Vielzahl an mobilen Endgeräten geht, bieten Mainframes das beste Kosten-Nutzen-Verhältnis", sagt Mark Anzani, IBMs Chefstratege für die z-Systems-Serie.
Konsequenterweise stuft Sturzenegger auch vor allem diejenigen CA-Neuheiten als besonders wichtig ein, die entweder im Mainframe-Umfeld oder bei der Software-Entwicklung angesiedelt sind. "Die Integration der Rally-Produkte im Rahmen von Agile, das API-Management und die Security-Tools sind für meinen Verantwortungsbereich die Top-Announcements der jüngsten CA-World", lautet seine Beweretung der vielen News, die in Las Vegas veröffentlicht wurden.
Auf die weiteren Entwicklungen von CAs Rechenzentrum-Management-Software angesprochen hält er sich aber deutlich zurück. Zwar gäbe es bereits viele Überwachungs- und Monitor-Tools, doch an Konzepten für eine weitreichende Software-definierte Rechenzentrumsstruktur, wie es beispielsweise bei VMware der Fall ist, würde man nicht arbeiten. Gerüchteweise arbeitet CA aber an einem eigenen Software-definierten-Netzwerk (SDN), das schon in Kürze vorgestellt werden soll. Damit wäre man dann in klarer Konkurrenz zu VMwares NSX.
Einen besonderen Marktvorteil für CA sieht Sturzenegger darin, dass das Unternehmen der weltweit größte unabhängige Software-Vendor sei. "Gerade die großen Service-Provider arbeiten lieber mit uns als beispielsweise mit IBM oder HP zusammen, da in solchen Fällen das Konkurrenzverhältnis überwiegt." Andererseits versuchen die großen Hardware-Anbieter durch eine tiefe Integration bei den Converged-Systems die unabhängigen Anbieter auszubooten. "Da habe ich keine Bedenken, denn die Kunden wollen keine Ein-Lieferanten-Struktur und bevorzugen eher Best-Practice", lautet seine Meinung über die Strategie der Konkurrenz. Auch aus einem anderen Grund könne sich CA bei den Converged-Systems beruhigt zurücklehnen. "Bei HP, IBM und anderen sind wir mit bestimmten Produkten vertreten – auch wenn das nicht nach aussen hin ersichtlich ist, da alles vom jeweiligen Hardware-Anbieter vertrieben und betreut wird", sagt Sturzenegger über die "Kooperations-Konkurrenz" zu den Herstellern.
Vertriebsmäßig ist CA in der Schweiz so organisiert, dass man rund zwei Dutzend der größten Kunden direkt betreut, wogegen kleinere und mittlere Kunden über die Partner bedient werden. Dieses Partnernetz ist in der Schweiz sehr vielfältig. So gibt es kleinere Betriebe, die sich mit wenigen Mitarbeitern auf ganz spezielle Produkte oder Anwendungen fokussiert haben. Dann gibt es die bekannten großen IT- und Service-Provider und schließlich noch die internationalen Beratungshäuser, bei denen es vor allem immer mehr indische Unternehmen zu verzeichnen gibt. (Harald Weiss)

Loading

Mehr zum Thema

image

Ransomware-Bande meldet Angriff auf Ferrari

Die Gruppe Ransomexx hat angeblich erbeutete Dateien veröffentlicht. Der Automobilhersteller schweigt bis jetzt zum Vorfall.

publiziert am 3.10.2022
image

Iris Kornacker ist neue CEO von Polypoint

Sie hat die Stelle von Thomas Buerdel übernommen, der sich in Zukunft auf die Bereiche Innovation und Angebotsausbau bei der Health-Tech-Firma konzentrieren will.

publiziert am 3.10.2022
image

Microsoft erhöht in der Schweiz Zahl der Mitarbeitenden

100 zusätzliche Angestellte will Schweiz-Chefin Catrin Hinkel im nächsten Jahr einstellen. Gebraucht werden sie vor allem im Cloud-Bereich.

publiziert am 3.10.2022
image

Urs Truttmann wird Digitalchef der Stadt Luzern

Nachdem Truttman seit April schon interimistisch als CDO im Einsatz stand, übernimmt er die Leitung der Dienstabteilung Digital jetzt definitiv.

publiziert am 29.9.2022