Wie ein Städtchen seine Facebook-Seite verlor und wieder bekam

30. August 2016, 09:39
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Viele versuchten zu helfen - Facebook kaum.

Viele versuchten zu helfen - Facebook kaum.
Das Thurgauer Städtchen Amriswil hat es geschafft, die laut 'NZZ' wohl erste Schweizer Stadt zu werden, deren Facebookseite.
Die begann am Freitag dem 19. August. "Unsere Administratoren bekamen alle fünf um 9.43 Uhr eine Mail, wonach sie als Administrator abgesetzt worden seien", erklärte Roger Häni, Mitarbeiter Kommunikation bei der Stadt Amriswil, der 'Thurgauer Zeitung'. Danach hatte eine Woche lang niemand von der Stadt mehr Zugriff auf die Seite. Erst am darauffolgenden Freitag erhielten die Administratoren wieder die Kontrolle.
Die weiterhin unbekannten Seitenkidnapper verwendeten diese Zeit, um einige leicht anstössige Beiträge zu veröffentlichen, die mittlerweile entfernt wurden. Wie genau sie die Adminstratorenrechte übernehmen konnten ist unklar. Laut Häni haben die Amriswiler Admins sichere Passwörter verwendet.
Hilfe nur auf Umwegen
Am lehrreichsten für andere Administratoren von Facebookseiten öffentlicher Stellen dürfte sein, wie die Amriswiler wieder Zugang erhielten. Auch ein Gemeinwesen wie Amriswil mit immerhin 15'000 Einwohnern erhielt dafür nämlich von Facebook keinerlei spezielle Hilfe über die offiziellen Wege. Häni unterrichtete Facebook per Kontaktfomular über die Affäre. Die Antwort: Man solle doch die neuen Administratoren bitten, die Seite wieder auszuhändigen. Gleichtzeitig, so Häni, habe Facebook zu verstehen gegeben, dass man den Fall damit als abgeschlossen betrachte. "Wir hatten aber nie wirklich eine richtige Ansprechperson", beklagt sich Häni in einem weiteren Bericht der 'Thurgauer Zeitung'. "Wenn man sich via Kontaktformular bei Facebook meldet, dann bekommt man Antwort von einer Kimberly oder einer Tiffany mit einer kryptischen E-Mail-Adresse."
Häni versuchte sogar tatsächlich, die neuen "Besitzer" der Seite via Facebook direkt anzuschreiben, erhielt aber, wie zu erwarten war, keine Antwort. Dass Facebook letzlich doch den urprünglichen Adminitstratoren die Kontrolle wieder zurückgab, war einer glücklichen Fügung zu verdanken. Nach dem ersten Bericht der 'Thurgauer Zeitung', der auch von weiteren Ostschweizer Medien aufgegriffen wurde, wurden viele Leute auf die Geschichte aufmerksam und boten Hilfe an, darunter auch auf Facebook spezialisierte IT-Firmen. Die entscheidende Hilfe kam laut Häni aber von einer Frau aus der Thurgauer Politik. Diese erinnerte sich daran, dass sie einst einen Vortrag einer Facebook-Mitarbeiterin aus Deutschland besucht hatte und deren Kontaktdaten besass.
Dadurch habe man endlich einen fassbaren Ansprechpartner gehabt. Nach einer kurzen Schilderung der Lage sei es dann ganz schnell gegangen: Nur eine Stunde später hatte das Städtchen wieder die Kontrolle über seine Seite.
Die Lehre, die wir daraus ziehen, ist: Wer Kontaktdaten von Facebook-Mitarbeitern ergattern kann, sollte sie unbedigt aufbewahren. Und auch wenn einem das Malheur, seine Seite zu "verlieren" peinlich ist, kann es helfen, die Medien zu informieren. (Hans Jörg Maron)

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