Wie Homeoffice das BIT herausforderte

13. August 2020, 10:01
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Lief die Homeoffice-Umstellung der Bundesverwaltung rund? Ging sie zulasten von Projekt-Deadlines? Wir haben nachgefragt.

Die Coronapandemie hat enorme Anpassungen bei Firmen und Institutionen nach sich gezogen, auch beim Bundesamt für Informatik und Telekommunikation (BIT). "Auch das BIT musste sich innert kürzester Zeit an diese neue Realität anpassen und Wege finden, allen Mitarbeitenden der Bundesverwaltung eine stabile Infrastruktur für die Arbeit im Home-Office zur Verfügung zu stellen", schreibt Direktor Dirk Lindemann in der neusten Ausgabe des Hausmagazins 'Eisbrecher'.
Dazu gehört ein starker Ausbau der Netzwerk-Kapazitäten, um die rund 16'000 zeitgleichen Zugriffe von zu Hause auf das Bundesnetz sicherzustellen. Zudem habe man Microsoft Teams und Cisco Webex Meetings als Alternative zu Skype for Business eingeführt, so Lindemann. Mittlerweile könnten etwa 1000 Telefonkonferenzen täglich durchgeführt werden – zehn Mal so viele wie vor der Pandemie.
Manche Datenschützer – etwa jener aus Berlin – haben wegen der Vertraulichkeit Vorbehalte gegenüber Teams. Von inside-it.ch darauf angesprochen, sagt BIT-Mediensprecherin Sonja Uhlmann-Haenni: Hauptsächlich würde noch das in die Bundesumgebung integrierte Skype vor Business genutzt. "Als Backup für Skype hat das BIT den Kunden, die dies wünschten, zusätzlich Microsoft Teams zur Verfügung gestellt mit dem Hinweis, dass der Inhalt bis maximal Stufe 'intern' geteilt werden darf". "Intern" ist die niedrigste Vertraulichkeitsstufe beim Bund, höhere Stufen wären "vertraulich" und "geheim".
Und wie sieht es generell mit der Security aus, die bei Homeoffice oftmals überdacht werden muss? Zusätzliche Massnahmen seien hier nicht notwendig gewesen, erklärt die BIT-Sprecherin. Es seien beim Amt zum Bespiel keine gezielten Phishing-Angriffe auf Bundesangestellte bekannt.

Mehr Ressourcen, höhere Kosten

Neben der Infrastruktur wurde auch der IT-Support auf Vorderman gebracht. In einem neue eröffneten Pop-up-Store könnten sich die Userinnen und User rasch Hilfe bei technischen Problemen oder für die Bestellung von Material holen, erklärt BIT-Direktor Lindemann und bilanziert: "Das Angebot wird rege genutzt und wir freuen uns, dass wir damit ein Kundenbedürfnis schnell und unkompliziert umsetzen konnten. Wir planen, dieses Angebot nach der Krise weiter bereitzustellen".
Die Arbeit im Homeoffice funktioniere weitgehend reibungslos, hält er fest. Neben den regulären Arbeiten seien auch spontane Projekte entstanden: Als Beispiel nennt Lindemann eine Parkplatz-App, mit deren Hilfe man digital Parkplätze buchen könne, falls man vor Ort arbeiten müsse.
Das klingt nach einigem Mehraufwand: Neben zusätzlicher Arbeitskraft mussten auch Hardware- und Software beschafft werden. Wie viel dies kostet, konnte das BIT noch nicht sagen. Dies würde in nächster Zeit evaluiert.
Mediensprecherin Uhlmann-Haenni betont aber, man habe die regulären Aufgaben im Betrieb und in den Projekten grösstenteils normal und ohne nennenswerte Verzögerungen weiterführen können. "Dies trotz Umpriorisierung von Arbeitsressourcen z.B. zugunsten der Erarbeitung der Systeme rund um die SwissCovid-App, zusätzlicher Software, die zur Verfügung gestellt wurde, oder dem Ausbau der Netzwerk-Kapazität."

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