Wie kann man Videokonferenz-Monopolisierer stoppen?

16. August 2021 um 13:00
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Cisco testet eine Redezeit-Beschränkung als neues optionales Feature für Webex.

Oft sind es Frauen, die sich in Videokonferenzen übergangen fühlen beziehungsweise die sich daran stören, dass sie von männlichen Kollegen regelmässig unterbrochen und, auf schweizerdeutsch gesagt, "überschwätzt" werden, sobald sie etwas sagen wollen. In den USA wurde dafür auch ein eigener Ausdruck geprägt: "Mansplaining" steht für den Drang mancher Männer, am liebsten selbst alles zu erklären.
Aber auch viele Männer fühlen sich in Konferenzen manchmal von dominanten Kollegen an die virtuelle Wand gedrängt. Nun könnte man natürlich versuchen, dieses Thema mit den Konferenz-Monopolisierern zu besprechen. Aber wenn dies nichts hilft, kann vielleicht auch ein technisches Mittel helfen.
Bei Cisco testet man nun ein solches Feature, das eventuell Abhilfe schaffen könnte, und das in politischen Debatten schon lange gang und gäbe ist: eine Redezeit-Beschränkung für die Teilnehmer. Wer wieviel Redezeit erhält, würde jeweils vom Organisator einer Konferenz bestimmt. Kurz bevor die Zeit für einen Teilnehmer abläuft, erhält er oder sie ein Warnzeichen. Die Zeitbeschränkung wäre damit kombiniert, dass die Mikrofone aller anderen Teilnehmer automatisch auf stumm geschaltet werden, wenn jemand redet.

Ein Feature namens "Round Table"

Wie Lorissa Horton, Vice President General Manager für Webex-Strategie bei Cisco gegenüber 'Protocol' erklärte, wird dieses "Round Table" genannte Feature gegenwärtig intern von Cisco-Teams getestet. Bei Cisco, so Horton, mache man oft Meetings, in denen eigentlich alle Teilnehmer gleich viel Zeit erhalten sollten, um ihre Projektfortschritte zu erklären. Man habe aber festgestellt, dass dabei viele Leute gar nie zu Wort kommen oder nur für ein paar Sekunden gegen Ende der Meetings. Man habe es sich darum überlegt, ob man eine gerechte Zeitverteilung auch erzwingen könnte.
Man wolle das Feature aber zuerst sehr gut testen, so Horton, da es sich dabei um "einen sehr grossen sozialen Wandel" handeln würde. Der reale Einsatz würde wohl auch etwas Fingerspitzengefühl erfordern, zum Beispiel, wenn jemand mitten in einem Schlusssatz unterbrochen würde oder wenn andere Teilnehmen gerne noch etwas mehr von einer Person gehört hätten.

"Multitasker" aufgepasst

Cisco testet übrigens auch noch ein weiteres Feature. Dieses würde nämlich Managern Informationen darüber geben, wie viele Leute wie oft während einer virtuellen Konferenz nebenbei etwas anderes machen: spielen, schreiben, surfen, mit jemand anderem chatten oder was auch immer. Die Daten sollen zwar nur aggregiert geliefert und nicht individuell aufgeschlüsselt werden. Trotzdem dürfte dieses Feature bei manchen Videokonferenz-Teilnehmern ein mulmiges Gefühl auslösen.

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