Wie Konzerne AI-Lösungen einschätzen

1. Juli 2020, 14:17
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Eine Umfrage bei Grossfirmen aus EU-Ländern und der Schweiz zeigt Unterschiede beim Tempo und den Risikobewertungen beim AI-Einsatz

"Die Weichen für AI sind in der Schweiz längst gestellt", folgern die Verantwortlichen aus einer Umfrage über den Einsatz von Artificial Intelligence (AI) in Europa.
Die Resultate zeigen zumindest, dass sich Schweizer Konzerne in verschiedener Hinsicht von solchen in anderen Ländern leicht unterscheiden.
So haben 22% der Schweizer Befragten eine erste AI-Anwendung implementiert und 47% testen eine solche. Diese Werte sind vergleichbar mit Holland, werden aber von schwedischen Konzernen noch leicht übertroffen.
In zwei Jahren ‒ also 2022 ‒ wollen 22,7% der Befragten ‒ in zahlreichen Bereichen AI einsetzen, nur gerade 10% schliessen bis dahin die Implementierung aus, während in Frankreich 28,7% die Technologie ignorieren wollen. 35,6% der französischen Manager glauben gar, dass AI für ihre Firma künftig keinerlei Rolle spielen werde (Schweiz 16%).
Spitzenreiter beim Einsatz werden 2022 laut der Umfrage Schweden, Dänemark und Holland sein.
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Antworten auf die Frage "Wie sollen Sie ihre Lösungen in erster Linie umsetzen - jetzt und/oder in Zukunft?"

Nur wenige Schweizer vertrauen auf interne Lösungen

Und mit wem wollen die Konzerne AI-Lösungen implementieren und einsetzen?, haben die Autoren ebenfalls gefragt.
In der Schweiz sind es je mehr als ein Drittel der Manager, die auf interne Lösungen mit externen Consultants setzen oder auf die globalen Public-Cloud-Giganten AWS, Google und Microsoft. Rund 15% der Schweizer Manager wollen einen IT-Dienstleister in Grossbritannien für den AI-Einsatz bezahlen und nur gerade 8% vertrauen allein auf interne Lösungen.
Bei dieser Frage antworteten die meisten Manager ähnlich wie die schweizerischen, während jedoch in Holland zwei Drittel der Befragten die Public-Cloud-Anbieter beauftragen wollen und nur gerade 3,9% in interne Lösungen mit externer Beratung investieren wollen.
Die Branchen entscheiden offenbar auch darüber, wer Inhouse-Lösungen vorantreibt und wer zu den Hyperscalern geht "Beispielsweise konzentrieren sich europäische Unternehmen im Finanz-, Energie- und Gesundheitssektor viel stärker auf Inhouse-Lösungen oder die Zusammenarbeit mit regionalen Anbietern (40,6%), während in der Fertigungsindustrie 41,6% auf grosse Public-Cloud-Anbieter setzt", schreiben die Autoren.
Zwei Drittel derjenigen, die auf AI setzen, sind auch optimistisch, dass die Technologie enterprise-tauglich sei und externe Experten verfügbar seien.
Die Ergebnisse sind online als interaktive Grafiken verfügbar.
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Wichtige strategische Hindernisse aus Schweizer Sicht.

Unkalkulierbare Kosten gelten als grösstes Risiko

Wo liegen denn die Risiken und Hemmschwellen primär? 78% der befragten Schweizer Manager sind sich in dieser Frage einig: Unkalkulierbare Kosten, sei es bei strategischen Entscheiden oder Infrastruktur-Rechnungen. Rund die Hälfte nennt gleichzeitig die fehlende AI-Strategie als wichtiges Problem.
Das sind andere Werte als in anderen Ländern. So bezeichnen im europäischen Durchschnitt nur 63% die Kostenfragen als Top-Risiko. Wobei Frankreich erneut ausschert: 80% befürchten finanzielle Debakel. In den EU-Ländern ist der Fachkräftemangel offenbar ausgeprägter als in der Schweiz, den beklagen nämlich rund 60% (Schweiz: 35,5%).
Hingegen mangle es in der Schweiz an Verfügbarkeit von Rechenzentren, haben rund ein Drittel der Antwortenden dem RZ-Anbieter Interxion geantwortet.
Im Auftrag von Interxion wurden 2’100 Personen aus acht europäischen Ländern befragt, 150 davon aus der Schweiz. Deren Rollen sind sehr unterschiedlich, die Befragten sind IT-Manager, IT-Operations-Manager, RZ-Manager, CIO und IT-Einkäufer von Konzernen mit 5000 oder mehr Mitarbeitenden aus unterschiedlichen Branchen. Die Umfrage fand vor der Corona-Pandemie statt, welche die Investitionsbereitschaft im Bereich AI beeinflussen könnte.

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