Wie selbstgeführte Teams funktionieren

3. November 2020, 16:20
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Selbstgeführte Teams können Organisationen produktiver und widerstandsfähiger machen. Sofern gewisse Voraussetzungen erfüllt sind.

Unternehmen entfernen sich immer stärker von hierarchischen Strukturen. Digitalisierung, agile Arbeitsweisen sowie der verstärkte Wunsch nach guter Work-Life-Balance führen dazu, dass Selbstführung im Arbeitsleben einen grösseren Stellenwert einnimmt. So ein Fazit einer Studie des Instituts für Angewandte Psychologie der ZHAW. Die qualitative Untersuchung zeigt, dass Selbstführung eine positive Wirkung haben kann, sofern gewisse Voraussetzungen erfüllt sind.
Dazu gehöre, dass Unternehmen die Selbstführung auf Individual- und Teamebene unterstützten. Vorgesetzte müssten die Eigenverantwortung vorleben und Mitarbeitende ermutigen, neue Wege zu gehen, heisst es in der Studie.

Angestellte schätzen Handlungsspielraum

Die Befragten nannten den grösseren Handlungs- und Gestaltungsspielraum als grösste Chancen der Selbstführung. Damit ist insbesondere gemeint, dass man sich aktiver in Entscheidungsprozesse einbringen und die Ausrichtung einer Abteilung aktiver mitgestalten kann. Weiter genannt wurden Motivationssteigerung, eine gesteigerte Sinnhaftigkeit sowie mehr Flexibilität.
Auch auf Teamebene sind laut der Befragung positive Auswirkungen zu erkennen. Grundsätzlich zeige sich, dass die Befragten die Zusammenarbeit im Team positiv wahrnehmen würden. Insbesondere der Austausch untereinander und die hohe Motivation wurden genannt. Die Teams berichten von einem allgemein positiveren Arbeitserlebnis und einer höheren Effizienz.
Als herausfordernd wurde vereinzelt das abnehmende Zugehörigkeitsgefühls innerhalb der Teams wahrgenommen. Für die einzelnen Teammitglieder ist laut der Befragung die kontinuierliche Selbstreflexion die grösste Herausforderung. Daneben seien die vermehrten Absprachen und die verlangte Disziplin und Ausdauer fordernd.

Was es für Selbstführung braucht

Neben der erhöhten Motivation trägt die Selbstführung in Organisationen zu mehr Effizienz, Widerstandsfähigkeit und Produktivität bei. Damit dies aber gelingt, müssen eine Reihe von Voraussetzungen erfüllt sein, wie aus der Studie weiter hervorgeht.
Dies fängt bei unterstützenden Tools an. Hinzu kommt Unterstützung, etwa durch Mentorship, einen Coach oder Scrum Master, sowie die Forderung nach Weiterbildungsangeboten. Betont wurde von den Befragten auch, dass die Vision des Unternehmens und die grundlegende Ausrichtung verständlich kommuniziert werden soll.

Micromanagement schadet

Eine gelebte Fehlerkultur und damit einhergehendes Vertrauen würden weitere Pfeiler einer fördernden Kultur darstellen. Im Gegensatz dazu, gelten eine sanktionierende Organisationskultur und Micromanagement als Hemmnisse. Denn dadurch würden Erfolge belohnt und Misserfolge bestraft, was wiederum dazu führe, dass die Einzelnen weniger bereit seien, Risiken einzugehen. Als weitere Hindernisse wurden eine Übersteuerung durch die Geschäftsleitung, mangelnde Entscheidungskompetenzen und zu geringe Handlungsspielräume genannt. 
Die Ergebnisse basieren auf qualitativen Interviews mit 32 Fach- und Führungskräften, die in unterschiedlichen Funktionenin verschiedenen Branchen in der Schweiz arbeiten. Die IAP-Studie "Selbstführung in selbstorganisierten Arbeitskontexten" erscheint in der Reihe "Der Mensch in der Arbeitswelt 4.0". Die Ergebnisse sind online verfügbar. 

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