Wie sich PostFinance auf dem neusten Stand hält

5. Oktober 2005, 12:39
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Die über 100 Applikationen von PostFinance werden drei Mal im Jahr auf den neusten Stand gebracht. Eine Riesenarbeit.

Die über 100 Applikationen von PostFinance werden drei Mal im Jahr auf den neusten Stand gebracht. Eine Riesenarbeit.
Früher bestimmten Papierberge die Bankenwelt, heute ist es die Software. Bei PostFinance sind zum Beispiel knapp 500 Personen nur für den Betrieb der Finanzdienstleistungs-Applikationen zuständig. Drei Mal jährlich finden sogenannte "Realisierungseinheiten" (RE) statt, bei denen mehrere neue Versionen (Releases) aufgeschaltet werden. Die Releases betreffen mehr als 100 Applikationen von PostFinance. Dies sind zum Beispiel Programme für den internationalen Zahlungsverkehr, für das Printcenter oder für die Online-Dienste yellownet und yellowtrade. PostFinance entwickelt die meisten Applikationen selber. Es werden aber auch Standard-Produkte, wie zum Beispiel Avaloq im Bereich Hypotheken, verwendet. Vom 14. bis 16. Oktober wird die dritte Realisierungseinheit in diesem Jahr eingeführt.
Wie der Stellvertretende Leiter Integration von PostFinance, Rainer Imboden, gegenüber inside-it.ch erklärte, tauchen bei solchen Einführungen selten Probleme auf. Kurzfristige Ausfälle bei der Postcard oder yellownet zum Beispiel haben Auswirkungen auf die Kundschaft und diese müssen laut Imboden vermieden werden.
Im Rahmen einer Realisierungseinheit werden beispielsweise neue Produkte eingeführt, die mehrere Teile des IT-Netzwerks von PostFinance betreffen. Das sind Applikationen, deren Verbindungen übergreifend bis in die Zentrale reichen, dort, wo das Herz von PostFinance schlägt (Buchungen, Kundendaten etc.). Es kommt aber auch vor, dass nur eine spezifische Applikation angepasst wird, unabhängig von der Zentrale. Solche kleinen Änderungen können auch drei bis vier Mal zwischen zwei Realisierungseinheiten vorgenommen werden. Dafür sind spezifische Wartungsfenster vorgesehen. Besteht ein dringender Handlungsbedarf, kann (muss) sofort reagiert werden. Jeweils nach der Produktivsetzung einer Realisierungseinheit treffen sich präventiv drei Tage lang die verantwortlichen Personen in einer Task-Force, welche die notwendigen Massnahmen sofort einleiten kann. Nach dieser kritischen Phase tauchen meist keine unmittelbaren Probleme mehr auf.
Besser als früher
"Durch die Optimierung der Entwicklungs- und Testprozesse konnte die Stabilität während und nach der Realisierungseinführung erheblich verbessert werden", bemerkt Imboden. Zudem seien die verschiedenen Applikationen stabiler geworden. Vor zirka vier Jahren habe man das letzte Mal einen RE-Termin um eine Woche verschieben müssen.
Die Kunst bei allen Updates besteht darin, dass Kunden nichts oder nicht viel davon mitbekommen sollen. Die drei jährlichen RE finden deshalb jeweils von Freitagabend bis Sonntagabend statt – Nachtarbeiten inklusive. Für die yellownet-Kundschaft entsteht dabei zum Beispiel eine Ausfallszeit von 48 Stunden. Jeweils sonntags um 19 Uhr müssen alle Applikationen wieder laufen. Die Entwickler leisten schon Wochen vor der Einführung Vorarbeit. Bevor das System wieder in den Betrieb genommen wird, testen um die 70 Personen (je nach Anzahl Projekte) der Integrations-Abteilung die Applikationen. Pro RE sind um die 80 Prozent der Applikationen von neuen Produkten oder Änderungen betroffen.
Im November wird das Jahresende auf der Testumgebung simuliert, um sicher zu stellen, dass die Jahresendverarbeitung einwandfrei funktioniert. Damit sich die 500 Informatiker von PostFinance auf den Betrieb und die Weiterentwicklung ihrer Applikationen konzentrieren können, übernimmt eine andere Abteilung, die "IT-Services" der Schweizerischen Post in Zollikofen, den Betrieb der Büroautomations- und Netzumgebung von PostFinance. (Maurizio Minetti)

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