Wie sicher sind die Schweizer SIM-Karten noch?

20. Februar 2015, 13:40
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Der von der NSA und Co. beklaute SIM-Karten-Hersteller Gemalto beliefert auch Swisscom und Co. Und hat kürzlich einen der wichtigsten Security-Player der Schweiz übernommen.

Der von der NSA und Co. beklaute SIM-Karten-Hersteller Gemalto beliefert auch Swisscom und Co. Und hat kürzlich einen der wichtigsten Security-Player der Schweiz übernommen.
Bad Timing: Erst vor zehn Tagen wurde bekannt, dass Gemalto das Aargauer Unternehmen Trüb übernommen hat, wie die 'Aargauer Zeitung'. Denn die Geheimdienste der USA und Grossbritannien sollen die Verschlüsselungcodes von Gemalto gestohlen haben.
Durch die Angriffe im Auftrag der anglo-amerikanischen Geheimdienste könnte auch die Sicherheit von elektronischen Personalausweisen und Pässen, Bank und Kreditkarten oder Schlüssel-Generatoren für das Online-Banking ausgehebelt worden sein. In diesen Bereichen werden ähnliche Chips mit geheimen Schlüsseln wie in den SIM-Karten verwendet.
Die aus Aargau stammende Trüb wurde 1859 als klassische Druckerei gegründet, änderte in den 1990er-Jahren dann das Geschäftsmodell und stellen seither Reisepässe, Führerausweise sowie Kredit- und Debitkarten her. So ist es beispielsweise Trüb, die den Zuschlag erhielten.
Heisst das nun, dass die Geheimdienste künftig Zugriff haben auf die gesamten Daten der Schweizer Smart-Cards? Trüb-Pressesprecher Stephan Lips war für inside-it.ch bisher nicht zu erreichen.
Schweizer SIM-Karten
Gemalto ist Hersteller von rund zwei Milliarden SIM-Karten im Jahr - auch Schweizer SIM-Karten. Swisscom beispielsweise hat mehrere Lieferanten, darunter auch die Holländer. "Wir sind in Abklärung mit den Lieferanten, ob und in welcher Form die an Swisscom gelieferten SIM-Karten betroffen sind. Bisher haben wir dazu noch keine Anzeichen," schreibt Swisscom-Sprecher Olaf Schulze gegenüber inside-it.ch. Sollten jedoch Karten betroffen sein, werden Gegenmassnahmen ergriffen.
Genau so Orange. "Orange ist bezüglich der SIM-Kartensicherheit mit Gemalto in Kontakt, ob Sicherheitslücken bestehen könnten", schreibt die Pressesprecherin Therese Wenger auf die Anfrage von inside-it.ch. Der Telco geht sogar noch einen Schritt weiter, und droht mit einem Wechsel: "Da wir verschiedene SIM-Kartenlieferanten haben, würde auch die Möglichkeit bestehen, zukünftig auf andere SIM-Kartenlieferanten zu wechseln."
Ins gleiche Horn bläst auch Sunrise. Gemalto gehöre zwar zu den Lieferanten, man sei aber bereits im Gespräch, "um bei Bedarf allfällige notwendige Schritte einzuleiten".
Die Schweizer Telcos hat es gleich doppelt erwischt. Denn aus den aktuellen Snowden-Unterlagen geht hervor, dass auch weitere SIM-Hersteller im Visier der beiden Geheimdienste standen. So auch Giesecke & Devrient aus Deutschland, die die NFC-SIM-Karte für Tapit liefern. (Linda von Burg)

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