Wie smarte Assis­tenten die Tourismus-Branche verändern

20. Mai 2019, 13:54
  • technologien
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Eine Schweizer Studie sagt smarten Assistenten in der Reisebranche künftig eine grosse Rolle zu. Sofern man sich auf einen Daten-Standard einige, mahnen die Autoren.

Eine Schweizer Studie sagt smarten Assistenten in der Reisebranche künftig eine grosse Rolle zu. Sofern man sich auf einen Daten-Standard einige, mahnen die Autoren.
Smarte Assistenten dürften den Tourismus in den kommenden zehn Jahren mindestens so prägen, wie es Smartphones in den vergangenen zehn Jahren getan haben. Dies zeige eine heute publizierte Studie des Gottlieb Duttweiler Instituts (GDI). Die im Auftrag der Konferenz der Regionalen Tourismusdirektoren der Schweiz RDK durchgeführte Studie versucht die Entwicklung des Reisens bis 2030 zu untersuchen.
GDI geht davon aus, dass in zehn Jahren mehr als die Hälfte der Schweizer einen smarten Sprachassistenten wie Amazons Alexa oder den Google Assistant täglich nutzen werden. Für den Reisenden, so glauben die Autoren, werden smarte Assistenten zum persönlichen Reisebüro, Navigator, Übersetzer oder Tour-Guide. Administrative Aufgaben wie Ticketkäufe oder Check-ins könnten künftig vermehrt über smarte Assistenten abgewickelt werden. Ausserdem stünden die Assistenten, die natürliche Sprache verstehen, den Reisenden als Coaches zur Seite und würden in Bezug auf ihre Dienstleistungen kaum mehr von einem kompetenten, menschlichen Assistenten zu unterscheiden sein, schreibt das GDI. "Mehr noch: Sie werden besser über unsere Interessen Bescheid wissen und unsere Vorlieben genauer kennen, als fremde Auskunftspersonen das je können werden."
Es braucht offene Daten
Um für smarte Assistenten bereit zu sein, so eine Kernaussage der Studie, müssen Tourismusdestinationen maschinenlesbar werden, sonst würden die Angebote von den digitalen Begleitern nicht gefunden. Als Beispiele nennt die Studie die Speisekarten von Restaurants, die Auslastung von Hotelzimmern oder die Wartezeit bei einer Bergbahn. "Je mehr Daten online zugänglich sind, je feiner die Auflösung des digitalen Abbilds der Realität ist, desto besser können digitale Assistenten Gäste bei ihrer Reise unterstützen", schreiben die Autoren.
Rein technisch sei immer mehr möglich. Etwa könnten Kameras eingesetzt werden, um Skifahrer auf einer Piste zu zählen oder Sensoren, um die aktuelle Wetterlage oder die Belegung von Parkplätzen zu messen.
Mit offenen, standardisierten Daten, so glauben die Autoren weiter, könnten sich auch Lösungen durchsetzen, die die Privatsphäre der Nutzenden wahren können. Wichtig sei, dass man sich bei den Daten auf einen gemeinsamen Standard einige. "Es braucht einen gemeinsamen Standard, um mit den grossen Playern zu arbeiten, aber gleichzeitig auch gegen die grossen Player zu arbeiten. Nur eine offene Datenbasis bietet die Chance auch für kleine Startups, für alternative Plattformen, für andere touristische Akteure, alternative Anwendungen neben den grossen Playern zu schaffen", wird Florian Bauhuber, Geschäftsführer Tourismuszukunft, in der Studie zitiert.
Stünden genügend offene Daten zur Verfügung, wäre es beispielsweise möglich, eine App zu programmieren, die anzeige, wo überall vegan gegessen werden kann, so ein weiteres Beispiel der Studie. Neben von der Branche selbst generierten Daten, könnten auch Daten von Dritten, die bereits verfügbar sind, eingebunden werden.
Neue Geschäftsmodelle werden möglich
AirBnB oder Uber haben es vorgemacht – Privatpersonen können über Plattformen eigene Dienstleistungen anbieten. In der Welt der smarten Assistenten für die Tourismusbranche würden sich ebenfalls neue Geschäftsmodelle ergeben und der Gast selbst könne zum Leistungserbringer werden.
Etwa wenn ein Tourist mit dem Auto fahre und noch freie Plätze zur Verfügung habe, könnte er diese künftig über einen smarten Assistenten verkaufen oder ein Kulturinteressierter könnte sich als Museumsführer anbieten und im Gegenzug eine Sprachlektion verlangen.
Die vollständige Studie, "Unterwegs mit smarten Assistenten", die als Navigationshilfe für den Schweizer Tourismus dienen will, kann auf der Website des GDIs heruntergeladen werden. (kjo)

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