Wie sollen Händler und Distis noch Geld verdienen?

11. Februar 2010, 14:47
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Durchschnittlich kostet ein Computer in der Schweiz noch 995 Franken. Assemblierer besonders stark vom Preiszerfall betroffen.

Durchschnittlich kostet ein Computer in der Schweiz noch 995 Franken. Assemblierer besonders stark vom Preiszerfall betroffen.
So schwarz wie Robert Weiss vor zwölf Monaten das Schweizer PC-Jahr 2009 sah, kam es nun auch wieder nicht. Der Schweizer IT-Marktforscher hatte damals einen Rückgang des Absatzes von Desktops und Notebooks um 1,7 Prozent prognostiziert. Er ging davon aus, dass der Absatz der Notebooks um 4,6 Prozent steigen und derjenige der Desktops um 10,5 Prozent schrumpfen würde. Zwei dieser drei Prognosen erwiesen sich als zu pessimistisch: Der Verkauf von PCs und Notebooks stieg um 3,9 Prozent auf 1,787 Millionen Geräte. Der Notebook-Absatz wuchs sogar um 16,2 Prozent auf 1,155 Millionen Rechner.
Etwas zu optimistisch war hingegen die Prognose, dass der Schweizer Desktop-Markt nach Stückzahlen um 10,5 Prozent schrumpfen würde. 2009 wurden in der Schweiz nur noch 632'000 Desktops verkauft. Das entspricht einem Rückgang von 12,9 Prozent verglichen mit 2008.
Anhaltender Preiszerfall
Nach Umsatz sieht der Schweizer PC-Markt freilich viel schlechter aus. Der Preiszerfall hält weiterhin an. Hier waren die Prognosen von Weiss präziser, ging er doch von einem Rückgang der Durchschnittspreise von PCs und Notebooks um 11,4 Prozent aus. Wie seine heute anlässlich der Präsentation des "Weissbuch 2010" veröffentlichten Daten zeigen, sanken die Preise durchschnittlich um 12,7 Prozent. Sehr präzise war die Prognose, dass die Desktop-Preise um 4,2 Prozent schrumpfen würden – sie sanken nämlich um 5 Prozent. Ebenfalls genau war die Voraussage, dass die Notebook-Preise um 16,1 Prozent sinken würden. Tatsächlich sanken sie um 17,6 Prozent.
In absoluten Zahlen bedeutet das Ganze: Ein Computer kostet in der Schweiz durchschnittlich noch 995 Franken. Letztes Jahr waren es immerhin noch 1140 Franken. Ein Notebook für Privatanwender kostet durchschnittlich noch 875 Franken. Vor einem Jahr waren es 1036 Franken. Marc Schnyder, Chef des grössten Schweizer IT-Distributors Also, sagte heute Morgen am "Weissbuch-Seminar", die Schweizer PC-Preise seien europaweit die tiefsten. Tatsächlich fragt sich die Branche seit langem, wie sie diesen Abwärtstrend stoppen kann. Tiefere Preise bedeuten noch tiefere Margen.
Arme Assemblierer
Im vergangenen Jahr litten insbesondere die Assemblierer. Ihr Marktanteil beträgt noch 5,3 Prozent, wobei alleine 2,2 Prozent auf den grössten Assemblierer Steg entfallen. Erstaunlich: 2002 erreichten die Assemblierer noch einen Marktanteil von 21,3 Prozent im Gesamtmarkt.
Alle Assemblierer zusammen haben bei den Stückzahlen einen Rückgang von 10,6 Prozent zu verzeichnen und produzierten so 94'000 Einheiten, was einem Umsatz von rund 80 Millionen Franken entspricht. Der Marktanteil der Assemblierer ging bei den Desktops von 2002 bis 2009 von 28,9 Prozent auf 13,1 Prozent retour und bei den Notebooks vom Höchststand im Jahr 2005 mit 8,1 Prozent auf noch 1 Prozent zurück.
Gemäss Weiss macht der ständige Preiszerfall vor allem den kleineren Assemblierern zu schaffen. Als Assemblierer könne man dann erfolgreich sein, wenn man einerseits auf Nischenprodukte setze oder aber mit eigenen Verkaufspunkten in der ganzen Schweiz aufwarten könne, so Weiss. Dies schaffen freilich nur wenige, etwa Steg, Brack, Littlebit oder Rotronic Micro. (Maurizio Minetti)

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