Wie stark beeinträchtigt das Coronavirus die IT-Lieferkette?

11. Februar 2020, 15:33
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Vor allem der Komponentennachschub könnte beeinträchtigt werden, falls die Epidemie noch lange andauert.

Der taiwanische Branchen-Newsdienst 'Digitimes', der auch Marktforschung betreibt, hat vor einigen Tagen eine Prognose dazu veröffentlicht, wie sich die Corona-Epidemie auf den Servermarkt auswirken wird. Nach dieser Prognose werden Serverhersteller im ersten Quartal global 10% weniger Server liefern können als vor einem Jahr. Vor der Epidemie hatte man ein Wachstum von 1,2% erwartet.
Der Hauptgrund sind stillstehende Fabriken von Serverherstellern und Komponentenfabrikanten in China. Und zwar eben nicht nur in der Provinz Hubei beziehungsweise der Stadt Wuhan, wo die Epidemie ausgebrochen ist. Im ganzen Land haben viele Fabriken die traditionellen Ferien zum chinesischen Neujahrsfest wegen der Epidemie verlängert.

Wann kommen sie zurück zur Arbeit?

Offiziell nahmen die meisten Fabriken gestern wieder ihren Betrieb auf. Die Frage ist allerdings, wann und wie viele Mitarbeitende wirklich an ihren Arbeitsplatz zurückgekehrt sind oder noch zurückkehren. 'Digitimes' redet von möglicherweise nur 20%, die ihre Arbeit sofort wieder aufgenommen haben. Einige Komponentenhersteller haben deshalb bereits angekündigt, dass sie wahrscheinlich erst Ende Monat wieder ihre volle Produktionsleistung erreichen, vielleicht auch später. Einige wollen ihren Betrieb sowieso erst am 25. Februar wieder aufnehmen.
Dies betrifft nicht nur den Servermarkt, auch Komponenten für allen anderen IT-Geräte sind betroffen. Dies könnte, mit etwas Verzögerung, auch Probleme bei der Lieferbarkeit der Geräte selbst bewirken.

Gemischte Signale

'Digitimes' meldet mittlerweile, dass einige Hersteller Entwarnung geben. Der Chiphersteller TSMC beispielsweise sagte, er habe seine Produktionsleistung aufrechterhalten können.
Inventec, der grösste Hersteller von Server-Motherboards, will seine bereits grosse Produktionskapazität ausserhalb von China weiter erhöhen.
Die Serverfabrikanten Quanta Computer und Wivynn sagten, dass sie noch genügend Komponenten auf Lager haben, um ein bis zwei Monate ohne Einbrüche weiter produzieren zu können.
Bei manchen anderen Auftragsfertigern existieren aber offensichtlich Probleme. Bei Pegatron seien bisher nur wenige Mitarbeitende in eine Fabrik in Schanghai zurückgekehrt, so 'Digitimes'. Für Foxconn sei die Lage unklar.

Die Zeit entscheidet

Das aktuelle Fazit von 'Digitimes': Ob es im Servermarkt zu Lieferproblemen kommen wird, wird sich wohl erst gegen Ende März zeigen. Entscheidend ist, ob ihre Lieferanten den Herstellern dann wieder genügend Komponenten liefern können, um die Produktion ohne Einbussen weiterzuführen.
Ähnliches gilt auch für andere IT-Hardware-Bereiche. Das Entscheidende wird letztlich sein, welches Ausmass die Epidemie noch erreicht und wie lange es dauern wird, um sie unter Kontrolle zu bringen.

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