Wie Swisscom die Datenflut bewältigen will

12. Februar 2014, 12:16
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Mit neuen Technologien will der Schweizer Telco Kapazitätsprobleme verhindern und Offensiven von Konkurrenten kontern.

Mit neuen Technologien will der Schweizer Telco Kapazitätsprobleme verhindern und Offensiven von Konkurrenten kontern.
Die immer beliebteren und leistungsfähigeren Smartphones führen dazu, dass sich im Mobilfunknetz die Datenvolumen jedes Jahr verdoppeln. Vor allem der Videokonsum per Handy und Tabletcomputer macht immer leistungsfähigere Netze nötig: Mittlerweile sorgt Videostreaming für zwei Drittel des Datenvolumens, wie Heinz Herren, Leiter des Swisscom-Geschäftsbereichs IT, Network & Innovation, am Mittwoch an einer Medienkonferenz in Zürich sagte.
Nachfrage-Spitzen im Mobilfunk ergeben sich täglich um etwa 13 Uhr, kurz nach 17 Uhr im Feierabendverkehr und wieder um 21 Uhr. Letzteres vermutlich deshalb, weil aufgrund der Pauschalangebote vermehrt auch zuhause via Mobilfunkantenne gesurft wird. Das Datenvolumen verdopple sich jedes Jahr und er glaube nicht, dass sich dies in Zukunft ändert, sagte Herren. Swisscom brauche daher zusätzliche Antennenstandorte.
Neue Small Cells in den Städten
Handlungsbedarf sieht Herren insbesondere in den Städten. Der Netztest der Zeitschrift 'Connect' habe Swisscom zwar weiterhin das beste Netz attestiert. In den Städten hätten Konkurrenten hingegen aufgeholt, räumte der Swisscom-Manager ein.
Mit kleinen Antennen auf Strassenniveau, so genannten Small Cells, sollen die Innenstadt-Abdeckungen erweitert werden. In Winterthur wurde ein Pilotprojekt durchgeführt, auch in Luzern und Lausanne habe Swisscom bereits Erfahrungen gesammelt, sagte Herren.
Ab dem zweiten Halbjahr sollen 2000 bis 4000 solche Small Cells installiert werden. Die Vorschriften für die maximale Strahlenbelastung würden eingehalten. Es gehe um sehr kleine Leistungen, vergleichbar mit heimischen WLAN-Netzen und tiefer als solche von Funk-Festnetztelefonen, sagte Herren. Die Vorschriften für die Strahlenbelastungen seien in der Schweiz tiefer als im Ausland, was den Netzbau um mindestens 20 Prozent verteuere.
Konkurrenten hegen ebenfalls Small-Cells-Pläne. So hat beispielsweise Orange angekündigt, in Zusammenarbeit mit dem Zürcher Elektrizitätswerk EWZ zusätzliche Antennen mit dem neuesten Mobilfunkstandard 4G (LTE) in der Stadt Zürich zu montieren. Das meiste werden Small Cells sein, die beispielsweise in der Bahnhofstrasse auf Trammasten installiert werden.
Zusätzliche 4G-Technologien
Von den 6,7 Millionen Mobilfunkgeräten in der Schweiz sind bereits rund 1 Million 4G-fähig. Höhere Geschwindigkeiten sollen ab dem zweiten Quartal ermöglicht werden, indem LTE-Advanced ausgerollt wird. Dabei werden zwei Frequenzbänder zusammengeschaltet, sodass die Kapazitäten steigen und die Surfgeschwindigkeit von 150 auf 300 Mbit/s erhöht werden kann. Kürzlich hat auch Sunrise eine solche Verdoppelung angekündigt.
Schliesslich sollen bis in einem Jahr auch Telefonate im LTE-Standard (Voice over LTE, VoLTE) möglich werden. Bislang werden nur Daten via LTE gesendet. Sprachtelefonie wechselt bislang in die älteren Standards 2G respektive 3G, parallel geführter Datentransfer ebenso. Mit VoLTE seien Zusatzfunktionen wie Sprachbefehle und dereinst wohl Fremdsprachenübersetzung in Echtzeit denkbar. (sda/lvb)

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